Römerberg
Lauter alte Schätzchen: Was beim Treffen der Schlepperfreunde los ist
Johann Kremer ist von Haus aus Friseur. Drei Jahre lang kam er sich indessen vor wie ein Archäologe. Der Grund steht heute in tiefem Blau vor dem Mitglied der Oldtimerfreunde aus Dannstadt-Schauernheim: ein Opel Kadett A Coupé, Baujahr 1965. In einer Scheune hat Kremer das Auto gefunden. Beziehungsweise das, was davon übrig war. „Es hatte keinen Boden, ringsherum waren Löcher“, erinnert sich der Oldtimer-Freund. Alles hat er auseinandergebaut, viele Bleche zum Wiederaufbau selber hergestellt. „Der Motor ist noch original mit 43.000 Kilometern“, erzählt Kremer stolz.
Wert war ihm der Einsatz von Zeit und Geld, denn exakt diesen Opel durfte er sich mit 18 Jahren nach dem Erwerb des Führerscheins gemeinsam mit dem Vater kaufen. Wie das Fahrzeug im Fundzustand ausgesehen haben muss, ist am Opel Cabrio nebenan zu sehen, der ebenfalls Kremer gehört. In einer Hecke auf dem Gelände eines Mannes in Nordrhein-Westfalen hat er ihn gefunden – das nächste Objekt, das restauriert werden soll. Drei bis fünf Jahre plant Kremer dafür ein.
Schon der Vater hat vom P4 geschwärmt
Diese Zeit hat Peter Stamer hinter sich. Der Otterstadter ist froh: Die Jungfernfahrt mit seinem Opel P4 Spezial Geländeroadster in die Heiligensteiner Rauhweiden ist geglückt. „Mein Vater hat immer vom P4 geschwärmt, der aus Trümmern geborgen und aus verschiedenen Wagen zusammengebaut wurde“, sagt Stamer. Dazu kam eine Zeichnung in einem Buch. Er wusste: Den Wagen muss er bauen.
Aus „Schrott“, wie er berichtet, hat er den Geländeroadster Stück für Stück wieder aufgebaut. Als Autohändler hatte Stamer dafür ein Händchen, als mittlerweile Rentner die entsprechende Zeit. Mehr als 3000 Stunden stecken in dem Opel. Mit ihm will Stamer Mitte Mai an der Bodensee Classic teilnehmen.
Aus einem Scheunenfund hat auch Robert Fröhlich aus Harthausen ein Schmuckstück gemacht. In den 1970er-Jahren gekauft, kam der Opel Torpedo erst Anfang der 2000er zum Restaurieren an der Reihe. „Viel war kaputt“, merkt Fröhlich an. Auch er hat alles selbst gemacht, sogar das abnehmbare, aber TÜV-abgenommene Lenkrad. „Ich wollte ein Auto mit freistehenden Rädern“, begründet er den Kauf des „Oldies“, dem Neunten in Fröhlichs privatem Bestand.
Anziehungskraft haben Gustav und Pauline zwischen den eleganten Karosserien. Sie sind Feuerwehr-Oldtimer namens Opel Blitz aus den Jahren 1939 und 1947. „Beides sind Vorkriegsfahrzeuge. Davon sieht man nichts mehr“, klärt Bodo Pfeiffer auf. Am Beispiel von Gustav zeigt er die aus Holz bestehende Karosserie. „Das Fahren macht Spaß. Der Sechs-Zylinder-Benziner-Motor schnurrt wie ein Kätzchen“, verrät er.
Rund 60 Personen sind für das Treffen im Einsatz
Der Vorsitzende der Schlepperfreunde, Johannes Jochem, lädt während der Veranstaltung regelmäßig Fahrer zum Interview ans Mikrofon ein. Auf Besonderheiten wird aufmerksam gemacht, Tipps werden gegeben. „Ohne mein Team wäre das Treffen nicht zu stemmen“, macht er deutlich. 60 Personen sind im Einsatz. Die Zusammenarbeit mit dem FV Heiligenstein, der die Versorgung mit Essen übernimmt, freut Jochem ebenso wie die Unterstützung durch Sponsoren, die kleine Geschenke an die Teilnehmer zulassen.