Dudenhofen
Junge Müllsammlerin: „Masken sind die neue Umweltkatastrophe“
Es war vor gut einem Monat, als Bürgermeister Jürgen Hook (SPD) auf dem Weg ins Dudenhofener Rathaus war. An einer Mülltonne stieß er auf eine ihm unbekannte Frau mit einem Abfallsack in der Hand. „Wieder jemand, der illegal Hausmüll entsorgt“, war sein erster Gedanke, wie Hook gegenüber der RHEINPFALZ zugibt. Doch er wurde eines Besseren belehrt – und ist heute stolz auf besagte Dame aus dem Ort.
Sie heißt Nicola Stadler. Vor gut vier Monaten hat die 30-Jährige mit dem privaten Müllsammeln begonnen. Ihre Hausstrecke liegt derzeit zwischen dem Ortsausgang Dudenhofen an der Ganerbhalle und der Vier-Wege-Kreuzung. „Ich hab vorher zwar gesehen, dass viel rumliegt, aber das nicht so schlimm wahrgenommen“, gibt Stadler zu. „Erst bin ich ohne Zange losgelaufen und hatte lediglich Handschuhe beim Sammeln an. Aber das war sehr eklig.“. Also stattete sie sich mit Greifer und Tüten aus.
Inspiriert von „Mission Erde“
„Ich gehe ohnehin regelmäßig laufen, um fit zu werden. Da dachte ich: Währenddessen kann ich auch wild entsorgten Müll einsammeln“, erklärt Stadler. Aktuell nutzt die arbeitssuchende Kauffrau für Büromanagement ihre Zeit gezielt zum Sammeln. „Für die Psyche ist es total gut, wenn man weiß, man tut etwas Gutes.“ Mittlerweile hat sie mit Bedauern festgestellt: „Es ist alles vermüllt.“ Kaffeebecher und Bäckertüten, aber auch Autobatterien und Möbelstücke hat Stadler schon gefunden. Und jede Menge Scheckkarten. Förster Jürgen Render habe ihr erklärt, woran das liegt: Es sei der Inhalt geklauter Geldbeutel, den die Diebe schnell loswerden wollen. Es gibt aber noch andere Abfälle, die Stadler in Unmengen findet. „Masken sind die neue Umweltkatastrophe“, meint sie.
Als Inspiration für ihr Engagement nennt die Dudenhofenerin den Meeresbiologen Robert Marc Lehmann. „Er hat zur Aktion Mission Erde aufgerufen. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Bereiche, in denen die Menschen tätig werden können“, erklärt Stadler vorweg. Was so banal klingt, hat die 30-Jährige gut durchdacht. Durch die Ausführungen Lehmanns sei ihr bewusst geworden, dass nicht nur das Einkaufsverhalten entscheidend für eine funktionierende Erde sei, sondern auch der Umgang mit dem Abfall. „Er hat beispielsweise ein Video gemacht, wie Zigarettenkippen das Grundwasser verseuchen“, nennt Stadler ein Beispiel, das sie neben vielen anderen erschreckt hat.
Inzwischen helfen auch die Neffen mit
Auch wenn es für die Dudenhofenerin frustrierend ist, nach einer Weile an leergeräumten Stellen wieder Unrat zu finden, bleibt sie ehrgeizig. „Ich sehe das als Zeichen nach außen, dass man etwas tun kann“, stellt sie heraus. Ihre Neffen – sieben und vier Jahre alt – hat sie schon zu Nachwuchssammlern herangezogen und sie so für eine saubere Umwelt sensibilisiert. Bürgermeister Hook hat sich zwischenzeitlich an das Bild der jungen Frau mit der Plastiktüte gewöhnt. „Dieses Bürgerengagement ist einfach genial“, sagt er mit Begeisterung, er sei stolz auf solche Einwohner. Die Hoffnung des Gemeindechefs: „Dass die Sache Nachahmer findet.“ Derzeit sei wilder Müll weniger ein Thema. Der nächste Sommer allerdings, das weiß Hook, kommt bestimmt.