Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Landwirte im Speyerer Umland wegen Spargelernte zwischen Hoffen und Bangen

Knochenjob: Für die Spargelernte werden Helfer gebraucht. Doch woher nehmen in Zeiten von Corona?
Knochenjob: Für die Spargelernte werden Helfer gebraucht. Doch woher nehmen in Zeiten von Corona?

Es tut sich was auf den Äckern im Speyerer Umland. Der Spargel wächst zusehends und er muss raus aus der Erde. Das Problem: Die Grenzen sind wegen des Coronavirus dicht, rund 300.000 Erntehelfer fehlen. Was bedeutet das für die Bauern? Wie nah Licht und Schatten momentan beieinanderliegen, zeigt das Beispiel zweier Landwirte aus Dudenhofen und Hanhofen.

Tim Ballreich, der den Martinshof in Dudenhofen leitet, hat jeden Strohhalm ergriffen, um an Erntehelfer heran zu kommen. Sogar via TV-Spot hat er um Schüler und Studenten geworben, sich gegen Lohn und Brot einzubringen. Nur wenige Tage ist das her. Gestern klang Ballreich beim Anruf der RHEINPFALZ gelöst. „Beim Dreh war die Lage tatsächlich sehr kritisch“, gibt er zu. Und jetzt? „Im Moment haben wir keinen Bedarf an weiteren Erntehelfern“, erklärt er. Ballreich hat nämlich nicht lange gezögert und „alles eingeflogen, was ging“.

Was lapidar klingt, war mit mordsmäßigem Aufwand verbunden, erzählt er weiter. Abgesehen von bürokratischen Anforderungen wurde bei jedem aus Rumänien einreisenden Erntehelfer noch am Flughafen die Temperatur gemessen, bevor er mit auf den Martinshof durfte. Dort gelten in diesem Jahr ebenfalls andere Regeln als sonst. „Die Leute haben Ausgangsverbot. Sie dürfen auch nicht wie sonst zum Supermarkt einkaufen gehen“, sagt Ballreich. Über die Lohnkarte würden Dinge des täglichen Bedarfs abgerechnet, die für die Erntehelfer besorgt werden. Ansonsten gelte: möglichst viel Distanz beim Schlafen, Desinfektion und noch mehr putzen als bisher.

Über die Spargelernte auf den 50 Hektar jedenfalls macht sich Ballreich derzeit keine Gedanken mehr – lediglich der angekündigte Frost in den kommenden Nächten erschwere die Lage. Über die Erdbeeren, die als nächstes eingeholt werden müssen, zerbricht er sich momentan ebenfalls nicht den Kopf. Eine lange Liste mit Namen von Schülern und Studenten gebe es mittlerweile, die willens seien, ihn bei der Ernte auf der 15 Hektar großen Fläche zu unterstützen.

Einzige Chance: Helfer einfliegen

Bei Alois Henkel auf dem Kreuzhof in Hanhofen ist die Stimmung weniger euphorisch. „Im Moment ist die Familie alleine auf den Feldern im Einsatz. Wir müssen noch schauen, wie wir die Sache mit den Erntehelfern organisieren“, erklärt. Über den Landweg kämen die Menschen aus Rumänien nicht mehr nach Deutschland. Einzige Chance für Henkels Leute wie bei Ballreich: das Flugzeug. „Wir hoffen, dass wir auf dem Weg doch ein paar Leute bekommen“, meint Henkel.

Die allerletzte Konsequenz wäre, die Spargelernte zu unterbrechen. In Neustadt und Haßloch ist das bereits geschehen, aus Mangel an Erntehelfern. „Wir sind abhängig von ihnen“, macht der Hanhofener Henkel deutlich. Die Ernte sei mit nur wenigen Helfern unrentabel. „Man braucht eine gewisse Größe, um Ertrag zu machen“, sagt er. Einige Spargelkunden beziehungsweise Menschen aus dem Ort hätten sich hilfsbereit gezeigt und ihre aktive Unterstützung bei der Ernte angeboten. „Aber das ist harte Arbeit. Ich weiß nicht, ob sie das täglich durchhalten“, äußert sich Henkel nachdenklich. Einen Versuch sei es in jedem Fall wert.

Gestern Mittag hat das Bundeslandwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Maschinenringe eine Vermittlungsplattform für Erntehelfer freigeschaltet. Über diese soll der Kontakt zwischen Landwirten und Helfern aus der Bevölkerung, deren bisheriger Broterwerb durch das Corona-Virus ebenfalls weggebrochen ist, hergestellt werden.

Im Internet

www.daslandhilft.de

x