Rhein-Pfalz Kreis In die Arbeit vertieft

«Neuhofen.» Helmut Hirmer ist ein Kalligraph von internationaler Bedeutung, der in Neuhofen lebte und 2014 dort starb. An ihn erinnert jetzt ein Gedenkstein auf dem Friedhof, neben dem Denkmal für seinen Künstlerkollegen und Freund Otto Ditscher. Die Gemeinde möchte seinen Nachlass sichern und sein Werk der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Helmut Hirmer war ein Kalligraph, ein Künstler, der sich mit der Gestaltung von Text und Schriften befasst hat. Sein wichtigstes Werk ist seine Handschrift des Neuen Testaments. Er hat es in verschiedenen Schriftarten, darunter eine selbst entworfene Schrift, und mit Initialen und Miniaturen aufwendig gestaltet. Dabei hat Hirmer das 1248 Seiten starke Werk mit alten Techniken und Materialien erarbeitet, ganz wie es auch im Mittelalter in kostbaren Handschriften geschehen ist. Die Gemeinde Neuhofen ist stolz auf ihre Künstler und möchte auch Helmut Hirmer würdigen und sein Andenken wahren. Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) sagte in seiner Rede zur Enthüllung des Gedenksteins am Wochenende auch, dass die Gemeinde hier noch Unterstützung brauchen könne. Ein großer Teil von Hirmers Werk befinde sich in privatem Besitz und die Gemeinde möchte einiges davon erwerben. Spender und Sponsoren können dabei helfen. Der künstlerische Nachlass sei sehr umfangreich, sagte Marohn: „Dass er offenbar Tag und Nacht gearbeitet hat, zeigt die Leidenschaft, mit der er seiner Kunst nachgegangen ist.“ Die Gemeinde habe Hirmers Familie, aber, soweit bekannt, auch Künstler und Freunde eingeladen. Dass dann auch ehemalige Schüler seiner Kurse eigens aus der Schweiz angereist seien, spreche für Hirmers Bedeutung und den Einfluss, den er auf andere Künstler gehabt habe, fand Marohn. Hirmer wurde 1948 in Limburg an der Lahn geboren. Er machte eine Ausbildung als Maler- und Lackierer und war als Geselle lange auf Wanderschaft. Er starb in Neuhofen am 4. August 2014. Ute Bahrs, bei der Landesbibliothek in Speyer zuständig für Handschriften, würdigte Leben und Werk des Künstlers. Hirmer sei kein leicht zugänglicher Mensch gewesen und stets in seine Arbeit vertieft gewesen. Wer den ersten Eindruck der Unnahbarkeit aber überwinden konnte, habe einen Künstler kennengelernt, der sehr viel geben konnte. Sein Talent sei schon früh offensichtlich gewesen und gefördert worden. Seine Leidenschaft für Schrift habe er schon in jungen Jahren entdeckt und sich kunsthandwerklich ausgebildet und Unterricht genommen. Auf seinen Gesellenreisen habe er in alten Klöstern Handschriften und alte Techniken studiert. Das Wissen habe er nicht für sich behalten wollen, sagte Bahrs. Deshalb habe Hirmer als Dozent an der Berufsbildenden Schule Mannheim gewirkt und auch privat Kurse gegeben uns Seminare gehalten. Seine Kenntnisse und seine Kunst waren weltweit gefragt. Auch für sich selbst habe Hirmer immer nach neuem Wissen gesucht und sei zum Beispiel 1986 nach Chicago in die USA gereist, um besondere Techniken der Vergoldung zu lernen. Er habe umfassende Kenntnisse alter Schriften gehabt und mit Farben, Tuschen und weiteren Materialien experimentiert. Laut Bahrs verband sich Hirmers profundes Wissen über historische Methoden mit einer Neugier auf neue Techniken und Materialien. Ab dem Jahr 2000 habe Hirmer auch dreidimensionale Objekte geschaffen. Die Fachfrau lobte das Vorhaben der Gemeinde Neuhofen, Hirmers Werk zu bewahren und zugänglich zu machen Den Gedenkstein hat der Neuhofener Bildhauer Benjamin Franck gestaltet. Er berichtete, dass er schon als Grundschüler Kontakt zu Hirmer gehabt habe und von ihm gefördert worden sei. An jedem seiner Kurse habe er kostenlos teilnehmen dürfen. Seine Ausbildung zum Vergolder sei auf Anregung Hirmers geschehen, dessen Werkstatt er immer benutzen durfte. Die beiden wurden Freunde. „Wenn man ihn näher kannte, hatte er eine lockere freundliche Art“, sagte Franck. Mit der Gestaltung des Gedenksteins habe er seinem verstorbenen Mentor etwas zurück geben können.