VG Römerberg-Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Forderndes Jahr für Schnakenbekämpfer

Im Auwald: Fast 900 Stunden waren die Schnakenbekämpfer der Kabs in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen 2021 im Einsatz.
Im Auwald: Fast 900 Stunden waren die Schnakenbekämpfer der Kabs in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen 2021 im Einsatz.

Rentner mögen die Männer der Kabs-Truppe der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen vielleicht allesamt sein. Mit Ruhestand im wörtlichen Sinn haben sie allerdings nicht viel am Hut. In diesem Jahr waren die rüstigen Stechmückenbekämpfer wieder richtig gefordert. Und es ist ein neues Problem aufgetaucht, dessen Gefährlichkeit noch niemand so recht einschätzen kann.

Acht Hochwasserwellen habe es auf dem Rhein in diesem Jahr gegeben, blickt Karl-Heinz Schreiner zurück auf ein arbeitsreiches Jahr. An so etwas konnte sich selbst bei der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) niemand erinnern. Für Schreiner und seine Kabs-Kameraden im Alter von 67 bis 74 Jahren in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen hieß das oft: ausrücken und den Stechmücken-Larven mit biologischen Wirkstoffen zu Leibe rücken. Schon am 31. März mussten im Bereich der Ganerb zwischen Harthausen und Hanhofen Helikopter Larven von Waldschnaken bekämpfen. Die Römerberger Kabs-Truppe, die seit der Fusion der Gemeinde mit der früheren VG Dudenhofen für das gesamte Verbandsgemeinde-Gebiet zuständig ist, befüllt bei solchen Gelegenheiten den Kübel, der am Hubschrauber befestigt ist, mit dem Anti-Schnaken-Wirkstoff BTI. „Ein Kübel mit Eisgranulat wiegt 45 Kilo. Das ist Schwerstarbeit“, erklärt Schreiner, der mit 67 Jahren der Jüngste in der Truppe ist.

Später im Jahr verlagerte sich das Problem dann in Richtung Rhein. Auch in Römerberg musste der Kabs-Helikopter an Pfingstsamstag und Pfingstmontag aufsteigen. Aber nicht nur die Hilfeleistung bei den Hubschraubereinsätzen gehört zu den Aufgaben der örtlichen Kabs-Gruppe. Den Löwenanteil der knapp 900 Einsatzstunden im zu Ende gehenden Jahr macht Kontrollgänge und Schnakenbekämpfung zu Fuß aus. Karl-Heinz Schreiner möchte die Einsätze trotzdem nicht missen. „Am Damm entlang zu laufen mit einer Zehn-Kilo-Spritze auf dem Buckel ist nicht immer leicht“, sagt er. Aber ein Blick auf das spiegelglatt daliegende Wasser gebe innere Ruhe. „Es ist unglaublich, was die Natur zurückgibt“, findet er.

Problem Druckwasser

Ein großes Problem in diesem Jahr, als der Rhein zeitweise bei einem Pegel von über 8 Metern stand, war das Druckwasser. „Das ist schlimmer als das Hochwasser selbst“, berichtet Hermann Häußler. Der 71-Jährige hat die Leitung der Römerberger Kabs-Truppe 2019 von René Schall übernommen. Da das Druckwasser lange stehen bleibt, biete es beste Brutbedingungen für Stechmücken. „Da sind laufend Schnaken aus den Eiern rausgekommen“, sagt Häußler. Aber auch der viele Regen in diesem Jahr habe zu Problemen geführt. „Ich hatte Schnaken in meinem Rasen“, sagt Schreiner. Vereine mit Außengelände hätten sich hilfesuchend an die Kabs-Gruppe gewandt wegen der Mengen an stechenden Plagegeistern im Gras. Wenn die Schnaken auf Privatgrundstücken brüten – in Eimern oder Gießkannen zum Beispiel – und die Eigentümer nichts dagegen unternehmen, dann sind auch die Kabs-Leute machtlos. Ein weiteres Problem dieses Jahr: Durch die vielen Hochwasser-Wellen waren die Auwälder zum Teil für die Schnaken-Bekämpfer nicht zugänglich.

