Rhein-Pfalz Kreis Jagd nach einem Virus
«Hagenbach/Ludwigshafen.» „Achtung Treibjagd!“ mahnt das Schild am Straßenrand bei Kandel. Denn das hundert Meter weiter im Bienwald inszenierte Szenario hat tatsächlich etwas von einer Jagd. Die Afrikanische Schweinepest ist in Belgien angekommen, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion von Wild- oder Hausschweinen in der Pfalz weiter gestiegen ist.
Verhindern könne man das Ankommen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wahrscheinlich nicht, sagt Christian Jestrabek vom Fachbereich Gesundheit des Kreises Germersheim: „Die große Kunst besteht darin, ihn so klein wie möglich zu halten.“ Um dies zu gewährleisten, trainierten der Rhein-Pfalz-Kreis sowie die Kreise Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße, und Germersheim nun den Ernstfall interkommunaler Zusammenarbeit. Der Aufwand ist an den Übungstagen groß. Bundespolizei, Feuerwehr, DLRG, THW und die Malteser sind im Einsatz. Am ersten Tag wird bei einem tot im Bienwald gefundenen Wildschwein ein positiver ASP-Befund angenommen. Zudem wird simuliert, was getan werden muss, wenn die Seuche auf einen Betrieb überspringt. Der Tierseuchenverbund Rheinpfalz mit Veterinären und deren Mitarbeitern der beteiligten Landkreise tritt zusammen. Ein Krisenstab koordiniert das Geschehen. Rund um den Fundort werden eine Kern- und eine Pufferzone eingerichtet und sich mit hierdurch möglicherweise betroffenen Bundesländern abgestimmt. Am zweiten Tag geht es vor Ort zur Sache. 60 Polizisten durchkämmen rund um den Fundort den Wald, um weitere verendete Wildschweine zu finden. Fahrzeuge müssen eine mobile Dekontaminationsschleuse passieren. Auch ein großer Sanitärcontainer wurde herbeigeschafft. Der Aufwand lohnt sich allerdings. Es zeigt sich schon bald, dass die eingesetzten Schutzanzüge für das Agieren im Wald nicht ausreichend stabil sind. Sie werden im Unterholz zerrissen. Auch weiß man jetzt mehr darüber, wie viele Einsatzkräfte in welcher Zeit ein Gebiet durchsuchen können. Am Ende ziehen alle ein positives Fazit. Jestrabek: „Man hat die Theorie und hier dann plötzlich die Praxis.“ Das sei schon ein Unterschied. Jürgen Stephany von der Wörther Feuerwehr wiederum lobt die Zusammenarbeit mit dem Lagezentrum in Limburgerhof als „sehr gut“. Die Landräte der vier Kreise, darunter Clemens Körner (CDU), teilen in einer gemeinsamen Stellungnahme mit: „Wir alle müssen auch über Kreisgrenzen hinweg für alle möglichen Szenarien vorbereitet sein, darunter die Afrikanische Schweinepest.“ Trotzdem bleibt die Herausforderung groß. Ein weggeworfenes Brot mit luftgetrockneter Wurst genügt, um den Virus zu verbreiten. Im Boden bleibt dieser dann selbst nach zehn Jahren noch aktiv. „Der Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest ist kein Sprint, sondern mindestens ein Marathonlauf“, sagt Jestrabek.