Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Bernd Eberle nimmt Abschied vom Bürgermeisteramt

Die Errichtung der Dirmsteiner Festhalle am Kellergarten fiel in die Amtszeit von Bernd Eberle als Ortsbürgermeister. Er erinner
Die Errichtung der Dirmsteiner Festhalle am Kellergarten fiel in die Amtszeit von Bernd Eberle als Ortsbürgermeister. Er erinnert sich an viele, viele Baustellenbesprechungen.

Er wirkt erleichtert und befreit, aber nicht verbittert, höchstens nachdenklich. Bernd Eberle (FWG) scheidet Ende August nach 15 Jahren aus dem Ehrenamtsjob als Ortsbürgermeister von Dirmstein. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erzählt er, was ihm in drei Amtszeiten gelungen ist und was ihn geärgert hat. Der Gemeinderat hat es ihm nicht immer leicht gemacht, aber viel größer war seine Sorge um seinen Obstbaubetrieb.

Äpfel, Zwetschgen, Süßkirschen und Weintrauben stehen im Mittelpunkt von Bernd Eberles Berufsleben. Der aus Laumersheim stammende Landwirt unterhält in Dirmstein gemeinsam mit seiner Frau einen Obst- und Weinbaubetrieb mit Ladengeschäft. „In der Spitze haben wir 35 Hektar bewirtschaftet, jetzt sind es nur noch vier Hektar für unseren Hofladen“, sagt der 64-Jährige. Damit ist klar, wohin die Reise geht, nämlich Richtung Ruhestand. Er will nach 50 Berufsjahren bald nur noch für die Familie da sein, für seine Frau Elke, die beiden Töchter und die drei Enkelkinder, die bislang jeden Mittwoch zu Oma und Opa kommen. Ein bisschen Deutschland bereisen, eine Donaukreuzfahrt machen und mit dem Glacierexpress fahren, das würde Eberle gefallen. Er hofft, „dass die Gesundheit da mitspielt“.

Mehr als 200 Ehrenamtsjahre

Den Betrieb hatte er schon weit runtergefahren, als er im September 2023 ankündigte, alle politischen Ämter abzugeben, darunter den Vorsitz der Freien Wählergruppe Dirmstein, die Mitgliedschaft im Verbandsgemeinderat und das Bürgermeisteramt. Die Aktivitäten in Vereinen seit der Jugend mitgezählt, kommt Eberle auf über 200 Ehrenamtsjahre. Wo er alles mitgemacht hat, kann man auf einer Website lesen, die er anlässlich seiner dritten Kandidatur für den Dirmsteiner Ortschefposten 2019 erstellt hat. Sie steht noch im Netz, wird aber nicht mehr gepflegt.

„Ich wollte keine vierte Amtszeit mehr machen“, sagt der Winzermeister und Gärtnermeister der Fachrichtung Obstbau. Und selbst eine Kandidatur für den Gemeinderat kam nicht mehr infrage, auch nicht zum Schein. „Was soll das, wenn ich auf den Listenplatz 20 gehe, vermutlich nach vorn gewählt werde und dann sage, dass ich das Mandat nicht annehme?“ Das sei dann keine ehrliche Kandidatenliste. So sahen es offenbar auch andere altgediente FWG-Mitglieder, weshalb die Wählergruppe mit nur zehn Bewerbern in die Gemeinderatswahl ging und am 9. Juni statt der bisherigen neun nur noch vier Ratssitze erhielt.

Zoff wegen Spielplatzverkauf

Zum Bürgermeister gewählt wurde unter drei Kandidaten Jens Schlüter von der neuen Initiative Dirmstein. Deren Wahlkampfparole, dass Dirmstein im Schlafzustand sei, widerspricht Eberle. „Viele Projekte, gerade die Bausachen, waren mit der Verbandsgemeindeverwaltung wegen der personellen Engpässe einfach nicht zu machen“, sagt er und nennt als Beispiel die Renaturierung des Eckbachs zwischen Dirmstein und Laumersheim, die erst im April begonnen wurde. Eberle erinnert sich an den Zoff im Dorf, als zugunsten des geplanten Wasserspielplatzes am Dicken Baum zwei Spielplätze stillgelegt und verkauft wurden: „Ich hätte nie gedacht, dass die Kinder, denen ich zum Ausgleich damals den Wasserspielplatz versprochen habe, nie darauf spielen werden, weil sie dann längst zu alt sind.“ Allerdings: Das mit der Renaturierung verbundene Vorhaben war auch deshalb ins Stocken geraten, weil der Architekt verstarb und die VG lange keinen Zugriff auf dessen Pläne bekam.

