DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Kein Spargelessen zum Abschied: Emil Münzer hört auf

Auch mit 80 noch voller Energie: Emil Münzer.
Auch mit 80 noch voller Energie: Emil Münzer.

Am kommenden Sonntag sollte wieder das erste der traditionellen Spargelessen in der Dudenhofener Festhalle sein. Nach 45 Jahren wollte sich Initiator und Organisator Emil Münzer am 7. Juni dann von seinem Team verabschieden. Wegen der Corona-Pandemie wird daraus nichts, doch Münzer kann trotzdem leichten Herzens loslassen.

Hätte, wäre, wenn sind nicht seine Denk- und Gefühlskategorien. Gefragt, ob er bedauert, die Essen aus den bekannten Gründen absagen zu müssen und es für ihn kein Jubiläum gibt, antwortet Emil Münzer: „Ich bin froh, dass es so viele Jahre gut gelaufen ist und ich mit 80 die Verantwortung leichten Herzens abgeben kann.“

Ein Spargelfest ohne Spargelgericht auf der Karte? Geht gar nicht. War aber so, bevor Münzer kam. Das Angebot der dreitägigen Feier im Zelt auf dem heutigen Festplatz: „Nur die damals üblichen Würstchen“, erinnert sich Münzer. Mehr und mehr Gäste grummelten, murrten, vermissten den Asparagus. Münzer, 1974 als Nachfolger von Willi Becker zum Ortskartellvorsitzenden gewählt, nahm sich der Sache an, richtete am Spargelfestsonntag 1975 ein Spargelessen in der Festhalle aus. Den ehemaligen Turnsaal hatte die Gemeinde ein Jahr zuvor saniert und umgebaut.

Erfolg dank der „Auswärtigen“

Lisbeth Schreiner und Helga Joch kochten ausschließlich Stangenspargel. Zur Premiere hatte Münzer von den heimischen Sandäckern 25 Kilogramm besorgt. Das musste reichen. Ab 1977 lagen auf den Tellern nach Wunsch auch Schweineschnitzel. Für deren Zubereitung stellte der Turnverein seine Küche im Vereinsheim gegenüber zur Verfügung. Münzer, gelernter Bankkaufmann, zählte 326 verkaufte Portionen. Er zitiert die Überschrift aus einem Bericht der Speyerer Tagespost aus der Zeit: „Spargelessen ein voller Erfolg, sogar Gäste aus Ludwigsburg.“

Durch Mundpropaganda und Presseartikel stieg die Besucherzahl stetig. Vor allem dank der „Auswärtigen“. Die Einheimischen bereiteten die weißen Stangen – zumeist aus eigenem Anbau im Garten oder Feld – oft nach Mutters oder Omas Rezept selbst zu und verzehrten sie daheim. Dennoch entschloss sich 1979 das Ortskartell, die Essen an vier Sonntagen anzubieten. Den Service in der Halle übernahmen die Kolpingfamilie, die katholische Frauengemeinschaft, der MGV Cäcilia und der Turnverein. Bei hohem Personalaufwand – an jedem Sonntag sind für etwa 250 Gäste rund 30 Freiwillige im Einsatz – wollten immer mehr Vereine mitmachen. Münzer: „Von dem, was am Ende des Tages übrig blieb, konnten sie die Clubkasse oder das Sparkonto leidlich füllen.“ Auch deshalb erhöhte das Ortskartell von 1980 bis 1986 auf fünf Spargelessen.

Der Geflügelzuchtverein holte die Spargel – zuletzt insgesamt 200 bis 250 Kilogramm für mehr als 2000 Essen – samstagnachmittags bei den Landwirten, der VdK mit Lilli Birkle schälte sie. Am Herd standen Münzers Ehefrau Cäcilia, Gaby Zürker, Christian Beck, Ludwig Fichtenmeier und Steffi Kratz. Irgendwann bereicherten auch Omelett und Salat die Gaumenfreuden. Für Münzer begann die Saison bereits im Februar. Seine Stellen- und Rollenbeschreibung: Vorbereitung, Werbung, Besprechungen, Wareneinkauf, Abrechnung – und im übrigen für alles und jeden da sein. Den Aufwand bezifferte er „über den Daumen“ mit 150 Stunden.

Um die Zukunft nicht bange

In der heutigen Form etablierten sich die Spargelessen ab 1995: An sieben Sonntage sind neun Vereine beteiligt, Besucher haben die Wahl zwischen Stangenspargel oder Spargelgemüse, mit Schnitzel, Schinken oder Omelett. Außerdem gibt es Spargelsalat und Spargelcremesuppe. Eine Portion besteht aus ungeschält 500 Gramm Spargel. „Voll besetzt, mit Besuchern aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden“ sei die Festhalle in der Regel, wie Münzer nicht ohne Stolz sagt.

An Hinwerfen dachte er keinen Moment. Zumal es ihm und seiner Frau Cäcilia „auch Spaß“ machte. Was Münzer anfängt, zieht er durch: 47 Jahre war er Vorsitzender des Turnvereins, 25 Jahre Ortskartell-Vorsitzender, engagierte sich in verschiedenen Funktionen im Bauernverein, im Kirchenchor St. Cäcilia, im Elisabethenverein und im Sportbund Pfalz. Er ist Kassier des Waldbauvereins, Kassenprüfer im Kirchenbauverein und Fördermitglied zahlreicher weiterer Vereine. 2001 erhielt er die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland, 2012 den Deutschen Ehrenamtspreis.

Das erstmals 1926 abgehaltene Spargelfest ist mittlerweile Teil der „SpargelSpitze“. Um die Zukunft des Spargelessen ist Münzer indes nicht bange. Nach seinem Rückzug soll es 2021 mit einer „Teamlösung“ weitergehen.

Meist volles Haus: Spargelessen in der Festhalle.
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Vorbereitung hinter den Kulissen: das Spargelschälen.
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