Rhein-Pfalz Kreis Große Geschichte im kleinen Dorf
«Ludwigshafen». Ein Geldschein der „Kreisgemeinde Pfalz“ über fünf Millionen Mark . Eine ernst dreinblickende Theatertruppe in Rödersheim-Gronau. Der Mutterstadter Gewichtheber Ludwig Reimer, der mit nacktem Oberkörper auf freiem Feld vor großer Zuschauerzahl seine Hantel stemmt. Und die damals nigelnagelneue Kirche St. Laurentius in Schifferstadt, die vor kurzem ihr 90. Weihejubiläum gefeiert hat. Mit diesen historischen Motiven auf einer Postkarte werben die Museen und Heimatvereine im Rhein-Pfalz-Kreis für ihre dritte gemeinsame Wanderausstellung. Knapper Titel: „1918 und die Folgen“. Es geht um das Leben in den Gemeinden des Rhein-Pfalz-Kreises von der Besetzung bis zur Diktatur. Am Sonntag, 10. Februar, 11 Uhr, wird die Ausstellung in Schifferstadt eröffnet, und dann die Reise durch die Kreisgemeinden antreten. Träger ist der Rhein-Pfalz-Kreis. Die Schau soll zeigen, wie die überregionalen Ereignisse in der Zeit von 1918 bis 1933 das Alltagsleben in den Dörfern beeinflussten und veränderten, erläutert Historiker Sebastian Arnold. Der 56-jährige Leiter des Fachbeirats des Sozialhistorischen Zigarrenfabrikmuseums der Pfalz in Rödersheim-Gronau hat die Fäden bei den Vorbereitungen und der Ausstellung in der Hand. Nachkriegszeit und Hyperinflation, Aufschwung und Weltwirtschaftskrise, aufkommender Nationalsozialismus – was kam davon in den Dörfern an? Da gab es Unterschiede. Der Separatismus habe beispielsweise in Schifferstadt eine große Rolle gespielt, in Mutterstadt hingegen nicht. Die Wirtschaftskrise habe die Bauerndörfer mit ihren stabileren Strukturen weniger getroffen als die Gemeinden mit einer starken Arbeiterschaft. „Das ist schon etwas ganz Eigenes“, sagt Sebastian Arnold zur Zusammenarbeit der zwölf Einrichtungen und Vereine im Netzwerk der Museen für dieses Projekt. Denn schließlich: „Wir sind alles Ehrenamtliche.“ Vor gut zwei Jahren haben die Vorbereitungen begonnen. Ein Teil der Ausstellung wird eine Chronologie mit ausgewählten Daten bilden, der zweite Teil bricht dies auf die lokale Ebene herunter. Texte von Autoren der Geschichtsvereine werden in einer begleitenden, fast 80 Seiten starken Dokumentation veröffentlicht. In gekürzter Fassung sind sie auf 18 Infotafeln, sogenannten Roll-ups, zu lesen, gemeinsam mit vielen Bildern. Hinzu kommen passende Exponate aus den Museen in Vitrinen. Diese können an den jeweiligen Ausstellungsorten ergänzt werden. Die Gestaltung hat erstmals eine Agentur übernommen: die Imprimatur GmbH in Rödersheim-Gronau. „Alles also ,Made im Rhein-Pfalz-Kreis’“, sagt deren Geschäftsführer Markus Bock (51). Mit einem Surren zieht er eine Roll-up-Tafel aus dem Gehäuse, verweist auf die Gestaltung. Ein einheitlicher Auftritt sei dies, erläutert Sebastian Arnold, alles aus einer Hand. Auch die Homepage der Kreis-Museen wird neu gestaltet durch Imprimatur, „das können wir nicht selbst leisten“. Dann könnten die Museumsvereine selbst Termine eintragen, und es könne Webshops geben für Merchandising. Noch Fragen? „1918 und die Folgen“, Eröffnung am Sonntag, 10. Februar, 11 Uhr, Altes Rathaus Schifferstadt. Jürgen Keddigkeit, ehemals Institut für Pfälzische Geschichte, spricht über „1918 und die Folgen links des Rheins“. Danach ist die Ausstellung im Foyer des neuen Rathauses in Schifferstadt zu sehen. Nächste Stationen: Museum in Böhl-Iggelheim und das Dorffest in Rödersheim-Gronau am 25./26. Mai. Im Netz: www.museen-rpk.de.