Beindersheim / Grossniedesheim
Dorfflohmarkt-Premieren mit wechselhafter Resonanz
Die Ankündigung im Amtsblatt klang vielversprechend: 162 Teilnehmer waren für Samstag in Beindersheim aufgeführt, statt 44 waren es am Sonntag in Großniedesheim tatsächlich 57, informierte Ortsbürgermeister Michael Walther (SPD). Für die Flohmarktpremiere hatte die Gemeinde den Speicher geräumt: Geschirr, Warmhaltebehälter, Fotos oder Bücher zählten zum Angebot. An den Keller wolle man sich bei einer Folgeveranstaltung machen. Ob es diese gibt, will das Ortskartell am Donnerstag entscheiden. „So eine Veranstaltung steht und fällt mit dem Wetter“, meinte Walther, der mit Luftballontrauben in den Ortsfarben gelb-grün die Höfe kennzeichnen ließ. Positiv waren die kurzen Wege. Kein Wunder, die Einwohnerzahl liegt bei rund einem Drittel von Beindersheim.
Lag die Organisation in Großniedesheim bei Ortskartell und Gemeinde, war in Beindersheim Melanie Neber Initiatorin und Kümmerin. Der angekündigte Lageplan fehlte im Amtsblatt. In jedem Fall waren Fahrrad oder Auto und Ortskenntnisse unabdingbar. Am Vormittag nieselte es, ein kräftiger Regenschauer am Nachmittag schien schließlich so manchen Flohmarktteilnehmern wie Besuchern die Lust zu vermiesen.
Kinderschätze im Angebot
Noemi Kaiser (12) harrte mit ihren Kindheitsschätzen aus. „Ich spiele nicht mehr damit, ich treffe mich lieber mit Freunden oder lese“, erklärte sie. Mutter Sofia Kaiser hatte sich „mehr Resonanz erhofft, aber fürs erste Mal war es ganz gut“. Die Kinderflohmarkterfahrene Andrea Leibli fand die Idee gut, doch seien es „leider sehr wenig Besucher, meist Beindersheimer“. Ein Problem sah sie in den weiten Strecken von Anbieter zu Anbieter. „Nur in einem bestimmten Bereich den Flohmarkt durchführen, mit Musik, Essen und Trinken“, lautete Jeffrey Herkommas Tipp, mehr Besucher anzulocken. Ehefrau Mirjam Beuchert-Herkomma will die Sachen nun im Internet anbieten. „Enttäuscht“ war Karl-Werner Benz. Er sei nach Sammelstücken wie Militaria oder Comics gefragt worden, die er nicht bieten konnte, und „nach dem Schauer ist niemand mehr gekommen, rundum haben alle weggeräumt.“
Am Sonntag dagegen strahlte die Sonne, in Großniedesheim waren viele unterwegs, der Mindestabstand war kaum einzuhalten. Schnorr Ute hatte die Schätze aus familiären Haushaltsauflösungen präsentiert. Was nicht weggeht, will sie zum Teil einer Initiative spenden. Annemarie Leipa erstand eine Maultaschenpresse. „Die habe ich noch nicht“, sagte die Großniedesheimerin. Die Aktion sei für das Dorf sehr belebend, fand sie. „Man lernt die Nachbarn kennen und kann auch mal in die Höfe gucken.“
Über Whatsapp hatte Lisa Rings vom Flohmarkt erfahren. Die Freinsheimerin suchte nach Kindersachen. Für den Gerolsheimer Waldemar Goldbach ist der Sonntag der „ideale Flohmarkttag“ überhaupt. Etwa 30 Euro habe er investiert, unter anderem in eine Porzellangans für den Garten. „Ich finde das super“, lautete sein Urteil zum Dorfflohmarkt.