Römerberg
Feuerwehr-Container gehören nun zum Ortsbild
„Egal, für was diese Container sind, die müssen wieder weg“, findet Miller. „Wo bleibt hier der Denkmalschutz auf einem historischen Gelände?“, fragt er. „Wer solche Bausünden plant, genehmigt und ausführen lässt, hat schlichtweg sein Amt verfehlt“, findet Miller, der selbst schon einmal als Parteiloser für das Amt des Römerberger Ortsbürgermeisters kandidierte. Ein Unterstand für die Bushaltestelle wurde für die Container abgerissen. Menschen, die auf den Bus warteten, müssten nun gegebenenfalls im Regen stehen. Für Miller steht jedenfalls fest: „Wir Mechtersheimer werden diese Verschandelung nicht dulden.“
Aber was hat es überhaupt mit den vier Containern auf sich? Der Hintergrund: Der Römerberger Feuerwehr fehlt es an Platz. „Die Kollegen müssen sich zum Teil in der Fahrzeughalle umziehen“, erklärt Stefan Zöller, der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Zwischen Spind und Fahrzeugen sei teilweise nur 80 Zentimeter Platz. „Da besteht auch Unfallgefahr“, sagt er. Und der Status quo verstoße „absolut gegen jede Vorschrift“. Auch im Verbandsgemeinderat war vor mehr als einem Jahr von „extremen Problemen bei der Schwarz-Weiß-Trennung“ und „gesundheitsgefährdender Belastung der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen durch die Dieselmotoremissionen“ die Rede.
Nun möchte die Verbandsgemeinde zwar ein neues Feuerwehrgerätehaus am nördlichen Rand des Ortsteils bauen, aber die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern ziehen sich seit Jahren hin. Der Ortsgemeinderat Römerberg hatte deshalb beschlossen, der Verbandsgemeinde die Fläche neben der alten Feuerwache zur Verfügung zu stellen, damit diese dort vier Container aufstellen konnte. „Der Ortsgemeinderat Römerberg hat der Zurverfügungstellung der erforderlichen Fläche zur Umsetzung dieser Interimslösung einstimmig zugestimmt, da hier bei Abwägung verschiedener Interessen insbesondere die Gesundheit unserer ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen im Vordergrund steht“, erklärt der Erste Beigeordnete Franz Zirker (CDU) die Entscheidung.
Auch Silke Schmitt-Makdice (SPD), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, sieht sich gegenüber den Ehrenamtlern in der Pflicht. „Wir alle möchten, dass unsere Feuerwehr gesund bleibt und weiter schnell zum Einsatzort gelangen kann“, sagt sie. „Daher sind diese Maßnahmen erforderlich gewesen und wir hoffen in der Bevölkerung auf Verständnis.“ Knapp 100.000 Euro hatte die Verwaltung für die Containerlösung veranschlagt. Derzeit würden noch abschließende Feinarbeiten im Umfeld vorgenommen. Die Bürgermeisterin versichert aber auch, dass die Container rückgebaut werden, sobald die Feuerwehr in einen Neubau umziehen kann. Und sie kündigt an, dass hier bald Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten: „Wir haben nächste Woche abschließende Gespräche mit den Grundstückseigentümern und sind auf einem guten Weg“, sagt Schmitt-Makdice.
Platz für 50 Spinde
In den Containern ist laut Wehrleiter Zöller Platz für 50 Spinde. In der Römerberger Wehr seien rund 55 Ehrenamtliche organisiert. Zu dem Standort gibt es nach seiner Ansicht keine Alternative. „Wir haben verschiedene Varianten überlegt“, sagt er. Auf die Parkplätze hinter dem Gebäude hätte man sie auch nicht stellen können, weil sie dann räumlich vom Rest der Feuerwache abgetrennt gewesen wären. Auf der Gebäudeseite, wo die Container jetzt stehen, habe hingegen ein Durchbruch ins Gerätehaus geschaffen werden können. Dass es nun Beschwerden wegen des provisorischen Anbaus gibt, wundert Zöller nicht. Das Ortsbild werde dadurch nicht schöner. „Einen Preis gewinnen wir damit nicht“, gibt er zu. Bis ein neues Feuerwehrgerätehaus steht, rechnet der Wehrleiter mit „fünf plus x Jahren“.
Erich Miller will so lange nicht warten. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagt er. Miller glaubt, dass auch ein anderer Standort möglich gewesen wäre, beispielsweise der Durchgang zwischen Feuerwache und Haus am Lindenplatz. Für ihn sind die Container eine Verschandelung des historischen Ortskerns und der Beweis, dass Mechtersheim oft benachteiligt werde. „Ich möchte mal sehen, was los wäre, wenn man sowas in Berghausen hingestellt hätte“, sagt Miller. Der Mechtersheimer kündigt daher an, eine Online-Petition gegen die ungeliebten Container zu starten.
