Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Herren der Lüfte: Der Kreis ist für Störche ein schwieriges Pflaster

Der Rhein-Pfalz-Kreis ist für Störche ein schwieriges Pflaster, sagt die Expertin.
Der Rhein-Pfalz-Kreis ist für Störche ein schwieriges Pflaster, sagt die Expertin.

Störche auf Wiesen, Störche am Himmel. Im Rhein-Pfalz-Kreis ein gewohntes Bild. In diesem Jahr gibt es aber weniger Nachwuchs, sagt das Storchenzentrum der Aktion Pfalzstorch. Die Situation für die Tiere ist durchaus schwierig. Und in diesem Jahr kam noch ungünstiges Wetter dazu.

Immer wieder sind sie in den vergangenen Wochen zu sehen: Störche treffen sich in größeren Gruppen, um auf gemähten Wiesen im Rhein-Pfalz-Kreis nach Futter zu suchen. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, kann die großen Vögel beobachten, wenn sie nach Kleintieren picken. Manchmal sind auch andere Vögel in der Nähe. So zum Beispiel fand sich neben dem Böhl-Iggelheimer Niederwiesenweiher kürzlich auch eine Gruppe von Reihern ein, die in friedlicher Nachbarschaft mit den Störchen ihrerseits nach Nahrung im Gras schaute.

Und wo Störche sind, ist Nachwuchs meist nicht weit. Aber pfalzweit haben viele Storchenküken die schwierigen Wetterbedingungen in den vergangenen Wochen nicht überlebt. Starker Regen und frostig kalte Nächte haben viele Nestlinge nicht durchgestanden. „Es wird oft erzählt, die Küken würden in den Nestern ertrinken, aber das stimmt nicht“, sagt Jessica Lehmann, die Leiterin des Storchenzentrums im südpfälzischen Bornheim. Tatsächlich seien viele Junge erfroren. Es gibt ein kritisches Zwischenalter, in dem sie besonders anfällig sind. Wenn die Küken noch die ersten Daunenfedern haben und es regnet sehr stark, werden die Kleinen nass bis auf die Haut – aber sie trocknen nur sehr langsam. Wenn dann noch kalte Nächte dazu kommen, können die Küken erfrieren. „Ab einer bestimmten Größe können auch die Elternvögel sie nicht mehr ausreichend wärmen“, sagt Lehmann. Kleinere Küken hätten dann sogar noch größere Chancen. Der Brutbeginn der Störche ist nicht einheitlich, sondern verteilt sich über mehrere Wochen. Deshalb sind die Jungen auch sehr unterschiedlich weit entwickelt.

Störche sind sehr gesellig

Dass man auf Wiesen gleich eine ganze Menge Störche sieht, ist nicht außergewöhnlich. Kürzlich meldete ein Leser der RHEINPFALZ 21 Störche rechts und links der Landstraße 454 beim Niederwiesenweiher zwischen Böhl-Iggelheim und Schifferstadt. Störche sind laut Lehmann durchaus gesellig und suchen gemeinsam Futter. Wo der was findet, gibt es bestimmt auch was für mich, scheinen Störche zu glauben. Auf den Wiesen kann man sehen, wie sie manchmal sogar dicht beisammen durch das Gras staksen, wie der sprichwörtliche „Storch im Salat“. Manchmal saust der Kopf mit dem langen spitzen Schnabel nach unten und dann zappelt darin ein Mäuschen oder anderes Kleintier, Würmer oder Insekten.

Obwohl es zahlreiche Exemplare gibt, sei der Rhein-Pfalz-Kreis für Störche ein schwieriges Pflaster, sagt Ingrid Dorner, Sprecherin der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz. Es gebe hier nur wenige Feucht- und Auenwiesen. Wie überall im Land habe auch hier das Wetter viele Küken das Leben gekostet. Erst gab es wenig Nahrung wegen der Trockenheit, so dass die Kleinen nicht gut wachsen konnten. Dann kam der Wetterumschwung, mit viel Regen und Kälte. Im Kreis gebe es derzeit etwas über 50 Brutpaare, die genauen Zahlen liegen noch nicht vor. Besonders viele Paare gebe es in der Gemarkung Bobenheim-Roxheim. Neue Nester gebe es auch in Böhl-Iggelheim, die von Zweijährigen gebaut worden seien, aber noch nicht zur Brut genutzt wurden, sagt Dorner. Im Schifferstadter Vogelpark gab es dieses Jahr fünf Eier in einem Nest, vier Junge haben überlebt. Der Park ist wegen der Corona-Pandemie allerdings weiterhin geschlossen und hatte nur einmalig am 24. Mai geöffnet. Da konnten Besucher mit Hilfe einer fest installierten Kamera einen Blick ins Storchennest werfen.

Sie staksen über die Wiese, hier am Niederwiesenweiher, wie der sprichwörtliche „Storch im Salat“.
Sie staksen über die Wiese, hier am Niederwiesenweiher, wie der sprichwörtliche »Storch im Salat«.
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