Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Leute im Landkreis: Thomas Weinitzke hilft im Corona-Testcenter

Thomas Weinitzke ist Freiwilliger im Testzentrum und hat für die Besucher stets ein Lächeln parat.
Thomas Weinitzke ist Freiwilliger im Testzentrum und hat für die Besucher stets ein Lächeln parat.

Thomas Weinitzke hilft gerne. Gerade arbeitet er ehrenamtlich im Dannstadter Schnelltestcenter im Zentrum Alte Schule. Er steht für viele Freiwillige, die helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Und deshalb freut er sich, wenn er nicht mehr gebraucht wird: Dann hat Corona ein Ende.

Was ihn dazu motiviert habe, als Freiwilliger mitzuarbeiten? Thomas Weinitzke lacht und antwortet: „Diese Frage habe ich befürchtet.“ Der Grund, einfach formuliert, lautet: „Ich habe Zeit.“ Schon sehr lange ist der gebürtige Erfurter, der vor 30 Jahren nach Dannstadt-Schauerheim kam, vor Ort engagiert, etliche Jahre in der katholischen Gemeinde Hl. Sebastian und in jüngster Zeit als Bürgerbusfahrer. Dem Fachbereich 3 „Bürgerdienste“ der Verbandsgemeinde somit bestens bekannt, wurde er von dieser Seite gefragt, ob er nicht bereit sei, im Corona-Testzentrum mitzuarbeiten. Schon die ehrenamtliche Tätigkeit im Bürgerbusteam empfand der 65-Jährige stets als sehr angenehm, freute sich nun aber über den neuen „Kick“, den ihm die aktuelle Herausforderung bieten würde. Die positive Nebenwirkung: nicht einzurosten.

Bei der Überlegung, „ob ich die vier Stunden vertrödele oder eben nicht“, fiel die Entscheidung zugunsten der guten Sache aus. Thomas Weinitzke ist einer, der sein Leben gerne selbst in die Hand nimmt und gestaltet. „Man kann darauf warten, dass jemand anderes das übernimmt oder tut es selbst“, sagt er. In seiner momentanen passiven Altersteilzeit hat der Vollbluttechniker, wie er sich nennt, seine Tage durchgeplant. Klar ist für ihn: „Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich langweilen.“ Morgens steht er mit seiner noch berufstätigen Frau Petra auf, kümmert sich ums Frühbeet, den Hund, alles sonstige Liegengebliebene und trifft die Vorbereitungen für das gemeinsame Kochen am Abend. „Es wird ordentlich gekocht bei uns“, verrät er schmunzelnd. Dabei werden auch Speisen kreiert, die man nicht im Kochbuch findet. Das Experimentieren auf diesem Gebiet macht ihm viel Spaß und das leidige Schnippeln überhaupt nichts aus. Die nötige Fingerfertigkeit besitzt er auch. „Ich habe gelernt, mit meinen Fingern umzugehen“, sagt er über sich.

Horizont und Denken geöffnet

In seiner langjährigen Berufstätigkeit für die BBC hat er viel von der Welt gesehen. Das Bereisen mehrerer Kontinente hat neben seinem Horizont auch sein Denken geöffnet. Herausgebildet hat sich für ihn, dass es immer eine doppelte Sichtweise auf Dinge gibt. Als Beispiel dafür nennt er seine freiwillige Arbeit im Zentrum Alte Schule. Manch ein Negativdenkender könne meinen, das sei Zeitverschwendung. Er selbst findet es positiv, dass er dafür die Zeit aufwendet. Nicht nur tut er etwas Sinnvolles, er trifft auch Menschen, die ihn wieder erkennen und ansprechen: „Sie sind doch der Herr Weinitzke.“ Solche Begegnungen, obgleich durch die Auflagen stark eingeschränkt, tun ihm gut.

Daher zieht er sich gerne seine orangerote Weste an, wenn es heißt, als „Ordner“ die zum Test erschienenen Personen zu empfangen, auf den Abstand zwischen den Wartenden zu achten, sie zu ihrer Symptomfreiheit zu befragen und auf das Tragen von Mund-Nasenschutz sowie den erforderlichen Personalausweis hinzuweisen. Falls es viele gleichzeitig sind, sorgt er für gute Laune, bis alle dran sind, oder auch mal für Ordnung. In der Rolle als „Einweiser“ ist es seine Aufgabe, für die Besucher, die angemeldet sind und ihren Laufzettel erhalten haben, Staus vor den Testkabinen zu verhindern.

Im Gegensatz zu den PC-Kräften, die einen festen Arbeitsplatz haben, sind er oder seine Kollegen flexibel und bei Fragen und Problemen schnell mit einer helfenden Hand zur Stelle. Im April waren es laut Fachbereichsleiter Bürgerdienste, Gerhard Schaa, der selbst in der Anmeldung mitarbeitet, durchschnittlich 142 Testlinge pro Tag. Insgesamt besteht das Team in Dannstadt aus mehr als 50 Feuerwehrleuten, die das Fiebermessen, die eigentliche Testung und die Auswertung vornehmen, sowie aus zusätzlich rund 30 Ehrenamtlichen.

„Fünf Vierteljahre“ ohne Infektion überstanden

Alle sind in Erster Hilfe ausgebildet und haben eine Online-Schulung absolviert. Es seien stets genügend Freiwillige verfügbar, berichtet Thomas Weinitzke. Er und seine Frau Petra, die er, wie er mit Augenzwinkern zugibt, zum Mitmachen „erzogen“ habe, sind ein bis drei Mal im Monat im Einsatz. Die Zusammenarbeit und die Atmosphäre beschreibt er mit einem Wort: „Herrlich!“ Sehr einfühlsam gehe man mit den Testpersonen um und sei um ihr Vertrauen bemüht. Schließlich käme nicht jeder ohne Angst und mit breiter Brust zum Test. Für die Kleinsten steht die Gummibärchenbox bereit und sie dürften auch mal ein Stäbchen halten oder bekämen einen Gummihandschuh mit. Zu sehen, mit welchem Lächeln sie dann aus der Testkabine kommen, sei wiederum „herrlich“.

Persönlich ängstlich ist der studierte Elektrotechniker nicht. Auf der Suche nach einem Hobby hat er vor vielen Jahren den Segelflugschein gemacht, stets der Devise folgend: „Der nächste Baum steht mir bestimmt nicht im Weg.“ Angst, sich anzustecken, hat er auch keine. Seine Haltung dazu: „Jetzt habe ich fünf Vierteljahre ohne Corona-Infektion überlebt und wenn es blöd kommt, erwischt es mich eher beim Discounter, wo Abstand ein Fremdwort ist.“ Und so gerne er auch seiner Arbeit im Testzentrum nachgeht, ist er dennoch froh, wenn sie bald beendet sein wird. Denn dies würde bedeuten, dass die Corona-Zeit endlich vorbei ist.

Testen lassen

Infos unter www.vgds.de

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