Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Landrat Clemens Körner ehrt in Kleinniedesheim 14 neue Weinpaten des Rhein-Pfalz-Kreises

Dürfen sich nun ein Jahr lang um den Landratswein von Clemens Körner (Vierter von links) kümmern: die neuen Weinpaten des Rhein-
Dürfen sich nun ein Jahr lang um den Landratswein von Clemens Körner (Vierter von links) kümmern: die neuen Weinpaten des Rhein-Pfalz-Kreises. Foto: BOLTE

Ein bunter Reigen neuer Weinpaten trat am Freitagabend in Kleinniedesheim sein Amt an. „Saukerl“ titulierte Landrat Clemens Körner einen der frisch gebackenen Würdenträger des Rhein-Pfalz-Kreises, und das war nicht als Beschimpfung gemeint. Der Theatermacher Alexis Bug, der aktuell mit seiner Trump-Satire „Pfälzer Saukerl“ von sich reden macht, war einer von 14 Kandidaten, die beim Kleinniedesheimer Weinlesefest feierlich in ihr neues Amt als Weinpaten des Landratsweins erhoben wurden.

Die Tradition ist so alt wie der Landratswein selbst. Den gibt es seit 2012. Drei Jahre wurden die Trauben dafür in Rödersheim-Gronau gelesen, seit 2015 entsteht der Regent auf dem Weingut Merkel in Kleinniedesheim. Alljährlich werden beim Weinlesefest Weinpaten gekürt, und im nunmehr achten Jahr dieses Brauchtums kann der Kreis bereits auf 159 Paten zurückblicken. Ihre Aufgaben bestehen während der einjährigen Amtszeit in drei Pflichtterminen, erläuterte Körner: „Auf dem Landratswingert gibt es im Herbst eine Weinlese, im Frühjahr das Rebschneiden, und dann das Pflanzen einer Rose an jeder Rebzeile.“

„Wir sind das ganze Jahr über auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für dieses Am“, berichtete Paul Platz Leiter des Kulturbüros des Kreises. Kriterium für die Auswahl: Die Geehrten sollen einen Querschnitt bilden, der die Vielfalt in den Kreisgemeinden widerspiegelt – in den Bereichen Kunst, Kultur, Kirche, Bildung und Wirtschaft.

Die Jüngste unter den neuen Weinpaten hatte ein Heimspiel: Die amtierende pfälzische Weinprinzessin Christina Schött ist 29 Jahre alt und die erste Weinprinzessin in der Geschichte ihres Heimatdorfs Kleinniedesheim. In ihrer Antrittsrede stellte Schött den 60 Besuchern in der Gaststätte des Geflügel- und Kaninchenzuchtvereins die Weinsorte Regent vor: „Er zählt zu den jungen Rotweinreben, ist sehr farbintensiv, tiefdunkel und hat einen südländischen Charakter mit Beerenduft.“

Einen Hauch Theaterluft brachte Alexis Bug in das Spektakel. Der in Schifferstadt aufgewachsene Schauspieler, Regisseur und Autor präsentierte dem Publikum einen Ausschnitt aus seiner Satire „Pfälzer Saukerl“, in der Donald Trumps Großvater Friedrich nicht nach Amerika ausgewandert, sondern im pfälzischen Kallstadt geblieben ist. Folglich ist der kleine Enkel Donald auch nicht US-Präsident geworden, sondern nur ein kleiner Friseurmeister.

Tanztheater erlebten die Gäste des Weinlesefestes, als Daniela Lahdo die Bühne betrat. Die neue Weinpatin hatte aus Neuhofen einen Kurzfilm mitgebracht, der Szenen ihrer Musicalprojekte zeigte. Mit charmanter Offenheit gestand die 31-Jährige, dass sie als Tanzsportlerin keinen Alkohol trinke. „Aber zur Pfalz gehört der Wein. Und es ist für mich eine riesige Ehre, heute eine von euren Weinpaten zu werden“, schloss Lahdo ihre Rede, die großen Applaus fand.

Auf lebhaftes Interesse stieß – aufgrund der aktuellen Debatten um das Insektensterben – Christiane Bell aus Dudenhofen. Die Vorsitzende des dortigen Natur- und Vogelschutzvereins hat in Dudenhofen ein Öko-Paradies erschaffen, das so groß ist wie 15 Fußballfelder. Hier dürfen seit Jahren Gras und Kräuter wild wachsen, und es gibt auf den vereinseigenen 20 ehemaligen Äckern rund um das Spargeldorf Streuobstwiesen. „Es blüht und summt und brummt auf unseren Wiesen“, warb die Landschaftsplanerin und Biologin um Nachahmer. „Nach dem zweiten Jahr sind solche Anlagen sehr pflegearm, und sie sind wichtig, um die Biodiversität zu erhalten.“

Ebenfalls geehrt wurde Helmut Karl, der als Reisefotograf aus Neuhofen Benefiz-Ausstellungen für ein nepalesisches Dorfkrankenhaus veranstaltet und mittlerweile über 80.000 Euro für den Wiederaufbau gesammelt hat. Willi Petermann aus Bobenheim-Roxheim entwirft und produziert jedes Jahr den Fasnachtsorden des Kreises. Unter dem Label „Von Heike“ verarbeitet die Mutterstadterin Heike Fehmel Obst und Gemüse aus der Region zu Säften, Konfitüren und Saucen.

Als Leiter des Kreisverbindungskommandos des Rhein-Pfalz-Kreises war Oberstleutnant Erich Schäfer viele Jahre für die Zusammenarbeit mit Zivilisten im Katastrophenschutz zuständig. Andreas Rubel aus Bobenheim-Roxheim hat sich in der Diözese stark für die Jugendarbeit eingesetzt. Daneben wurden die ehemaligen Ortsbürgermeister Jürgen Jacob (Altrip), Gabriele Böhle (Hochdorf-Assenheim) und Erich Eisenbarth (Lambsheim) sowie Elfriede Benedix aus Otterstadt als ehemaliges Mitglied von Kreis- und Bezirkstag und der amtierende Ortsbürgermeister von Kleinniedesheim, Ewald Merkel, ausgezeichnet.

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