Dannstadt-Schauernheim / Mutterstadt
Engagierter Mediziner: Werner Leibig frisch ernannter Sanitätsrat
Erst mal ausschnaufen: Werner Leibig nimmt sich Zeit für ein Gespräch zwischen zwei kleineren operativen Eingriffen, die er in seiner Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Dannstadt an diesem Vormittag vornimmt. Während in den ersten beiden Stockwerken des vor neun Jahren am Rathausplatz entstandenen Neubaus Praxisgewusel herrscht, ist es im großzügigen Besprechungsraum im Obergeschoss ruhig. „Das ist eine nette Ehrung“, sagt der 66-jährige Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin. Zum Sanitätsrat werden in Rheinland-Pfalz alle zwei Jahre „verdiente Persönlichkeiten“ aus der Medizin ernannt, „in besonderer Anerkennung für eine erfolgreiche Berufstätigkeit“ und mehrjähriges ehrenamtliches Engagement zur Förderung des Berufsstandes. So heißt es in der Mitteilung der Mainzer Staatskanzlei.
Jetzt auch Kommunalpolitik
Notarzt- und ärztlicher Bereitschaftsdienst, Vorstandsmitglied im Hausärzteverband Rheinland-Pfalz und der Landesärztekammer, in einigen Ausschüssen der Kassenärztlichen Vereinigung aktiv, Mitglied der achtköpfigen Tarifkommission, die über Arbeitsbedingungen von Arzthelferinnen und medizinischen Fachangestellten verhandelt – das sind nur einige der Ehrenämter, die Leibig wahrnimmt. Nicht genug damit, ist er nun auch kommunalpolitisch tätig: Seit der Kommunalwahl im Juni vertritt der Arzt die CDU im Orts- und im Verbandsgemeinderat Dannstadt-Schauernheim. Seiner Wahlheimat: Seit 30 Jahren lebt der verheiratete Arzt und Vater zweier erwachsener Töchter in Schauernheim.
Die Medizin ist kein „Familienerbstück“. Leibigs Vater („ein Pfälzer“) und die ursprünglich sudetendeutsche Mutter waren Bankangestellte. Geboren ist Werner Leibig in Mannheim, doch der Vater wollte zurück in die Pfalz, und so zog die Familie erst nach Lambsheim, dann nach Grünstadt. Nach dem Abitur am Leininger Gymnasium 1977 studierte Leibig Medizin in Mainz. Auch eine Zeitlang Zahnmedizin, weil ihn die Kieferchirurgie interessierte, „aber dann bin ich doch lieber Allgemeinarzt geworden“.
Ab 1985 arbeitete der junge Mediziner an der Frankenthaler Stadtklinik. Fünf Jahre später war er Mitgründer der Leitenden Notärzte, „wir waren in Frankenthal erst die zweite Gruppe landesweit“, erinnert er sich. In Rheinland-Pfalz wurden Leitende Notärzte erstmals nach dem Flugtagunglück von Ramstein am 20. August 1988 ernannt, um bei Großschadensfällen Leitungs- und Koordinierungsaufgaben im medizinischen Bereich zu übernehmen.
Bis zum September 2011, da war er schon längst Praxisinhaber, war Leibig aktiv bei den Leitenden Notärzten Vorderpfalz. Das heißt, 70 bis 80 Stunden Arbeit in der Praxis in der Woche, am Wochenende Bereitschaftsdienst als Notarzt. Ein Knochenjob. „Ich war der Exot in der Gruppe, der einzige niedergelassene Arzt“, sagt er. Die Kollegen seien aus Kliniken, vor allem der BG Unfallklinik gewesen. Und es sei ein Gag unter den Kollegen gewesen, dass, als seine Frau schwanger gewesen sei, das Kind als erstes Wort „Reanimation“ lerne und nicht Mama oder Papa, sagt Leibig und lacht.
Im Krisengebiet
Daneben hat Leibig früher auch schon mal als Schiffsarzt Reisen auf einem Großsegler begleitet, und sich als Notarzt in Krisengebiete begeben – zum Beispiel während der Revolution in Rumänien mit einem Team der Johanniter. Knall auf Fall seien sie hinzugezogen worden damals, 1989, sagt Leibig, und erzählt von Schießereien und Toten am Straßenrand. „So abenteuerliche Sachen habe ich danach nicht mehr gemacht.“
1993 war Leibig zur Hausarztpraxis von Doktor Kühn in der Dannstadter Vom-Stein-Straße gestoßen, „eine klassische Hausarztpraxis mit großem Einzugsbereich“, und hat diese später übernommen. Die Praxis wuchs, der Raum wurde zu eng. 2009 kam ein zweiter Standort in der Mainstraße dazu, als ein Kollege dort aufhörte. 2013 schließlich folgte die Öffnung der Praxis in Mutterstadt, die sich inzwischen in der Oggersheimer Straße im dortigen Ärztehaus befindet. Gebaut wurde auch in Dannstadt: Seit 2015 arbeiten Werner Leibig und seine Kollegen, darunter seine Schwester Petra Leibig, im Neubau am Rathausplatz.
Überhaupt: „Die innerärztliche Zusammenarbeit wird immer mehr zunehmen“, sagt Leibig. Es entwickle eine eigene Dynamik, wenn ältere Kollegen aufhören und dadurch der Druck auf die Sprechstunden der anderen Praxen zunehme. In der Gemeinschaft mit mehreren Ärzten ließe sich das eher stemmen. Und: „Es ist zu kurz gesprungen, wenn die Politiker nur die Köpfe zählen“, sagt er im Hinblick auf die ganz verschiedenen Arbeitszeitmodelle, wie sie auch in seiner Praxis angewandt werden. Stattdessen sollten Arbeitszeitäquivalente berechnet werden. Diabetologie, Traumatologie, Sportmedizin, Chirotherapie, Notfall-, Reise-, Verkehrsmedizin gehören zu Leibigs Fachgebieten. Er baut auf Fachpersonal, zum Team gehören Diabetes- und Versorgungsassistentinnen, Wundtherapeuten.
Jetzt, offiziell im Rentenalter, denkt Leibig nicht ans Aufhören, tritt aber zeitlich etwas kürzer. „Abschalten ist ganz wichtig“, so sein ärztlicher Rat, an den auch er sich halten will. Körperliche Bewegung als „Reset“ und Selbstschutz. Werner Leibig will sein Hobby Tauchen wieder „ganz gemütlich anfangen“ nach einigen Jahren Pause. Schwimmen im heimischen Pool, den er sich in der Corona-Zeit gebaut hat. Skifahren und Radeln in der schönen Pfalz: „Wir haben ja ein Urlaubsparadies hier.“ Im Sommer fahre er gar nicht mehr weg, lieber in Jahreszeiten mit schlechtem Wetter. Die zwei Hunde und der große Garten, den allerdings vor allem seine Frau pflege, fordern ebenfalls Aufmerksamkeit und Zeit. Und dann pflegt der 66-Jährige noch ein besonderes Hobby: Er hegt und pflegt alte Flipperautomaten, die er mit einem guten Freund („ein Experte“) wieder herrichtet und dann auch gerne zum Spielen nutzt.