Dannstadt-Schauernheim
Magie aus dem Apfel
„Ich lese sehr viel.“ So lautet die klare Ansage von Robin Häßelbart. Der Siebenjährige wird sogar noch ein bisschen präziser: „Und immer abends“. Mindestens eine halbe Stunde räumt sich der Bald-Zweitklässler dafür täglich ein. Was die Tageszeit für seine Lieblingsbeschäftigung angeht, macht er gelegentlich eine Ausnahme – nämlich dann, wenn es in den Geschichten etwas gruseliger zugeht. „Das mag ich dann nicht im Bett lesen, damit ich keine Albträume bekomme“, sagt er. Also verschiebt er das Schmökern hin und wieder auf eine frühere Stunde.
Bei dem Buch, das sich der Junge aus Dannstadt-Schauernheim für seine Empfehlung ausgesucht hat, ist dies jedoch nicht nötig. Bei „Petronella Apfelmus – verhext und festgeklebt“ von Sabine Städing mit Illustrationen von Sabine Büchner geht es um eine, wie Robin betont „sehr liebe Hexe“, die eine selbst für Hexen ungewöhnliche Behausung hat. Petronella wohnt in einem an dem entsprechenden Obstbaum hängenden Apfel, ist also eine Apfelbaumhexe. Zu ihr herauf führt eine magische Leiter. „Je höher man klettert, umso kleiner wird man“, sagt der junge Lesefan. Umgekehrt wird man beim Herabsteigen wieder größer. Diese Erfahrung machen auch die beiden Kinder Lea und Luis Kuchenbrand, die seit Kurzem im benachbarten Müllerhaus wohnen und neugierig den Garten erkunden.
Magische Apfelkerne
Obwohl sich die Hexe zunächst gestört fühlt, schließt sie schnell Freundschaft mit den Zwillingen. Bei den folgenden gemeinsamen Abenteuern ist natürlich immer ein bisschen Zauberei im Spiel. Mit einer Dose Apfelkernen gelingt der gleiche Trick wie mit der Leiter, je nachdem, mit welcher Hand man sie hält. Sei es die linke, so schrumpfe man, sei es die rechte, so wachse man wieder, sagt der Siebenjährige. Klar ist der Fall auch für Robins kleinen Bruder Till (4): „Das müssen magische Kerne sein“, lautet sein Kommentar treffend.
„Doch niemand darf das erfahren“, übernimmt Robin wieder das Wort. Auch nicht Paul und Maike Kuchenbrand, die Eltern von Lea und Luis. Ihr Papa sei leider arbeitslos geworden, weil der fiese Bäckermeister Kümmerling ihn rausgeschmissen habe, fährt Robin mit Erzählen fort. Und die Familie sei daher „sehr knapp im Geld“. Als ein Kuchenwettbewerb ansteht, wollen die Geschwister diesen unbedingt gewinnen. Mit Petronellas Hilfe und ihrem besonderen Rezept für einen, nach Robins Urteil „superleckeren Apfelkuchen“ gelingt ihnen der Sieg, was ihrem Gegenspieler Kümmerling gar nicht gefällt. Er klaut das Rezept und plant das Gleiche mit den benötigten Spezialäpfeln von Petronellas Apfelbaum. Nicht ahnend, was seinen zwei Komplizen blüht.
Eine verhexte Geschichte
Es wird spannend in Robins Erzählung: „Achtung, die Männer sollen da bleiben, wo sie sind und sich nicht mehr bewegen können!“, verrät er über den verhängten Zauber. Es passiert, was passieren muss, sie bleiben kleben. „Einer mit dem Po, der andere mit den Fingern“, so die nähere Beschreibung des lesebegeisterten Jungen. Dieses Schicksal erweckt ihn ihm ein wenig Mitgefühl: „Das wäre für mich auch sehr unangenehm“, räumt er ein.
Um von Baum wieder loszukommen, müssen Bedingungen erfüllt werden. Welche das sind, ob Herr Kümmerling darauf eingeht und wie die verhexte Geschichte ausgeht, darüber weiß Robin zwar bestens Bescheid, dies soll aber an dieser Stelle nicht verraten werden. Das müssen andere junge Bücherfreunde schon selbst herausfinden oder sich vorlesen lassen. Robin ist da schon sehr selbstständig. „Ich brauche keine Hilfe mehr“, steht für ihn fest und zum Beweis liest er sogleich einen Satz aus dem Text vor.
Buchstaben findet er toll
Seine Mama Martina Häßelbart mit dem fünfeinhalb Monate alten Baby Luke im Arm erinnert sich: „In die Bibliothek sind wir gegangen, seitdem Robin drei Jahre ist und haben dort gerne die Koffergeschichten angehört. Er hat von sich aus aber auch schon frühzeitig Interesse an Buchstaben gehabt“, weiß sie noch gut. Ein besonderer Kristall half ihm beim Wörterlernen. „Diamant konnte ich schon im Kindergarten schreiben“, erinnert sich der Junge, der auch gerne Lego spielt und klettert, wenn er gerade nicht liest.
Am letzten Schultag vor den Ferien freute er sich besonders über das Geschenk seiner Eltern, einen neuen Band von Margit Auers „Schule der magischen Tiere“. Alle vorherigen hatte er bereits durch. Serien, in denen es magisch zugeht, liebt er eben – so wie bei der kleinen Hexe Petronella. Mit ihren abenteuerlichen Streichen hext sie sich durch sieben weitere Bände. Zum Glück – für Leseratten wie Robin – ist der Lesesommer noch nicht zu Ende.
Lesezeichen
„Petronella Apfelmus – verhext und festgeklebt“: Band 1 von Sabine Städing, erschienen 2014 im Boje Verlag, 224 Seiten, Lesealter ab 8 Jahre, 13 Euro, ISBN 978-3414823991