Limburgerhof
Ein irischer Unternehmer möchte mit E-Scootern Deutschland erobern
Man muss schon ein bisschen suchen im Limburgerhofer Gewerbegebiet Friedensau, möchte man das Depot und Büro des jungen, irischen Unternehmens Zeus Scooters besuchen. Etwas versteckt, hinter einem Discounter liegt die große, frisch renovierte Halle. Sie soll das Lager der Firma in Deutschland werden, von wo aus die E-Scooter deutsche Städte erobern sollen, wie Glyn Anderson vom Unternehmen sagt. Seit gut einem Jahr gibt es die Firma des Dubliner Damian Young, die ihren Sitz im irischen Bunclody hat und dort unter dem Namen Zeus Eco Urban Scooters Ltd. gegründet wurde. Seit Anfang dieses Jahres ist die Firma als Zeus Scooters GmbH mit Sitz in München im deutschen Handelsregister registriert.
Damian Youngs Heimatstadt Dublin hat – wie viele Städte weltweit – mit stetig steigendem Verkehr zu kämpfen. Er ist überzeugt, dass dem Verkehrsaufkommen in Städten in Europa und weltweit mit Blick auf die Umweltbelastung zu wenig entgegengesetzt werde. „Regierungen auf der ganzen Welt müssen mehr proaktive Maßnahmen ergreifen, um das zu ändern“, sagt er. Mikromobilität, wie zum Beispiel das Einsetzen von E-Scootern, sei eine von vielen Optionen. „Ich bin begeistert, wie E-Scooter hier bereits zur Entlastung des Verkehrs und der Umwelt eingesetzt werden, Deutschland hat da eine Vorreiterrolle übernommen“, meint Damian Young. Mit seinem Unternehmen möchte er Teil dieser Neuausrichtung sein.
Deutschland als Testgebiet
So gründete er sein Start-up-Unternehmen mit dem Ziel, zunächst in deutschen Städten E-Scooter testweise zu vermieten. In seiner Heimat Irland sei das Fahren mit Elektrotretrollern im öffentlichen Verkehr derzeit noch verboten. Doch auf der Nachbarinsel in England seien vor Kurzem Gesetze erlassen worden, die E-Roller zulassen. Es tut sich also was. „Um die Messlatte für die Qualität unserer Fahrzeuge hoch anzusetzen, bin ich nach Deutschland gekommen“, sagt er, denn hier gelten strenge Vorgaben.
Für sein Pilotprojekt fiel seine Wahl auf Heidelberg als ersten Einsatzort. Die Stadt gefiel ihm nicht nur, auch die Bedingungen wie Größe, Einwohnerzahl und -struktur sowie die Verkehrssituation seien für die Markteinführung ideal gewesen. Dabei sei ihm bewusst gewesen, dass Zeus nicht das einzige Unternehmen ist, das E-Scooter in Heidelberg vermietet. Doch eines unterscheidet die Zeus-Fahrzeuge von denen der anderen Anbieter. „Unsere E-Scooter fahren auf drei Rädern“, sagt Glyn Anderson. Darum eigne sich das Gefährt vor allem auch für Leute, die auf den zweirädrigen Rollern Gleichgewichtsprobleme haben. Und eine weitere Besonderheit hebt der Zeus-Mitarbeiter hervor: Die zwei Räder vorn lassen sich besonders leicht lenken. Möchte man nach rechts oder links fahren, kann man den Lenker – wie üblich – in die Richtung drehen. Darüber hinaus reagiert die Lenkung aber auch auf das Neigen des Lenkers in diese Richtungen, so lässt der Scooter sich nicht nur leicht lenken, sondern liegt auch recht gut in der Kurve.
Corona dämpft den Start
Dieses „Feature“ und noch weitere – wie zum Beispiel die dazugehörige Software – hat Damian Young selbst entwickelt und den Zeus-Scooter zusammen mit einer chinesischen Firma hergestellt – erst einmal 50 Stück. Die werden seit Mitte Juni in Heidelberg in Kooperation mit der Verkehrsbetrieben Rhein-Neckar (VRN) vermietet. Und das funktioniert so: Wer den Scooter, der maximal 20 Kilometer in der Stunde fahren darf, nutzen möchte, sollte mindestens 16 Jahre alt sein und auf seinem Smartphone die Zeus-App installiert und sich registriert haben. Über die App könne das Gefährt geortet, die Fahrt aktiviert und wieder beendet werden. Ein Euro kostet die Aktivierung, jede Fahrminute 19 Cent. Alles weitere, was beachtet werden muss – etwa, in welchen Bereichen der Scooter nicht geparkt werden darf –, ist in der App und im Netz nachzulesen. Im Prinzip sei aber alles „ganz easy“, meint Glyn Anderson. Und wenn es vor Ort Probleme geben sollte, könne die Hotline per Telefon, Textnachricht oder E-Mail kontaktiert werden. Laut Young bietet der Kundendienst einen 24-Stunden-Service.
Derzeit werde im laufenden Betrieb vieles erprobt, und es laufe gut an, meint Glyn Anderson. Corona habe aber die Erwartungen etwas gedämpft. „Etwa 2000 Leute haben sich die App heruntergeladen, etwa 1000 haben sich in Heidelberg registriert, das ist gut“, sagt er. Doch der Aufruf „stay at home“ während der Pandemie mache sich bei der Anzahl der Ausleihen bemerkbar. Dennoch seien die Kunden schon etwa 1000 Kilometer durch Heidelberg auf Zeus-Scootern gefahren. Das stimme optimistisch, wie auch die vielen positiven Feedbacks von Kunden. „Wir werden oft gefragt, ob bald auch in anderen Städten unsere Scooter vermietet werden“, sagt Damian Young. Und in der Tat hat er weitere Städte im Visier: Anfang September sollen etwa 600 neue Scooter ins Limburgerhofer Lager angeliefert werden. Davon werden weitere in Heidelberg und ganz neu dann auch in Ulm vermietet. Zudem könne man sich vorstellen, dass die E-Scooter für Firmen mit großen Geländen interessant sind. Der Einzelverkauf an Privatpersonen hingegen ist nicht geplant.
Limburgerhof liegt günstig
Derzeit beschäftigt Zeus-Scooters acht Mitarbeiter, zwei in Deutschland, genauer in Limburgerhof. Die Lage des Ortes in der Vorderpfalz sei optimal, auch wenn Heidelberg ein gutes Stück weg ist. „Dafür sind aber andere Städte im Ballungsgebiet wie Ludwigshafen, Mannheim oder Speyer von hier aus gut erreichbar“, sagt Anderson. Auch sei die Halle im Gewerbegebiet Friedensau ideal, „denn wir brauchen ein großes Depot.“ Auch wenn die fünf Scooter, die derzeit dort stehen, etwas verloren wirken. „Aber schon bald kommt ja die große Ladung, dann muss jeder Scooter mit Registrierungsschildern, SIM-Karten und Akkus ausgestattet werden.“ In der Halle lagern dann auch die Akkus, die von den zwei Mitarbeitern vor Ort getauscht werden. „Im Schnitt kann mit einem Akku 60 Kilometer gefahren werden“, sagt Anderson begeistert. Auch er ist fasziniert vom Thema E-Mobilität, darum habe der gebürtige Engländer, der mit seiner deutschen Frau im Odenwald lebt, bei Zeus angeheuert. Er ist – wie sein Chef – überzeugt, dass E-Scooter der richtige Schritt in die Zukunft sind.
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