Rhein-Pfalz Kreis Einblicke in andere Lebenswelten
Schifferstadt. Andere Arbeitswelten und Menschen kennenlernen, das wollen die Auszubildenden der BASF SE. Aus diesem Grund absolvieren sie derzeit ein einwöchiges Praktikum in der Schifferstadter Niederlassung der Ludwigshafener Werkstätten des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz. Hier arbeiten sie in verschiedenen Abteilungen zusammen mit Menschen mit Behinderungen.
Mit einer elektrischen Feile glättet Pierre Salvador gerade die Kanten von Alu-Profilen. Der 20-Jährige macht eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der BASF und nimmt an dem Projekt „Lernen in fremden Lebenswelten“ teil. Die für ihn zunächst „fremde Welt“ ist die Metallbauabteilung in der Werkstätte des Gemeinschaftswerks. Seine Kollegen hier sind Menschen mit Behinderungen. „Anfangs war ich vorsichtig“, erzählt er. Aber sehr schnell habe er den richtigen Zugang zu den Kollegen gefunden. „Die Leute hier sind alle sehr nett, jeder hilft jedem und die Atmosphäre ist entspannt“, so sein Fazit am dritten Tag des Praktikums. Martin Brescanovic, der diese Metallbaugruppe leitet, hat für den Praktikanten ein „großes Sonderlob“. „Er hat keine Berührungsängste und entwickelt viel Eigeninitiative“, sagt der Chef über den Neuzugang. Organisiert wird das Projekt „Lernen in fremden Lebenswelten“ von der Stuttgarter Agentur Mehrwert. Über die läuft die Vermittlung von speziellen Praktikumsplätzen für Auszubildende. Die jungen Leute können in Einrichtungen arbeiten, in denen sie mit alten, kranken oder behinderten Menschen zu tun haben, auch das Arbeiten mit Obdachlosen, Asylsuchenden und mit Straffälligen werde vermittelt. „Neue und ungewohnte Situationen“ kommen laut Projektbeschreibung auf die Azubis zu. Und: „Eigene Erfahrungen stärken die soziale Kompetenz der jungen Leute mehr als ausschließlich theoretisches Lernen.“ „Die BASF und wir sind seit 2005 Kooperationspartner“, erklärt Friederika Will, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Ökumenischen Gemeinschaftswerks zuständig ist. An dem Projekt der Agentur Mehrwert nehme die BASF sogar bereits seit 2000 teil, ergänzt Lisa Braunecker, die in der Abteilung für Ausbildungsmarketing der BASF arbeitet. Seither könnten jedes Jahr 50 Auszubildende während dieses Praktikums besondere Erfahrungen in „fremden Lebenswelten“ sammeln, erläutert Lisa Braunecker weiter. Über die Agentur Mehrwert würden die Teilnehmer dann in verschiedene soziale Einrichtungen in der ganzen Metropolregion vermittelt. Aktuell bildet die BASF 890 Jugendliche aus. Im Schifferstadter Gewerbegebiet Lettenhorst werden in der Betriebsstätte verschiedene Handwerkssparten für Menschen mit Behinderungen angeboten. Dazu gehören eine Wäscherei und Schreinerei, eine Metallbau-Werkstatt, eine Kunststoffgießerei, eine Gärtnerei und eine Abteilung für Verpackungen. Unter der Anleitung von Fachleuten arbeiten die Menschen hier in Gruppen. Zum Angebot für die Mitarbeiter gehören auch Sport und Entspannung. Jonas Krieger steht gerade in einer Gruppe junger Leute, denen der Sportpädagoge Ralf Nauß die Kunst des Bogenschießens erklärt. Der 21-Jährige will ebenfalls Mechatroniker bei der BASF werden und hat sich für das freiwillige Praktikum gemeldet. Er ist erstaunt: „Auch wenn die Menschen hier in bestimmten Bereichen Behinderungen haben, haben sie in anderen Bereichen große Talente“, sagt er über seine bisherigen Erfahrungen. Krieger hat sich bereits in der Kirche und Jugendarbeit engagiert und möchte nun hier neue Eindrücke gewinnen. „Die jungen Leute, die hierher kommen, sind alle sehr interessiert, aufgeschlossen und engagiert“, sagt Beate Kiefer, die Bereichsleiterin für Soziales in der Schifferstadter Betriebsstätte und schwärmt von den positiven Erfahrungen. Die beiden Praktikanten in Schifferstadt werden noch weitere Stationen in der Betriebsstätte kennenlernen. Schon jetzt haben sie festgestellt: So anders ist die Arbeit hier gar nicht.