Rhein-Pfalz Kreis Helga ist Klaus’ größter Fan
Seit 60 Jahren hält Klaus Wehowsky seiner Frau Helga die Treue. Doch einmal wöchentlich verlässt er sie. Dann schnürt er seine Laufschuhe und joggt zehn Kilometer. Zum Fest der Diamantenen Hochzeit am heutigen Donnerstag erzählt das Paar aus Lambsheim die Geschichte seiner Ehe, die zugleich ein Stück Zeitgeschichte ist.
Helga ist Klaus’ größter Fan, wenn er sich in der Kategorie Ü80 den ersten Platz erkämpft. Mehr als 20 Volksläufe hat er im vergangenen Jahr absolviert und ist stets auf dem Siegertreppchen gelandet. Der Glasschrank im Flur ist voller Pokale. Im Allgemeinen halten die Wehowskys ihre Wohnung am Rand von Lambsheim jedoch frei von Andenken, haben sie ihre gemeinsamen Erinnerung doch gut in sich selbst aufbewahrt. Nachdenklich blicken die Eheleute auf die Kriegsjahre zurück. Mit elf Jahren kam der aus Schlesien vertriebene Klaus 1944 per Güterzug nach Leipzig. Drei Zimmer für neun Leute, Radio und Skat lenkten ab vom Krieg vor der Haustür. Helga Boeselle war damals sieben und verbrachte die Bombennächte im Keller des Edigheimer Wasserturms. Glücklich erinnern sich die beiden an ihre ersten Begegnungen: Klaus Wehowsky lebte inzwischen ebenfalls in Edigheim und arbeitete als Schlosser bei der BASF. Helga sah den attraktiven jungen Mann täglich an ihrem Haus auf dem Rad vorbeistrampeln. Irgendwann stand er in der Tür. „Blumen hast du mir gebracht. Blumen und Pralinen“, sagt die Jubilarin zu ihrem Mann und strahlt. 1956 dann die Hochzeit. Die Braut war 19 und hatte einen Babybauch. „Getratsche gab es deswegen nicht in Edigum, ach was“, sagt sie heute. Sechs Jahre nach dem Krieg ist die Zeit der ersten Wirtschaftswunder, und Elvis Presley machte mit seinem lasziven Hüftschwung Furore. Das junge Paar kümmerte sich nicht um den König des Rock’n’Roll, lebte bescheiden und gönnte sich gelegentlich einen Ausflug ins Oppauer Café Berzel, wo ein Fernsehgerät die Shows mit Kulenkampff und Frankenfeld ausstrahlte. „An einem Viertele Wein haben wir den ganzen Abend genippt, mehr war nicht drin.“ Von seinen Pfälzer Kollegen wurde der schlesische Vertriebene als „HB-Männchen“ belächelt. Die Initialen der damals sehr populären Zigarettenmarke betrachtete der Volksmund etwas abfällig als Abkürzung für „Hier bin ich, hier bleib ich, hier bau ich“. Die als HBs geltenden Flüchtlinge wurden damals von vielen als Eindringlinge empfunden. Klaus Wehowsky ignorierte solche Bemerkungen. Er galt als fleißig und machte den Meister. 1967 kaufte er für seine vierköpfige Familie das erste Auto, einen VW Käfer für knapp 5000 Mark. Bescheiden und glücklich – so empfinden die Wehowskys ihre sechs gemeinsamen Jahrzehnte, die sie von Edigheim nach Frankenthal und zuletzt nach Lambsheim geführt haben. Dass es dabei auch zu Konflikten kam, gehört für die beiden zur Liebe dazu. Meistens geht es ums Fernsehprogramm, verraten sie. Weil Klaus Sportsendungen bevorzugt und Helga Krimis. „Doch abends ist der Streit vergessen, und dann ist wieder Vertrauen da“, meint der 82-Jährige. Und seine Lebenspartnerin weiß genau, wie sie die Harmonie wiederherstellen kann: „Dann komm ich und schmus’ dich. Und dann ist wieder alles klar!“ |ous