SPEYERER UMLAND
Kirche und Weihnachten: Von Online-Messe bis To-go-Box
Jens Henning, seit Oktober leitender Pfarrer der Pfarrei Heilige Hildegard, hätte sich sein erstes Weihnachtsfest an seiner neuen Wirkungsstätte sicherlich anders gewünscht. „Es ist eine Herausforderung“, sagt er. Die Anzahl an Menschen, die zum Gottesdienst in die Kirche dürfen, ist weiter streng begrenzt. In Dudenhofen sind es zum Beispiel rund 100. Die Anmeldungen für die Christmetten auch in den anderen Orten der Pfarrei liefen schon, noch seien Plätze frei. „Es wäre das schlimmste, wenn an Heiligabend Leute kommen und in den Gottesdienst wollen, und wir müssen sie abweisen“, findet der Pfarrer. Er und sein Team haben sich deshalb Gedanken gemacht und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
So ist das Pastoralteam an Heiligabend zu verschiedenen Zeiten in den Kirchen vor Ort. Wer möchte, kann einfach vorbeikommen und sich den Weihnachtssegen abholen: in Hanhofen und Heiligenstein von 11 bis 12 Uhr, in allen anderen Kirchen von 10 bis 11 Uhr. „Dazu gibt es ein ,Weihnachts-Überlebenspaket’, damit die Leute zu Hause versorgt sind“, berichtet Henning. Darin enthalten sind eine Kerze, Lebkuchen, Bastelbögen und Gebete. Für Kommunionkinder können für fünf Euro „Kreativ-Pakete“ angefordert werden.
Online und ökumenisch
Außerdem sind zwei Feiern mit Krippenspielen der Kinder geplant. Sie sollen voraussichtlich im Freien stattfinden. „Das müssen wir noch mit dem Ordnungsamt abstimmen“, sagt der Pfarrer. Und auch eine ökumenische Online-Variante eines Weihnachtsgottesdiensts gemeinsam mit der Römerberger Pfarrerin Bettina Beyerle soll es geben: Der 30- bis 40-minütige Gottesdienst wird demnächst an verschiedenen Stellen gefilmt – „damit aus allen Orten der Pfarrei ein Part kommt“, wie Henning erläutert – und anschließend rechtzeitig online gestellt. Ebenso wie die Messdiener plant auch die Pfarrgemeinde selbst einen virtuellen Adventskalender über ihre Website und die Social-Media-Kanäle.
Die Einschränkungen zu Weihnachten lösen bei Jens Henning ambivalente Gefühle aus: „Natürlich ist es auch eine Chance, die Weihnachtszeit zu Hause in Ruhe und Stille ohne den Adventstrubel zu begehen“, findet er. „Wer das will, kann die Situation nutzen darüber nachzudenken, was wesentlich ist.“ Doch er verstehe auch die andere Seite: „Weihnachtsmärkte gehören eigentlich dazu. Und wenn sich große Familien nicht treffen können, dann ist das für viele eine Belastung.“
Auch wenn es deshalb schwer fällt: Die Corona-Regeln würden streng eingehalten. Weihnachtslieder mitsingen, das sei dieses Mal nicht möglich. „Wir können nicht sagen, wir machen eine Ausnahme und singen ,Stille Nacht’“, sagt der Pfarrer. „Dieses Jahr heißt es eben: hören.“ Die Gottesdienstbesucher seien es mittlerweile auch gewohnt, nicht mitzusingen. Trotzdem freut sich Jens Henning auf den Tag, wenn die Lieder wieder aus voller Kehle gesungen durch die Kirche schallen. „Die paar Monate stehen wir noch durch“, ist er zuversichtlich.
In Waldsee und Otterstadt wird es über Weihnachten zwar mehr Gottesdienste geben als in anderen Jahren, ob aber jeder, der gerne in die Kirche gehen möchte, auch einen Platz bekommt, kann nicht garantiert werden. Daher ist eine Anmeldung zu den Gottesdiensten in der Zeit vom 9. bis 17. Dezember nötig. Theoretisch wäre es vorstellbar, so viele Gottesdienste anzubieten, dass auch wirklich jeder unterkommt. Praktisch sei das aber nicht umsetzbar, erklärt Dekan Frank Aschenberger, und das liege ausnahmsweise mal nicht daran, dass es zu wenig Priester gibt. „Für jeden Gottesdienst brauchen wir Ordner, Sakristane, Messdiener und einen Organisten“, erklärt er. Und da gebe es einfach Grenzen, denn auch die Ehrenamtlichen möchten an Weihnachten nicht den ganzen Tag Dienst schieben. Gerade für die Ordner sei das an den Feiertagen kein einfacher Job, Menschen, die nicht angemeldet sind, abweisen zu müssen, wenn alle erlaubten Plätze besetzt sind und scheinbar doch noch so viel Platz in der Kirche ist.
Open-Air-Idee verworfen
Ursprünglich habe man Open-Air-Gottesdienste angedacht, zum Beispiel im Auwald, so Aschenberger. Doch von der Idee sei man abgekommen. Hauptgrund ist die aktuelle Corona-Verordnung des Landes, wonach die Personenzahl bei diesen Open-Air-Veranstaltungen auf 100 begrenzt ist. Das sind auch nicht so sehr viel mehr, als in einer Kirche unter Corona-Bedingungen maximal Platz finden. Außerdem müssten bei einer solchen Veranstaltung viele Ordner eingesetzt werden, die die Zugänge und die Einhaltung der Abstandsregeln kontrollieren. Und der Aufwand, alles auf- und abzubauen und auch schön zu dekorieren, sei hoch. „Die Erwartungen an Weihnachten seien in diesem Jahr besonders groß, die Bereitschaft zu helfen aber nicht unbedingt“, fasst Aschenberger zusammen.
Allerdings können die Weihnachtsgottesdienste auch bequem von zu Hause mitgefeiert werden. Zum einen werden aus der Kirche in Limburgerhof Gottesdienste gestreamt. Zum andern haben alle katholischen Haushalte einen Gemeindebrief bekommen – in Otterstadt das Kontakty, in Waldsee den Martinskurier – in dem für jeden Adventssonntag und für die Weihnachtsfeiertage ein Vorschlag für einen Hausgottesdienst und für einen Familiengottesdienst ausgearbeitet ist.