Bitter lachen muss Bernd Eberle auch beim Stichwort Edeka-Neubau im Neubaugebiet Nachtgärten. „Als ich 2009 Bürgermeister wurde, dachte ich allen Ernstes, es könnte 2010 mit der Erschließung losgehen.“ Auflagen der Landesplaner und der Streit mit Laumersheim um ein Einzelhandelskonzept ließen das Projekt an der Gerolsheimer Straße erst 2018/2019 wahr werden.

„Hausaufgaben gemacht“

Zufrieden ist der 64-Jährige, dass in seiner Amtszeit der Rest des Dirmsteiner Gewerbegebiets vermarktet werden konnte und dass zwei Langzeitdebatten beendet beziehungsweise Projekte von großer Tragweite verwirklicht wurden: der Verkauf des Koeth-Wanscheid’schen Schlosses an einen Klinikbetreiber – die denkmalgeschützte Immobilie war ein großer finanzieller Klotz am Bein der Ortsgemeinde – und der Abriss der Unterhaardter Festhalle, dem der Neubau der Festhalle am Kellergarten folgte. „Diese Hausaufgaben wurden gemacht“, sagt Eberle.

Bei der Gelegenheit stellt er klar, dass nicht der vorangegangene Architektenwettbewerb der Grund für das fast genaue Einhalten der Kosten gewesen sei, sondern „weil die Gemeindespitze jede Woche auf der Baustelle war“. Damit spielt er auf Wahlkampfaussagen des SPD-Bürgermeisterkandidaten an, der zwar für den Wettbewerb zuständig war, aber dessen Amtszeit als Beigeordneter endete, als die alte Halle abgerissen wurde.

Eberle muss nicht mehr alles verstehen

Wie langsam die Mühlen der Verwaltung mahlen und wie lange bürokratische Prozesse heutzutage dauern, „das werden mein Nachfolger und die Neuen im Gemeinderat noch am eigenen Leib erfahren“, prophezeit der scheidende Bürgermeister. „Ich habe mir über die Jahre abgewöhnt, alles verstehen zu wollen“ – sonst wären Ärger und Ohnmachtsgefühl zu groß geworden. Über sich selbst und den Abschied von einem Ehrenamt, das ihn im Schnitt einen Arbeitstag pro Woche ohne Sitzungen gekostet habe, sagt Eberle: „Ich habe in den 15 Jahren mein Bestes gegeben, und zwar so, wie wenn ich es auch für mich selbst gemacht hätte.“

Beim Treffen mit der RHEINPFALZ in den hellen Amtsräumen im Sturmfeder’schen Schloss kommt Bernd Eberle auf das zu sprechen, was ihm in seinem bisherigen Leben schon viel größere Sorgen bereitet, hat als eine Gemeinde mit vielen Einzeldenkmälern zu verwalten, mit Behörden zu kämpfen oder der Kritik von Bürgern oder Ratsmitgliedern ausgesetzt zu sein. Sich als Landwirt nie sicher sein zu können, ob die Ernte gut wird und die Einnahmen zum Erhalt des Familienbetriebs reichen, hat Spuren hinterlassen.

Im Glauben gut geleitet

Er erinnert sich an ein Hagelunwetter 1988, das Wein und Obst im gesamten östlichen Leiningerland vernichtete. Der Vollerwerbsbetrieb seines Vaters habe damals nur mit dem Geld der Versicherung überleben können. Heute gebe es wegen des Klimawandels immer öfter Hagel, weshalb die Kosten für die Versicherung enorm gestiegen seien. „Wir haben aufgehört mit dem Versichern, weil man nie den ganzen Schaden ersetzt bekommt“, sagt Eberle. Wenn er wegen Hagelschäden die Güte seiner Äpfel von Klasse eins auf Saftäpfel reduzieren müsse, werde das von der Versicherung nicht abgedeckt. „Vieles habe ich nur mit meinem Glauben durchstehen können“, sagt der bekennende protestantische Christ. „Ich fühle mich von Gott gut geleitet und habe keine Angst mehr vor der Zukunft.“

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