Rhein-Pfalz Kreis Die Lizenz zum Laden

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„Jeder spricht über die Energiewende. Und jeder wartet, dass andere aktiv werden“, sagt Michael Reith (SPD). „Nun sollte jemand den Schritt wagen und Initiative ergreifen.“ Diesen Schritt will der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim machen. Als die Lambsheimer Firma Gaia mit der Idee auf ihn zukam, eine E-Tankstelle auf öffentlichem Gelände zu bauen, war Reith von dem Projekt angetan. Wie mehrfach berichtet, wollte die Kommune gar einen Gesellschaftervertrag eingehen, um mit als Betreiber aufzutreten. Die Gesamtkosten wurden auf rund 57.000 Euro kalkuliert. Die Zusage, dass das Bundesprojekt „Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“ (Slam), sich zu Hälfte beteiligt, hatte Gaia schon in der Tasche. Der Traum vom Betrieb der Tankstelle, ist jetzt allerdings geplatzt: Die Idee einer gewinnorientierten Betreibergesellschaft aus Kommune und Unternehmen beiße sich mit den Richtlinien des Bundesprojekts und des Finanzamts, berichtete Bürgermeister Reith in der letzten VG-Hauptausschusssitzung. Stattdessen will die Gemeinde einen Zuschuss von 12.000 Euro spendieren und sich dieses Geld durch einen Pachtvertrag mit Gaia wieder hereinholen. Für die zwei Stellplätze zwischen Rathaus und Feuerwehrgebäude, die für die E-Tankstelle benötigt werden, soll das Unternehmen monatlich 50 Euro Pachtzins zahlen. Nach 20 Jahren wäre der Zuschuss refinanziert. „Was passiert, wenn die Firma insolvent geht?“, wollte Andreas Stellmann (CDU) wissen und wies damit auf das einzige Risiko hin. „Wir wollen keine Bürgschaft hinterlegen lassen“, antwortete Bürgermeister Reith. „So viel Vertrauen sollten wir in die Firma haben. Als Gesellschafter wären wir ein größeres wirtschaftliches Risiko eingegangen.“ Umgekehrt könnte sich der Stromverkauf an der Zapfsäule irgendwann rechnen. Den erhofften Erfolg will sich die Verbandsgemeinde nicht entgehen lassen: Im Pachtvertrag soll festgeschrieben werden, dass sie nach zehn Jahren mit fünf Prozent am Umsatz beteiligt werden soll. Diskutiert wurde im Ausschuss allerdings, inwiefern die Beteiligung jetzt festgelegt wird. „Falls Elektroautos der Renner werden, sollte man im achten Jahr die wirtschaftliche Lage besprechen“, regte Werner Petry (Grüne) an. Peter Frank (SPD) findet es hingegen schlecht, nichts festzulegen, und dann nachzuverhandeln. „Sonst müssen wir in zehn Jahren als Bittsteller auftreten.“ Der Ausschuss einigte sich darauf, fünf Prozent ab dem elften Jahr festzulegen – mit der Klausel, dann die wirtschaftliche Lage noch einmal abzuwägen. Die Wirtschaftlichkeit steht für die Firma Gaia bei diesem Projekt nicht an allererster Stelle. Eine E-Tankstelle mit der Chademo-Technik auf ihrem Firmengelände wurde über das Marketing finanziert. Die Firma gibt dort kostenlos Strom ab – zu 94 Prozent Solarstrom, der Rest aus erneuerbaren Energien. Etwa vier Mal täglich tanken dort Bürger, berichtet Andre Debatin. Die nun geplante zweite Tankstelle am Rathaus soll zum einen öffentlicher und zentraler positioniert sein, zum anderen die CCS-Ladetechnik bieten, die für viele deutsche Autos kompatibel ist. Die Firma Gaia sieht sie als „Testanlage“, sagt Debatin. Dort sollen Erfahrungen mit Backend-Betreibern gesammelt werden: mit Unternehmen, die das Zahlen mit Karten oder Mobilgeräten organisieren. Derzeit gibt es kein einheitliches System, was das Betreiben der Ladesäulen schwierig macht. Mit der E-Mobilität will sich Gaia einen neuen Geschäftszweig erschließen, der zu ihrem bisherigen passt: „Wir haben das Hintergrundwissen übers Netz und große Mengen an Leistung weiterzugeben“, erklärt Debatin. Gaia will die E-Tankstellen bauen und betreiben, allerdings möglicherweise über eine noch zu gründende Betreibergesellschaft als Tochter. Dass das Geschäft rentabel wird, glaubt Gaia. Die Frage ist, wann: In fünf Jahren werde man E-Autos regelmäßiger auf der Straße sehen, schätzt Debatin. Die Verbandsgemeinde rechnet in ihrer Wirtschaftlichkeitsanalyse damit, dass die Zapfsäule ab dem elften Jahr mit 15 Tankladungen pro Tag in die Gewinnzone rutscht. In der Ausschusssitzung war „Wunschkonzert“, wie Angela Haller (SPD) bemerkte. Dass die Verbandsgemeinde Sonderkonditionen zum Tanken eingeräumt bekomme, schlug nämlich Klaus Hug (FWG) vor. Und so soll es nach dem Wunsch des Ausschusses in den Pachtvertrag aufgenommen werden. Bürgermeister Reith will einen E-Smart für den Pendelverkehr zwischen den Verwaltungsstellen in Heßheim und Lambsheim anschaffen. Finanziert würde er als Werbemobil komplett über Sponsoren. Ein anderer Wunsch hat sich nicht erfüllt: Bei einer Gesellschafterbeteiligung der Kommune sollte das Gemeindewerk den Strom liefern – das sei jetzt hinfällig, bedauerte Werner Petry. Beim Pachtmodell könne der Betreiber den Tarif frei wählen, bestätigte Reith. „Das E-Werk muss dann eben ein gutes Angebot machen.“ Falls es beim Aushandeln des Pachtvertrags nicht mehr hakt, kann das Pionierprojekt nach langer Anlaufphase schnell über die Bühne gehen. Debatin rechnet damit, dass die Zapfsäule in zwei Monaten stehen könnte.

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