Rhein-Pfalz Kreis Keine Scheu vor Akten und Abfall
«Waldsee.»Entspannt auf der Terrasse in Waldsee zu sitzen wie beim Besuch der RHEINPFALZ, dafür hat Volker Knörr eher selten Zeit. „Alle Termine unter einen Hut zu bekommen ist eine Herausforderung“, sagt der frischgebackene Nachfolger von Konrad Heller (CDU) im Amt des Kreisbeigeordneten. So habe er eigentlich vorgehabt, den Landrat am Volkstrauertag zu vertreten. „Dann habe ich gemerkt, dass meine Tochter an dem Termin Firmung hat“, berichtet er. Die Prioritäten sind für ihn klar: „Der Beruf und die Familie gehen vor“, sagt der 41-jährige verheiratete Vater zweier Kinder, der als Konrektor der Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Oggersheim tätig ist. Das habe ihm sein Vorgänger mit auf den Weg gegeben. Dennoch will Knörr sein Ehrenamt mit vollem Einsatz angehen und zwei bis drei Nachmittage pro Woche in der Kreisverwaltung verbringen, um sich seinen neuen Aufgaben zu widmen. Die drehen sich hauptsächlich ums Thema Müll – für Knörr völliges Neuland. Doch gerade das reizt ihn. Scheu hat er weder vor Abfall- noch vor Aktenbergen. Seine Vorgänger hätten ihm ein gut bestelltes Feld hinterlassen, die erfolgreiche Arbeit will er fortführen. Auch wenn er noch dabei sei, sich einzulesen, habe er schon einiges gelernt. So hätten Freunde zu ihm gesagt: „Du bist doch jetzt der ,Müllpapst‘. Sorg mal dafür, dass die Gelben Säcke aus dickerem Material sind und nicht so leicht reißen.“ Warum das nicht so einfach geht, weiß Volker Knörr jetzt: Die Säcke sind Teil des Dualen Systems Deutschland, auf das der Kreis keinen Einfluss hat. Als Lehrer ist er schon viel im Landkreis herumgekommen: Böhl-Iggelheim, Bobenheim-Roxheim, Dannstadt-Schauernheim und Dudenhofen waren berufliche Stationen. „Ich habe mich damals bewusst für das Hauptschullehramt entschieden“, sagt Knörr. Dass die Sozialarbeit dabei eine große Rolle spielt, liegt ihm: „Es kommt viel darauf an, einen Zugang zu den Kindern zu bekommen.“ Unterstützung bekommt er dabei von Labradoodle Wickie. Die Hündin ist ein Schulhund. Ihre Anwesenheit soll sich positiv auf die Entwicklung der Schüler auswirken. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen. In Waldsee ist Volker Knörr aufgewachsen und fest verwurzelt. Beim Karnevalverein Uno ist er Sitzungspräsident, bei den Guggemusikern Waldsemer Gasserassler macht er mit, und als Mitglied der Palzwannerer ist Knörr am Vatertag mit einem Essens- und Getränkestand am Rheindeich vertreten. Der Erlös ist zum Teil für einen guten Zweck bestimmt. Auch in einem Naturfreundehaus bei Annweiler hilft er manchmal bei der Bewirtung. Das Handballspielen hat er mittlerweile aufgegeben, dafür wirkt er seit zehn Jahren im Waldseer Ortsgemeinderat, seit drei Jahren im Verbandsgemeinderat Rheinauen und seit zwei Jahren im Kreistag mit. Zur CDU sei er weniger wegen deren Landes- oder Bundespolitik gekommen, sondern weil sie seiner Meinung nach „gute Arbeit vor Ort“ macht. Nun also noch Kreisbeigeordneter: Die Frage, warum er sich das zusätzlich „antut“, drängt sich auf. „Es wird viel gemotzt“, findet der 41-Jährige. „Aber nur, wenn ich mich engagiere, kann ich mitreden.“ Bevor er kandidierte, hat er sich zu Hause beim „großen Familienrat“ grünes Licht geholt. Dass die nächsten Kommunalwahlen schon 2019 anstehen, sieht Knörr positiv. So könne er in die Aufgaben auf Kreisebene hineinschnuppern. Parteiintern setzte sich der Waldseer gegen einen Konkurrenten durch, bevor er am 26. Juni vom Kreistag gewählt wurde: 33 von 43 Mitgliedern stimmten mit Ja, zwei mehr als die große Koalition Sitze hat. „Das fand ich sehr schön“, sagt Knörr. Neinstimmen gab es drei. Die entspannte Zeit auf der Terrasse ist vorbei. Volker Knörr will noch in die Kreisverwaltung fahren. Den „Vorzimmerdamen“ will er auf dem Weg dorthin ein Eis holen – auf gute Zusammenarbeit.