Lambsheim-Hessheim
Interview: Wie Ehrenamt und Demokratie zusammenhängen
„Ehrenamt – Motor der Demokratie“ ist der Titel Ihrer Veranstaltungen in der Verbandsgemeinde, die vorerst bis Juni 2024 einmal im Monat stattfinden. Wie ist denn das erste Treffen mit Bürgern am vergangenen Mittwoch gelaufen? Da hatten Sie die kommunalpolitische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als Thema.
Das Treffen hat als Videokonferenz stattgefunden, was aber in unserer Reihe nicht durchgängig so sein soll. Wir werden immer rechtzeitig bekannt geben, in welcher Weise wir die Themen darbieten, das kann auch mal eine Exkursion sein. Am Mittwoch waren unter den Teilnehmern leider nur sechs Personen, die noch nicht politisch aktiv sind. Aber es war trotzdem spannend, weil Sabrina Kleinhenz vom Dachverband der kommunalen Jugendvertretungen Rheinland-Pfalz dabei war. Sie hat uns erklärt, wie man Kinder und Jugendliche am besten an der Planung und Umsetzung kommunaler Projekte beteiligt, ja, wie man überhaupt mit ihnen darüber ins Gespräch kommt. Denn das müssen die Städte und Gemeinden im Land jetzt, denn die Gemeindeordnung wurde dahingehend geändert, dass Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die deren Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligt werden müssen. Das ist jetzt keine Soll-Vorschrift mehr, sondern zwingend.
Die meisten der nächsten zehn Diskussionsforen behandeln ebenfalls kommunalpolitische Aspekte. Was hat das alles mit „Ehrenamt“ zu tun? Da denken die meisten doch wohl an die Arbeit in einem Verein oder einer Kirchengemeinde.
Es geht uns allgemein um die Stärkung des Ehrenamts in Sport, Gesellschaft und Politik. Denn so, wie es in den meisten Vereinen und Ehrenamtsinitiativen läuft, kann es nicht weitergehen. Ich meine, dass es immer dieselben sind, die dort mit anpacken. Und dass die, die sich einmal für ein Amt zur Verfügung stellen, schnell den Eindruck haben, aus dieser Nummer nie mehr rauszukommen, weil keine Nachfolger gefunden werden. So werden Einzelne verbrannt, und irgendwann will sich gar niemand mehr engagieren. Aber das System Deutschland mit seinen Vereinsstrukturen, dem kulturellen Leben und den dörflichen Festen kann nicht funktionieren ohne Ehrenamt. Und ich bin überzeugt: Die Ehrenamtsmüdigkeit führt zum Demokratieverlust.
Die Mitwirkung in einem Gemeinderat und die Tätigkeit als Ortsbürgermeister sind ebenfalls Ehrenämter. Haben Sie Sorge, dass die fünf Parteien in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim ihre Kandidatenlisten für die Kommunalwahlen im nächsten Jahr nicht vollkriegen?
Ja, diese große Sorge habe ich. Und damit meine ich auch Kandidaten für die Bürgermeisterämter. Wir haben in Rheinland-Pfalz rund 130 Verbandsgemeinden mit etwa 2260 Ortsgemeinden. Beim letzten Mal gab es rund 450 Orte ohne und circa 900 Dörfer mit nur einem Bürgermeisterkandidaten. Das verstehe ich nicht unter demokratischer Wahl. Nur einer zur Auswahl, das hatten wir in Deutschland schon einmal, und es ist unsere Verantwortung, dass sich diese Zeit nicht wiederholt. Und jetzt kommt auch noch hinzu – siehe Kreis Sonneberg und die Stadt Raguhn-Jeßnitz –, dass aus Protest AfD-Leute zum Landrat und Bürgermeister gewählt werden, die gar kein inhaltliches Programm haben. Ja, die Politik hat viel zu dieser Verdrossenheit in der Bürgerschaft beigetragen, aber genau deshalb müssen wir Kommunalpolitiker jetzt zeigen, dass man echt was bewegen kann, wenn man in den Gremien mitarbeitet. Und dass wählen zu gehen wichtig ist. Nehmen Sie die Bürgermeisterwahl in Bad Dürkheim vor wenigen Wochen. Das Ergebnis war mit drei Stimmen Unterschied denkbar knapp. Es kommt also tatsächlich auf jede Stimme an. Aber um auf unsere Verbandsgemeinde zurückzukommen: Es muss bei über 17.000 Einwohnern doch möglich sein, 32 Männer und Frauen für die Arbeit im Verbandsgemeinderat zu gewinnen oder drei für einen geschäftsführenden Vorstand in einem Sportverein.
Termine und Kontakt
- Zur Information und zum Austausch über diese Themen lädt der CDU-Gemeindeverband noch ein: Wie kann ich mich in die Jugend- oder Seniorenarbeit einbringen? (20. September), Klimaschutz vor Ort (31. Oktober), Rechte und Pflichten von Gemeinderats- und Ausschussmitgliedern (22. November), kommunaler Haushalt (7. Dezember), Familie und Beruf – Gestaltung attraktiver Betreuungsangebote (22. Januar), Was muss ich mitbringen, um mich in einem Gremium zu engagieren? (28. Februar), Wie ein Bau- oder Gewerbegebiet entsteht (20. März), Ehrenamt in Sport, Gesellschaft und Politik (24. April), Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde, was ist der Unterschied? (13. Mai), Wählen mit 16 (5. Juni).
- Wer an den Diskussionsforen interessiert ist, kann sich per E-Mail beivorstand@cdu-lambsheim-hessheim.de melden und erhält nähere Informationen.