Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Brumm-Kreisel: Naturnähe auf öffentlichen Flächen

Der Kreisel als Insektenparadies, auf dem es summt und brummt.
Der Kreisel als Insektenparadies, auf dem es summt und brummt.

Roter Mohn, blauer Natternkopf, violette Wiesenflockenblumen und weißes Taubenkropf-Leimkraut: Ein buntes Farbenmeer empfängt die Verkehrsteilnehmer am Hochdorfer Kreisel in der Böhler Straße.

„Bei einer Zufriedenheitsskala von 100 bin ich jetzt schon bei 80“, sagt Walter Schmitt (FWG). Es freut den Hochdorf-Assenheimer Ortsbürgermeister, dass er jetzt zwei große Schilder mit „Kreisel der Vielfalt“ auf der Fläche in der Böhler Straße aufstellen kann. Baff war er zudem, als er den Hochdorfer Kreisel im Frühjahr im Feuilleton der RHEINPFALZ lobend miterwähnt fand. „Ich bin schon zufrieden“, lautet auch das Resümee von Christiane Brell. „Wegen des heftigen Windes im Frühjahr hatte ich anfangs Bedenken, dass das Saatgut weggeweht werden könnte“, sagt sie. Aber: „Alles ist gut, im Böschungsbereich und weiter unten zeigen sich die aufgehenden Rosetten der langlebigen Stauden. Die vielen Niederschläge im Frühling waren hilfreich“, sagt sie sich. Und nicht alles keimt schon im ersten Jahr.

Auf Wunsch von Schmitt hatte die Diplombiologin aus Dudenhofen vergangenes Jahr die naturnahe Anlage mit heimischen Wildstauden und Kleingehölzen wie Apothekerrose und Schwarzer Geißklee geplant. Galt es doch, aus einer ökologisch wertlosen, mit exotischen Pflanzen bestückten Schotterfläche ein Refugium für Käfer, Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen zu schaffen. Zudem hatte sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass die angeblich pflegeleichte Schotterwüste einen hohen Pflegeaufwand durch einen Gartenbaubetrieb benötigt. Mit jährlich 5800 Euro schlugen die Unterhaltskosten für die finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Gemeinde zu Buche.

Noch viel vor

Mit seinen Leuten hatte Landwirt Schmitt die Vorarbeit geleistet, Steine, Quecken und einen Teil des mit Unkrautsamen durchsetzten Oberbodens entfernt. Anschließend wurde feinkörniges Substrat aufgetragen. Für Brell war es nicht das erste Projekt dieser Art. In ihrem Wohnort hatte die Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen mit ihrem Verein bereits einen insektenfreundlichen Fahrbahnteiler angelegt. Im bundesweiten Wettbewerb “Deutschland summt!“ errang sie damit 2018 einen zweiten Preis.

Von Elfenkrokus über Narzissen und Traubenhyazinthen bis hin zu Weinbergstulpen: Gut 2000 Blumenzwiebeln wurden auf dem Hochdorfer Kreisel gesteckt. Dazu kam im Frühjahr 2021 eine Aussaat mehrjähriger Wildstauden. Beim nächsten Treffen mit Ortsbürgermeister Schmitt soll gejätet werden. Wurden doch durch vorbeifahrende Fahrzeuge einiges an Samen unerwünschter Beikräuter, insbesondere die allgegenwärtige Hundskamille, angeweht.

Mit dem Kreisel ist für Brell und Schmitt das naturfreundliche Engagement im Ort aber noch lange nicht zu Ende: Insektenfreundlich sollen in Absprache mit Olaf Feustel, Bauhofleiter der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim, auch die Grünanlagen in der Bahnhofstraße werden, wo drei Amerikanische Roteichen gefällt werden mussten, und die zwei Fahrbahnteiler am westlichen Ortsausgang in Richtung Meckenheim gestaltet werden.

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