RHEINPFALZ-Sommertour RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Welt für sich: der Wormser Flugplatz

Im Hangar des LSV Worms: Axel Lennefer (rechts) erklärt RHEINPFALZ-Lesern die hier stationierten Maschinen.
Im Hangar des LSV Worms: Axel Lennefer (rechts) erklärt RHEINPFALZ-Lesern die hier stationierten Maschinen.

Bürgernah und familiär, dennoch selbstbewusst und ambitioniert: So haben sich am Dienstag Vertreter der Verkehrssparte Luftfahrt präsentiert. 15 Leser durften hinter die Kulissen des Wormser Flugplatzes blicken.

Um es gleich vorwegzunehmen: Gegenwind schlägt den etwa zehn Männern, die sich an diesem Vormittag rührend um die RHEINPFALZ-Leserinnen und -Leser kümmern, nicht entgegen. Die durch das Los ermittelten Teilnehmer stellen sich vor Ort allesamt als Nicht-Bobenheim-Roxheimer heraus und leiden damit nicht unter den Platzrundenflügen, die für manche Nutzer des Verkehrslandeplatzes im Süden von Worms Pflicht sind und die von Flugschülern immer wieder geübt werden müssen.

Im Domizil des Wormser Luftsportvereins erklärt Alexander Möller die Bedeutung des Flugplatzes.
Im Domizil des Wormser Luftsportvereins erklärt Alexander Möller die Bedeutung des Flugplatzes.

Im Heim des Luftsportvereins (LSV), wo die Gruppe zum Einführungsvortrag zusammenkommt, erläutern Vereinsmitglied Oliver Deibert und Pilot Andreas Kurus, was es mit der Platzrunde auf sich hat: Sie sorgt in 300 Meter Höhe für Ordnung bei Starts und Landungen auf nicht kontrollierten Landeplätzen. Denn im Gegensatz zu Flughäfen wie dem Frankfurter sagt einem Piloten hier niemand, was er machen soll, das muss er selbst entscheiden. Die Platzrunde diene außerdem dazu, noch landen zu können, wenn der Motor ausfällt. „Das vorgeschriebene Verfahren einzuhalten, ist deshalb megawichtig“, sagt Kurus und vergleicht einen An- oder Abflug, wenn mehrere Piloten gleichzeitig in der Luft sind, mit dem „vorausschauenden Autofahren“.

Wichtiger Standort für Pilotenausbildung

Kurus ist Geschäftsführer der European Institute of Aviation and Business (EIAB), einer am Flugplatz ansässigen GmbH, die eine duale Pilotenausbildung anbietet. Deren Besonderheit ist die Kooperation mit dem Fachbereich Touristik/Verkehrswesen der Hochschule Worms und die Möglichkeit, den Abschluss Bachelor of Science zu machen. Damit, so lernen die verblüfften Sommertour-Teilnehmer, gehören die Wormser Absolventen in Deutschland zu den wenigen, deren Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer offiziell ist. Kurus: „Pilot ist nämlich kein anerkannter Beruf.“ Selbst dann nicht, wenn er bei einer großen Fluggesellschaft ausgeübt werde.

Und auch das haben die RHEINPFALZ-Leser nicht gewusst: Wer Großraumflugzeuge wie den Airbus A330 oder die Boeing 747 fliegt, hat den gleichen „Führerschein“ gemacht wie die jungen Wormser Studierenden. „Und der endet bei einer kleinen zweimotorigen Maschine“, sagt Kurus. Wie man mit einem großen Flugzeug für 200, 300 Passagiere zurechtkommt, bringe die jeweilige Airline den Piloten innerhalb weniger Wochen bei. „Sie können unsere Absolventen also in jedem Flugzeug antreffen.“

53.000 Flugbewegungen im letzten Jahr

Menschen das Fliegen zu lehren, ist aber nicht der Hauptzweck des 1957 eingerichteten Verkehrslandeplatzes, der über eine 800 Meter lange Asphaltbahn und eine 920 Meter lange Graspiste für die Segelflugzeuge verfügt. Betriebsleiter Alexander Möller von der Stadt Worms Beteiligungs-GmbH erläutert die infrastrukturelle Bedeutung des Flugplatzes, dessen Betrieb eine Verpflichtung gegenüber dem Land ist und der im vergangenen Jahr 53.000 Flugbewegungen hatte. Er werde unter anderem für die Agrarfliegerei, für medizinische Transporte, Geschäftsreisen und Staatsflüge genutzt. Er ist Standort von fünf Luftsportvereinen und sieben Gewerbebetrieben, darunter eine Tankstelle für Flugkraftstoffe und Werften, in denen Maschinen gewartet und repariert werden.

Apropos Wartung: Für Erstaunen unter den Tourteilnehmern sorgt auch die Information, dass der Motor einer Propellermaschine nach nur 2000 Flugstunden ausgetauscht werden muss. „Dann ist er entweder kaputt oder kann wieder instand gesetzt werden. Auf jeden Fall wird er erst mal ganz auseinandergenommen“, so Deibert.

Dieser Blick aus dem Ultraleichtflugzeug zeigt den BASF-Hafen in Ludwigshafen.
Dieser Blick aus dem Ultraleichtflugzeug zeigt den BASF-Hafen in Ludwigshafen.

Die Gäste dürfen noch rauf auf den Turm und rein in Werften und Hangar. Dann lautet die Frage: Wer will eine Runde im Segelflieger, in der Cessna oder der Piper drehen? Wer sich traut und bereit für einen Kostenbeitrag ist, erlebt etwas Besonderes und ist begeistert. Fluglehrer Wolfgang Buss vom LSV Worms nimmt die RHEINPFALZ-Autorin im zweisitzigen Ultraleichtflugzeug Eurostar mit und zeigt ihr, wie die Platzrunde aussähe, würde sie verlegt beziehungsweise nach Süden hin vergrößert. Der Bobenheim-Roxheimer zeigt auch, was ein Pilot am Gashebel und mittels Flughöhe tun kann und sollte, wenn er Wohngebiete überfliegt. Wenn das nur alle täten ...

Im Clubheim des LSV Rhein Main kommen gegen 12.30 Uhr alle zum Imbiss zusammen. Auch jugendliche Flugschüler aus Osthofen dürfen an der Schnittchenplatte zugreifen. In der Lesergruppe ist man dankbar und sich einig: Das war eine kurzweilige und äußerst lehrreiche Sommertour.

x