Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Warum Schifferstadt von Anfang an bei der Onleihe dabei ist

Vor zehn Jahren haben sich einige Bibliotheken im Land zu einem Verbund zusammengeschlossen, um die Onleihe Rheinland-Pfalz ins
Vor zehn Jahren haben sich einige Bibliotheken im Land zu einem Verbund zusammengeschlossen, um die Onleihe Rheinland-Pfalz ins Leben zu rufen. Seitdem können Medien auch digital gelesen werden.

Seit zehn Jahren können Bibliotheksnutzer in Rheinland-Pfalz nicht nur vor Ort, sondern auch digital Lesestoff, Hörbücher und teils auch Filme entleihen. Die Schifferstadter Stadtbücherei ist von Anfang an mit dabei. Ein Gespräch mit Leiterin Martina Kees über die Entwicklung und warum sich das Angebot in Corona-Zeiten bewährt hat.

Frau Kees, seit zehn Jahren gibt es die Onleihe Rheinland-Pfalz. Ist sie ein Erfolgsmodell?
Das kann man so sagen. Wenn man sich die Zahlen und die gesamte Entwicklung anschaut, ist sie sicherlich ein Erfolgsmodell. Es liefe aber noch besser, wenn mehr Verlage bereit wären, Lizenzen zur Verfügung zu stellen oder dies nicht verspätet zu tun. Für die Onleihe kaufen wir statt eines gebundenen Buchs sogenannte Lizenzen. Es ist dann eine Datei, die man ausleihen kann. Einige Verlage vergeben jedoch erst bis zu einem halben Jahr nach Erscheinen Lizenzen. Die Leser wundern sich dann, dass man die Titel zwar als E-Book kaufen, aber nicht über die Onleihe ausleihen kann.

Die Stadtbücherei Schifferstadt ist Gründungsmitglied des Verbunds. Warum haben Sie vor zehn Jahren sofort gesagt, „wir sind dabei“?
Die Stadtbücherei hat eigentlich schon immer geschaut, dass sie der aktuellen Medienentwicklung folgt. Das wird von den Lesern auch erwartet. Und das E-Book war ein neues Medium. Man wusste damals zwar noch nicht, wie sich das entwickelt, aber wir wollten an der neuen Entwicklung beteiligt sein. Es ging durch die politischen Gremien, weil es genehmigt werden musste. Der Verbund hat das Ganze dann auch möglich gemacht. Als einzelne Bücherei könnte man das finanziell nicht stemmen. Wir waren damals acht Bibliotheken. Heute sind über 80 Büchereien dabei. Das Besondere ist, dass auch die Landesbibliotheken mit im Boot sind. Deshalb haben wir mehr wissenschaftliche Titel im Angebot als andere Verbünde.

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Wurde die Onleihe gleich gut angenommen?
Man kann schon sagen, dass viele neugierig waren und geschaut haben, wie es funktioniert. Am Anfang war es so, dass die Medien nur über den PC und den E-Book-Reader heruntergeladen werden konnten. Später kam dann die Nutzung über Tablets und Smartphones dazu. Das hat nochmal zu einer Steigerung geführt. Mit zunehmender Funktionalität und Menge der Titel ist auch die Zahl der Nutzer gestiegen. Außerdem kamen nach und nach neue Verlage dazu.

Wie genau funktioniert die Onleihe denn?
Sie brauchen einen gültigen Leserausweis einer der beteiligten Bibliotheken. Dann können Sie sich mit Ihren Daten einloggen und sich das gewünschte Medium ausleihen. Es gibt E-Books, Hörbücher, viele Zeitschriften, zum Teil auch Filme und ein eLearning-Angebot. Die ausgeliehenen Titel werden auf das entsprechende Gerät heruntergeladen. Dabei gilt eine ganz normale Ausleihfrist. Nach Ablauf der Frist lässt sich die Datei nicht mehr öffnen. Die Onleihe ist bei uns in der Jahresgebühr von 15 Euro für Nutzer ab 18 Jahren enthalten. Kinder leihen kostenfrei aus. Wer Fragen hat, kann den Hilfebereich der Seite onleihe-rlp.de nutzen. Dort gibt es auch eine Liste der kompatiblen Geräte, denn nicht für jeden E-Book-Reader sind die Formate geeignet. Man kann sich zudem in der Stadtbücherei beraten lassen. Wir haben auch E-Book-Reader zum Ausleihen, damit man es mal ausprobieren kann.

Haben sich die allgemeinen Einschränkungen durch Corona auch bei der Onleihe bemerkbar gemacht?
Ja, die Zahl der Ausleihen ist in dieser Zeit gestiegen. Im Januar waren es zum Beispiel noch etwas über 1500 Titel, die über die Onleihe entliehen wurden. Im Februar waren es schon rund 1700, im März etwa 2000. Und auf diesem Niveau ist es seither geblieben. Wir haben es in dieser Zeit möglich gemacht, dass sich Leser per Telefon oder E-Mail anmelden und die Nutzungsgebühr überweisen konnten. Das wurde auch in Anspruch genommen. Zum Teil haben wir immer noch Anfragen, weil sich manche Leute wegen Corona nicht trauen, in die Bücherei zu kommen.

Welche Zielgruppe nutzt denn am ehesten die Onleihe? Und was wird am meisten ausgeliehen?
Wir haben keine Statistik über das Alter der Nutzer. Das darf ich aus Datenschutzgründen nicht erfassen. Aber was ich hier vor Ort so mitbekommen habe, ist, dass viele Leser die Onleihe parallel zur Ausleihe in der Bücherei nutzen. Leser, die nur die Onleihe nutzen, sind eher die Ausnahme. Das wird dieses Jahr allerdings etwas anders aussehen. Bei den Ausleihen ist der Belletristikbereich am stärksten gefragt. Das gilt sowohl für die E-Books als auch für die Hörbücher.

Das Stöbern in den Regalen, der Plausch im Treffpunkt Bücherei, das Schmökern in der Leseecke – eben alles, was den Bibliotheksbesuch ausmacht, stirbt das langsam aus?
Ich denke nicht. Im Moment stirbt es zwar leider aus, weil alles, was eine Bücherei gemütlich macht, zurzeit nicht geht. Aber ich glaube, es wird immer oder zumindest noch lange Zeit ein Nebeneinander geben.

Martina Kees
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