Rhein-Pfalz Kreis Ein Fass ohne Boden

Camping-Idylle: So sieht es nur noch auf einem Teil der einst mehr als 3000 Plätze „Auf der Au“ aus.
Camping-Idylle: So sieht es nur noch auf einem Teil der einst mehr als 3000 Plätze »Auf der Au« aus.

«Waldsee/Altrip.» Der Campingbetrieb durch die GmbH Naherholung in den Rheinauen kommt den Rhein-Pfalz-Kreis und die Ortsgemeinde Waldsee immer teurer zu stehen. Mit fast einer halben Million Euro Verlust plant die Gesellschaft für das kommende Jahr. Schuld sind allerdings nicht nur die vielen Leerstände „Auf der Au“. Mit dem Thema hat sich nun der Waldseer Haupt- und Finanzausschuss befasst.

Dass der Campingbetrieb im Kreis nicht mit Steuergeld subventioniert werden soll, haben alle Seiten bei der Diskussion um eine mögliche Schließung des Campinggebiets „Auf der Au“ im Jahr 2020 immer wieder deutlich gemacht. Doch aktuell passiert genau das. Wie berichtet, hat die GmbH Naherholung in den Rheinauen 2017 einen Verlust von gut 145.000 Euro erwirtschaftet. An der GmbH, die neben dem Campinggebiet „Auf der Au“ zwischen Waldsee und Altrip noch Campingflächen direkt am Marxweiher und im Reffenthal sowie die Naherholungsgebiete Schlicht (Waldseer Seite) und Blaue Adria betreib, sind der Kreis mit 90 Prozent und die Ortsgemeinde Waldsee mit zehn Prozent beteiligt. In der Ausschusssitzung nannte der Waldseer Ortsbürgermeister Otto Reiland (CDU) noch einmal die Gründe für das 2017er Defizit: Nur 976 von ursprünglich 3173 Parzellen sind noch verpachtet. Die Pachteinnahmen sind also drastisch gesunken, während die Ausgaben sogar eher steigen. Auch Eigentümer leerstehender Grundstücke bekommen weiterhin Pacht von der GmbH. „Außerdem müssen die leerstehenden Flächen, um die sich früher die Camper gekümmert haben, nun von der GmbH gepflegt werden“, erläuterte Reiland. Da nur noch 276.000 Euro an Eigenkapital übrig sind, empfiehlt der Wirtschaftsprüfer den Gesellschaftern, den Jahresverlust auszugleichen, da ansonsten die Überschuldung droht. Für die Ortsgemeinde Waldsee wäre das ein Anteil von rund 14.500 Euro. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: „Es ist nicht abzusehen, dass das Jahr 2018 besser wird. Im Gegenteil“, sagte Reiland. Und richtig düster wird es bei einem Blick auf das kommende Jahr. Dann plant die GmbH im Wirtschaftsplan mit einem Verlust von rund 484.000 Euro. Ein Grund dafür: 2019 entfallen erstmals Ausgleichszahlungen der Städte Ludwigshafen, Mannheim und Speyer in Höhe von rund 117.000 Euro jährlich. Vor der Umwandlung in eine GmbH 2016 waren diese Städte Mitglied im Verein „Erholungsgebiet in den Rheinauen“ gewesen. Ebenfalls negativ auf das geplante Jahresergebnis wirkt sich die Aufhebung der Rückbauverpflichtung für das Campinggebiet Reffenthal aus. Mehr Geld muss die GmbH im kommenden Jahr den rund 140 Grundstückseigentümern auf dem Gelände des Campinggebiets „Auf der Au“ überweisen. Einige von diesen sind nicht mehr bereit, auf die sogenannte Indexanpassung bei den Pachten zu verzichten. Bis ins Jahr 2008 waren die Pachtzahlungen als Inflationsausgleich regelmäßig erhöht worden. Die Forderung der Eigentümer ist laut Reiland zwar „wirtschaftlich ein Schlag“ für die GmbH, aber rechtlich okay. Da die höheren Pachtzahlungen allen Grundstücksbesitzern zugebilligt werden, muss die GmbH für 2019 Mehrausgaben in Höhe von rund 80.000 Euro einplanen. Aufgefangen werden soll das – zumindest teilweise – durch eine Erhöhung der Pacht für die Camper auf drei Euro pro Quadratmeter. Zündstoff birgt eine Anfrage der GmbH an die Ortsgemeinde Waldsee, weiterhin auf die Anwendung der Pachtpreis-Indexklausel für die gemeindeeigenen Flächen auf der anderen Seite der Kreisstraße zu verzichten. Diese sind voll belegt. Verweigert sich die Ortsgemeinde dem Wunsch der GmbH, entstehen dieser zusätzliche Kosten von 23.000 Euro, die wieder ausgeglichen werden müssten. Da Waldsee nur zehn, der Kreis aber 90 Prozent der Gesellschaftsanteile hält, sei das für die Ortsgemeinde „ein gutes Geschäft“, werde beim Kreis aber „keine Freudenschreie auslösen“, prophezeite Reiland. Eine Diskussion gab es im Ausschuss nicht. Ob Waldsee auf die höheren Pachtzahlungen pocht, muss der Ortsgemeinderat am 18. Dezember entscheiden. „Dann müssen sie Farbe bekennen“, stellte der Bürgermeister mit Blick auf die Ratsmitglieder klar.

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