Rhein-Pfalz Kreis Ernte abgesoffen
Ludwigshafen. Hagel und Regen ohne Ende – das Unwetter am Wochenende hat große Schäden auf den Gemüseäckern im Rhein-Pfalz-Kreis angerichtet. Dort, wo es vorbeizog, ist die komplette Ernte vernichtet. Da das Wetter weiter unbeständig bleiben soll, werden die Bauern nicht so schnell zurück auf ihre Felder können. Landwirtschaftsminister Volker Wissing hat gestern vor Ort mit Betroffenen über die Konsequenzen gesprochen.
Beim Pfalzmarkt in Mutterstadt ist man gestern morgen noch fassungslos. Eine der Hallen ist mit Wasser vollgelaufen und der Strom ausgefallen. Noch schlimmer aber ist das Ausmaß der Schäden auf den Feldern ringsherum. „Solch einen Regen habe ich in meiner Zeit hier noch nie erlebt“, sagt Hans-Jörg Friedrich, der schon viele Jahre im Management des genossenschaftlich geführten Betriebs arbeitet. Noch sei man dabei zusammenzutragen, wo das Unwetter am Wochenende überall gewütet und Verwüstungen angerichtet hat. „Wir überlegen gerade, eine Drohne zu mieten, um uns von oben ein Bild über die Lage auf den Feldern machen zu können.“ Von Haßloch aus ist das Wolkenband am Samstagabend laut Friedrich in Richtung Ludwigshafen gezogen. Hagelkörner seien im Schifferstadter Raum, auf Mutterstadter Gemarkung und bis nach Maxdorf hoch auf die Felder geprasselt. Getroffen haben sie vor allem Radieschen, Bundzwiebeln, Blumenkohl und Salate. „Das sind die Hauptkulturen in diesen Gebieten“, sagt Friedrich. „Diese Ernte ist komplett vernichtet, da ist nichts mehr zu machen.“ Doch die Landwirte im Kreis bedrücken nicht nur die direkten Auswirkungen des Unwetters, sie sorgen sich auch wegen der Folgeschäden beziehungsweise wegen der drohenden Gewinneinbußen. Denn ihre Felder stehen unter Wasser. Teile des Gemüsegartens Vorderpfalz gleichen einer Seenlandschaft. „Der Floßbach ist zum Stillstand gekommen, der Rheinpegel ist so hoch, dass kein Wasser dorthin mehr abfließt“, erläutert Friedrich die Lage. Dazu kommt, dass es immer weiter regnet. Ein Bewirtschaften der Ackerflächen ist nicht mehr möglich. Es kann nichts nachgesät oder -gepflanzt werden. „Jeder, der sich auf so einen durchnässten Acker wagt, versinkt“, meint Friedrich. „Das reißt uns erntemäßig ein Loch für mehrere Wochen – wirtschaftlich gesehen ganz schlecht.“ Der Pfalzmarktsprecher geht davon aus, dass es noch bis Ende dieser Woche dauert, bis das ganze Ausmaß der Wetterkatastrophe feststeht. Mittendrin in diesem matschigen Chaos steht gestern Nachmittag der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP). Stilecht – in feinem Zwirn und groben Regenstiefeln – begleitet er eine Gruppe betroffener Bauern durch das „Katastrophengebiet“. Petrus beschert dem Mann einen ereignisreichen Start in sein neues Amt. Wenige Tage nach der Vereidigung muss er in der Vorderpfalz tonnenweise zerschossene Radieschen, zerfetzte Kartoffelpflanzen, geköpften Kohl und abgesoffenen Salat besichtigen. Die perforierten Radieschen haben es dem Landwirtschaftsminister besonders angetan. Er steht im Matsch und wendet eins davon zwischen seinen Fingern. Wissings Blick verrät, dass er so etwas noch nie gesehen hat. „Das ist aber nicht das Schlimmste“, erläutert Günther Hoos, Direktor des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz sofort. „Gegen Hagelschäden können sich die Landwirte versichern und sie treten nur auf vergleichsweise kleinen Flächen auf. Das eigentliche Problem hier ist das Wasser.“ Wasser gibt es rund um den Mutterstadter Pfalzmarkt derzeit tatsächlich in rauen Mengen zu sehen. Es haben sich viele kleine und größere Seen gebildet. Aus denen ragen teils noch die Beregnungsanlagen hervor und legen stummes Zeugnis davon ab, dass es sich eigentlich um hektarweise Ackerflächen handelt. Oder handelte. Gemüsepflanzen im Wert von mindestens zehn Millionen Euro stehen hier nach ersten Schätzungen des DLR unter Wasser. Es hängt unter anderem vom Wetter ab, ob diese Zahl in den kommenden Tagen noch in die Höhe schießt oder nicht. Die Überschwemmungen sind der Grund dafür, dass der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz den Minister in die Vorderpfalz eingeladen hat. Der hohe Stand des Grundwassers im Kreis ist ein bekanntes Problem – ebenso die Tatsache, dass das Grabensystem nicht in der Lage ist, Hochwasser schnell genug abzuführen. Auch das zeigt sich auf der Fahrt über die Felder: In den Bächen und Gräben steht das Wasser, weil es nirgends hin kann. Derweil steigt der Pegel auf den Feldern. Seit Jahren ist eine Südspange geplant, die in solchen Fällen für Entlastung sorgen soll. Dieser Tage zeigt sich einmal mehr, warum das unbedingt nötig ist. „Das Problem war mir bekannt“, sagt Hoos mit Blick auf die überfluteten Felder. Wie gravierend es sei und wie erschütternd die daraus resultierenden Schäden, werde ihm aber jetzt erst richtig klar. Dazu kann der Minister nur nicken – unbürokratische Hilfe versichern, und dass er seinen Staatssekretär auf das Entwässerungssystem ansetzen wird.