Die Corona-Pandemie brachte weitere Probleme für die Männer mit sich: „Wegen der Pandemie konnten wir nicht in größeren Gruppen raus“, berichtet Schreiner. Abstands- und Hygieneregeln mussten beachtet werden. „Das war schon eine Beeinträchtigung“, sagt er. „Aber am Ende hat es ganz gut geklappt. Die Arbeit musste ja gemacht werden. Nichts zu machen war keine Option.“

Exotische Truppe

„Wir sind eine exotische Truppe innerhalb der Kabs“, sagt Karl-Heinz-Schreiner. Während die Organisation für weite Teile ihres Gebiets immer wieder neue Hilfskräfte – zum Beispiel Studenten – anheuert, handelt es sich in Römerberg um eine eingeschworene feste Truppe, die zwar von der Kabs geleitet wird, aber relativ autark agiert und auch von der Gemeinde bezahlt wird. „Ältere Herren, die Zeit haben“ – so beschreibt Hermann Häußler seine zehnköpfige Gruppe. Jüngere seien schwer zu kriegen. Zum einen sei die Aufwandsentschädigung nicht sonderlich hoch, vor allem in Jahren, in denen wenig zu tun sei. Zum anderen müssten die Kabs-Helfer immer kurzfristig bereit für einen Einsatz sein, denn insbesondere die Rheinschnake muss nach der Eiablage schnell bekämpft werden, will man die nächste Plage verhindern. Und die Einsätze selbst seien beschwerlich: „Ganz schlimm sind Brombeerhecken. Da bleibt man überall hängen“, berichtet Häußler. Frauen sucht man in den Reihen der Kabs-Gruppe vergeblich. Dass diese grundsätzlich durchaus das Zeug dazu haben, bewies vor ein paar Jahren eine junge Biologin der Kabs, die bei der Römerberger Gruppe zu Gast war. „Die war hochschwanger und ist mitmarschiert“, berichtet Häußler noch heute voller Respekt.

Ein Phänomen, mit dem sich spätestens seit diesem Jahr auch die Stechmücken-Bekämpfer in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen beschäftigen müssen, ist die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke in Mitteleuropa. Erstmals wurde vor einigen Wochen auch ein Exemplar in Römerberg entdeckt. Ein Ehepaar hat eine Tigermücke in ihrem Garten gefunden und zur Kabs nach Speyer gebracht. Die Experten bestätigten: Es handelt sich um ein Exemplar jener Stechmücken-Art, über die immer wieder berichtet wird, weil sie auch gefährliche Krankheiten übertragen kann. „Es könnte sein, dass wir ein Problem bekommen“, sagt Klaus Schillinger, mit 74 Jahren der älteste aus der Kabs-Truppe. Allerdings ist ihm und seinen Mitstreitern wichtig, die Gefahr realistisch einzuordnen und den Menschen auch Angst zu nehmen. „Die Tigermücke muss ganz bestimmte Verhältnisse haben, damit sie Krankheiten übertragen kann, zum Beispiel durchgehend 25 Grad“, sagt Häußler. Dass jetzt ein Exemplar in Römerberg gefunden wurde, heiße nicht automatisch, dass es im kommenden Jahr viele davon gebe.

Neben der Tigermücke, die wahrscheinlich durch Lkw auf Tour durch Europa eingeschleppt wird, gibt es noch weitere nicht in der Region heimische Mücken, die weniger im Rampenlicht stehen. „Auf den Friedhöfen kommt die japanische Buschmücke vor, die meist mit Blumen aus dem Ausland gekommen ist“, berichtet Häußler. Und dann gebe es noch die Kriebelmücke, die manch einer mit Stechmücken verwechsle, die aber nicht steche, sondern beiße. Rhein- und Waldschnaken können die Kabs-Leute übrigens mit bloßem Auge unterscheiden. „Bei der Waldschnake ist der Schwanz gespalten, bei der Rheinschnake nicht“, nennt Karl-Heinz Schreiner ein Beispiel zur Unterscheidung. Für Otto Normalbürger sei es nebensächlich, um welche der beiden es sich handelt. „Die Viecher stechen und das ist das Problem“, sagt Häußler.

Eingeschworene Truppe: Die Kabs-Männer sind zwischen 67 und 74 Jahre alt. Vor einigen Wochen – als die Corona-Lage noch besser w
Eingeschworene Truppe: Die Kabs-Männer sind zwischen 67 und 74 Jahre alt. Vor einigen Wochen – als die Corona-Lage noch besser war – haben sie den Abschluss der diesjährigen Saison gefeiert.
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