Rhein-Pfalz Kreis Druck machen
Bezahlbare Grundstücke, Häuser und Wohnungen werden in unserer Gemeinde dringend gebraucht. Ich werde mindestens wöchentlich von Interessenten auf Wohnungssuche angesprochen. Die Lage außerhalb des Überschwemmungsgebiets sowie die zukunftsweisend freigehaltenen und geplanten Grundstücke für zwei Erschließungsstraßen in der Hauptstraße machen dieses Gebiet zu einem akzeptablen Standort. Auch die dritte geplante Zufahrtsstraße spricht dafür. Die Zweite Verkehrsachse durch das Gewerbegebiet wird bis zur Erschließung fertiggestellt sein. Matthias Becker: Diese Fläche ist seit vielen Jahren als mögliche Bedarfsfläche für Wohnungsbau ausgewiesen. Einen solchen Bedarf sehe ich zurzeit nicht. Hier hätte es zwei Alternativen gegeben, die näher am Ortskern liegen und besser ins Wohnungsbaukonzept gepasst hätten. Wir sollten erst einmal einige Probleme und Erfordernisse lösen. Attraktiv ist eine Gemeinde mit guter Infrastruktur für alle Altersgruppen. Dazu gehören neben den Vereinsangeboten Angebote der Gemeinde für junge Familien, um den Spagat zwischen Beruf und Familie lösen zu können, Spazierwege für ältere Menschen, eine öffentliche Verkehrsanbindung, die es ermöglicht, ohne eigenes Auto mobil zu sein und zu bleiben, sowie eine Gemeinde, deren Durchgangsverkehr nicht zur Last wird. In all diesen Bereichen gibt es Defizite, die ein Neubaugebiet nicht löst, sondern verstärkt. Werden Sie die einst angestrebte K-22-Verlegung weiter verfolgen? Winkelmann: Ja. Auf alle Fälle setzte ich mich mit Nachdruck dafür ein, den Münchhofweg auszubauen, entweder durch die Verlegung der K 22 oder als Ausbau des bestehenden Wirtschaftswegs. Es bestünde dann die Möglichkeit, die landwirtschaftlichen Betriebe direkt anzufahren und den Ortsteil Dannstadt auf der Zweiten Verkehrsachse zu umfahren. Becker: Diese Verbindung ist alternativlos. Sie ist ein unverzichtbarer Teil des Verkehrskonzepts zur innerörtlichen Entlastung. Sie zu verfolgen, ist nur sinnvoll, wenn die komplette Ostumgehung fertig gestellt ist. Hiermit meine ich auch, dass es sinnvoll gewesen wäre, mit der Gemeinde Mutterstadt eine Lösung für einen Anschluss der Umgehung am Pfalzmarktkreisel zu finden, um den Verkehr nicht durch das überlastete und kurvenreiche Gewerbegebiet zu führen. Was möchten Sie außerdem für die Verkehrsentlastung tun? Winkelmann: Das mit dem Spatenstich begonnene Projekt der Erschließungsstraße Gewerbegebiet Ost wird gleichzeitig die Zweite Verkehrsachse. Sie muss so schnell wie möglich fertig werden. Den Prozess werde ich mit Nachdruck vorantreiben, indem ich Baustellenbesprechungen mit der Verwaltung sowie den ausführenden Betrieben regelmäßig und in kurzen Abständen fordere. Ich setze mich dafür ein, den Stand der Bauarbeiten im Amtsblatt zu veröffentlichen. Für den landwirtschaftlichen Verkehr muss ein Wirtschaftsweg zwischen Dannstadt und Mutterstadt verbreitert werden. Kurze Wirtschaftswege um unsere Gemeinde herum sind wichtig. Die Geschwindigkeit der durch unsere Straßen fahrenden Fahrzeuge sollte regelmäßig und mehrmals monatlich kontrolliert werden. Dafür werde ich bei der Kreisverwaltung in Ludwigshafen, dem Ordnungsamt und der Polizei werben. Becker: Seit fast 20 Jahren steht das Verkehrskonzept, das die Verkehre von und nach Schifferstadt und Böhl-Iggelheim um den Ort führen soll. Zentrale Verteilungsstelle ist der geplante Kreisel am Ortseingang Münchhof. Dieses Gesamtkonzept – Ostumgehung und K22-Verlegung – ist nach wie vor schlüssig und Ziel meiner Politik. Wie geht es der Haubenlerche? Winkelmann: Ein vom Landesbetrieb Mobilität beauftragter Gutachter hat die Gemeindevertreter über das Vorkommen der Haubenlerche im Gebiet „Hinter dem Münchhof“ informiert. Es handelt sich definitiv um eine bedrohte Tierart. Sie steht immer noch auf der Roten Liste bedrohter Vogelarten in Kategorie 1 „vom Aussterben bedroht“. Die Vögel sollten unbedingt hier heimisch bleiben. Trotzdem dürfen sie die bauliche Entwicklung nicht verhindern. Becker: Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, da ich sie im Ort noch nie gesehen habe. Wird der örtlichen Landwirtschaft durch all die zusätzlichen Gewerbe- und Wohnflächen sowie den Straßenbau die Lebensgrundlage entzogen? Winkelmann: Der Flächenverbrauch der letzten 50 Jahre durch die Baugebiete und die gewerbliche Entwicklung haben sicherlich dazu beigetragen. Verbesserte, konzentrierte Anbaumethoden mit modernen Geräten sowie kontrollierte Bodenuntersuchungen haben aber auch für einen höheren Ertrag gesorgt. Trotzdem ist es für mich selbstverständlich, die landwirtschaftlichen Betriebe in Gespräche einzubeziehen und eine Lösung zu finden, damit wir zufrieden im „Gemüsegarten Deutschlands“ leben und arbeiten können. Becker: Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil von uns und prägt seit jeher unsere Gemeinde. Viel zu wenig wurde sie in der Vergangenheit in solche Themen mit einbezogen. Natürlich sind landwirtschaftlich nutzbare Flächen Voraussetzung für landwirtschaftliche Produktion und somit für die Landwirte wertvoll. Aber landwirtschaftliche Produktion bedarf auch eines Umfelds, etwa Verkehrsinfrastruktur. Auch landwirtschaftsnahe Gewerbebetriebe benötigen Flächen. Und auch Wohnbauflächen werden für landwirtschaftliche Betriebe benötigt. Fazit: Abwägung und Interessenausgleich führen zur Lösung.