Rhein-Pfalz Kreis Fester Filz aus feinen Fäden

Neuhofen. 2009 hat die Neuhofenerin Nicole Kolb-Papadopoulos ihre Leidenschaft fürs Filzen entdeckt. Vor zwei Jahren hat sich die 42-Jährige selbstständig gemacht und gibt Kurse. Uns hat sie gezeigt, wie geschmeidige Wolle bearbeitet werden muss, um sich in festen Filz zu verwandeln. Ein Selbstversuch.
Kraftvoll reibt Nicole Kolb-Papadopoulos ihre Handflächen über die feste, weiße Netz-Matte. Seifenschaum quillt an den Ecke hervor. Reiben. Spüren. Druck ausüben. Ein prüfender Blick unter die Matte zeigt: Was eben noch feine Wolle war, ist mit heißem Wasser, etwas Seife und der Kraft ihrer Hände in kurzer Zeit verfilzt. Und auch unter meinen Händen beginnt sich etwas zu verändern, während ich die feuchte Wolle unter der Matte bearbeite. Nassfilzen nennt sich die Technik, mit der die Neuhofenerin vorrangig ihre Filz-Produkte herstellt. „Ich filze auch mit der Nadel“, sagt sie. Aber die Arbeit mit dem warmen Wasser sei ihr am liebsten. Vor rund zwei Jahren hat sich die 42-Jährige unter dem Namen „Filznixe“ selbstständig gemacht und gibt seitdem Kurse. Eigentlich ist sie gelernte Augenoptikerin. „Ich habe schon immer gerne mit den Händen gearbeitet“, sagt sie und schon als Kind sei keine Schraube vor ihr sicher gewesen. Aber seit ihre Tochter einen Rest Filzwolle aus der Schule mitgebracht hat, ist es um sie geschehen. „Ich habe damals einen Adventskranz daraus gemacht“, erinnert sie sich. Heute, sechs Jahre später, ist ihr Arbeitsraum in ihrem Wohnhaus in Neuhofen ein richtig gemütliches Filzatelier geworden. Im Regal und in Kisten stapelt sich Wolle in allen Farben des Regenbogens. Hier und da stehen und hängen gefilzte Engel, Lampen, Blumen und Handytaschen. Erst nach und nach wird dem Betrachter bewusst, dass eigentlich in jeder Ecke des Raumes etwas selbst Gefilztes steht. Die Lampe zum Beispiel, die Rapunzel in ihrem Turm darstellt, und die mit Filzfiguren gestaltete Schultüte über dem Fenster und die Ketten und Bänder an den weißen Buchstaben, die das Wort „Zuhause“ bilden. Und, und, und. Auf dem massiven Holztisch stehen auf einem blauen Tuch zwei Tabletts, eine schwarze Thermoskanne mit heißem Wasser, grüne, quadratische Seifenstücke und ein Stückchen der weißen Wolle bereit. „Filzen ist eine Arbeit mit einem sehr alten Produkt“, sagt Nicole Kolb-Papadopoulos. Eine Tatsache, die für sie den Reiz der Arbeit ausmacht. Und während unsere Hände weiter über die Netz-Matten reiben, erzählt sie vom Ursprung des Filzens, wie zufällig entdeckt wurde, dass sich die Schafwolle, die auf dem Pferderücken unterm Sattel lag, durch Nässe und Reibung veränderte, nämlich verfilzte. Die Hülle eines Windlichts soll unter meinen Händen entstehen. Rund soll es sein. Ganz ohne Nähte. Nicole Kolb-Papadopoulos zeigt mir, wie ich den Stoff über einer Schablone zusammenlegen und bearbeiten muss, damit er nahtlos und fest wird. Immer wieder reibe ich. Innen und außen, ziehe die mittlerweile entstandene Filzhülle über ein großes Weckglas und streiche sie glatt. Passt. Wer hätte das gedacht. Nur zu lang ist sie noch. Durch ordentliches Kneten wird sie kleiner, erklärt mir die Neuhofenerin. Und ja: Schon kurze Zeit später passt sie wie angegossen. Noch schnell ein paar Blüten aus violetter Wolle filzen und eine grüne Schnur, die um das Windlicht geschlungen wird, und fertig ist mein Unikat. In nicht einmal der Hälfte der Zeit hat die Neuhofenerin einen Stiftehalter aus gelbem Filz mit kleinen Fliegenpilzen drauf hergestellt. Ganz nebenbei, während sie mir zur Hand gegangen ist, Tee nachgeschenkt und erzählt hat. Ganz entspannt und ohne Stress. Nur mit ein bisschen Druck, Reibung und Fingerspitzengefühl. Das braucht man nämlich, damit am Ende etwas Brauchbares herauskommt: Gefühl für das Material.