Rhein-Pfalz Kreis Gelenktes Brüten
Es klingt paradox: Um die Uferschwalben im Bobenheim-Roxheimer Silberseegebiet zu schützen, verwehrt ihnen der dort ansässige Kiesabbaubetrieb mögliche Brutplätze. Ein 30 Meter langer Uferabschnitt am Baggersee Heiligensand sei mit Zustimmung der Naturschutzbehörden mit Vliesbahnen abgedeckt worden, berichtet Hans-Peter Böhn von der Industriesandwerke Pfalz GmbH & Co. KG (ISP).
Die kleinste Schwalbenart Europas – sie ist selten geworden und steht unter Schutz – ist zum Brüten auf frische lehmige bis festsandige Steilwände angewiesen, in die Niströhren gegraben werden können. Solche in Rheinland-Pfalz selten gewordenen Bedingungen finden die Uferschwalben in den Abbruchkanten der Bobenheim-Roxheimer Kieswerke (wir berichteten in unserer Serie „Hergezwitschert“ am 5. November 2018). Hans-Peter Böhn von der Firma ISP, die in der Gemarkung Heiligensand Kies und Sand fördert, betont das Wort „frisch“. Denn Niströhren aus den Vorjahren seien für die Vögel keine Option. „In den letzten drei Jahren ist in der Nordwest-Ecke des Baggersees ein 200 Meter langes Steilufer neu entstanden“, berichtet Böhn und erwartet, dass die im Mai aus Afrika oder Südamerika zurückkommenden Uferschwalben in diesem Sommer die frischen Wände für sich entdecken werden. Das könnte für sie gefährlich werden, denn der industrielle Rohstoffabbau ist dann dort noch im Gange. Es besteht die Gefahr, dass brütende Uferschwalben gestört oder gar verschüttet werden. Gemeinsam mit den Naturschutzbehörden beim Rhein-Pfalz-Kreis und der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd wurde deshalb beschlossen, einen Teil der Abbruchkante so abzudecken, sodass die Tiere ihn nicht besiedeln können und an dieser Stelle noch gearbeitet werden kann. Im Frühsommer, so Böhn, müsse dort nämlich Bodenmaterial zum Anlegen eines Flachufers eingebracht werden, „Die restliche Steilwand steht den Brutvögeln zur Verfügung“, versichert Hans-Peter Böhn.