Rhein-Pfalz Kreis Die Großen schmieren ab
«Rhein-Pfalz-Kreis.» 10 Uhr morgens im Rhein-Pfalz-Kreis – Dienstag – 40 Stunden nach Schließung der Wahllokale: Und noch immer fehlen Ergebnisse aus den Kreisgemeinden. 15/25: 15 von 25 Kommunen haben erst vollständig an den Landeswahlleiter geliefert. Die Ampel steht auf gelb. Das heißt, es fehlen Daten. Der Rhein-Pfalz-Kreis ist allerdings nicht der einzige Kreis, der noch auf gelb steht: Westerwaldkreis, Vulkaneifel, Neuwied, Mayen-Koblenz ... Es gibt mehr gelbe als grüne Ampeln in der Übersicht. Um 10 Uhr morgens – Dienstag – 40 Stunden nach Schließung der Wahllokale. Was ist da los? Zumindest in der Vorderpfalz hängt es am Auslesen der Dateien. „Ausgezählt ist“, sagt Tilo Meinke, persönlicher Referent des Landrats. Getrödelt worden ist also in keiner Gemeinde. Gekämpft haben sie wie die Löwen, um schnell fertig zu werden. Gekämpft wird aber auch mit technischen Problemen. Die Softwarefirma ist eingeschaltet. Fein raus sind die Wahlhelfer, -leiter und Softwarespezialisten in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim und in Böhl-Iggelheim. Sie haben am Montagmittag bereits alles ausgezählt und – ganz wichtig – alle Daten übermittelt. Am späten Nachmittag ziehen Mutterstadt und Limburgerhof nach. In den vier Gemeinden wird weitergerechnet, nämlich mit wie vielen Sitzen die Fraktionen jeweils in die Gemeindeparlamente einziehen. Die FWG etwa erlebt in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim einen enormen Aufschwung – besonders in der Ortsgemeinde Hochdorf-Assenheim. Dort stellen die Freien Wähler künftig mit Walter Schmitt nicht nur den Ortsbürgermeister, sondern sie sitzen auch noch mit elf Mitgliedern im Ortsgemeinderat. Das geht zu Lasten von CDU und SPD. Die Christdemokraten verlieren drei Sitze und haben künftig sechs Vertreter im Rat, die Sozialdemokraten verlieren zwei und sind damit nur noch zu dritt. In Rödersheim-Gronau bekommt die SPD einen Sitz dazu, was ganz einfach deshalb bemerkenswert ist, weil die Sozialdemokraten derzeit eigentlich nichts gewinnen. Die FWG dagegen ist irgendwie angesagt und holt auch hier zwei Mandate mehr – macht damit neun im Dorfparlament. Die Christdemokraten müssen drei abgeben und sind damit noch sieben. In der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ziehen die Grünen den etablierten Parteien Stimmen ab, sie beginnen mit der Ratsarbeit auf dieser Ebene mit fünf Leuten. Die CDU büßt damit die absolute Mehrheit ein und hat noch zwölf Sitze. Die FDP kommt auf fünf, die SPD auf sechs Mandate. Die Veränderungen auf Ortsgemeindeebene entsprechen ebenfalls dem Trend: CDU und SPD verlieren jeweils ein Mandat und haben noch elf und sechs Sitze. Grüne (4) und FDP (3) legen leicht zu. Zahlenfüchse haben es vielleicht gemerkt: Für die kommende Legislaturperiode waren 24 statt 22 Sitze zu vergeben. Warum? Weil die Ortsgemeinde Dannstadt-Schauernheim gewachsen ist. Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Mitte des Kreises: Auch in Mutterstadt gehören FWG und Grüne zu den Gewinnern. SPD und CDU schmieren dafür ab. Sowohl Sozialdemokraten als auch Christdemokraten müssen zwei Sitze abgeben, sie haben noch acht und elf Mandate. FWG und Grüne gewinnen zwei dazu, sie ziehen mit fünf und vier Ratsmitgliedern in den neuen Gemeinderat. Vor allem die Freien Wähler holen damit auf, was sie vor fünf Jahren verloren haben. Damals rutschten sie von vier auf drei Sitze. Die FWG in Limburgerhof ergattert ebenfalls einen Sitz mehr als vor fünf Jahren und hat damit sechs Mandate. Die Grünen holen zwei dazu und sind zu viert. SPD und CDU verlieren, die Sozialdemokraten sogar gleich drei Mandate. Sie sind künftig noch zu acht. Genauso die CDU, die einen Sitz abgeben muss. Die FDP erhält zwei. Damit liegt auch Limburgerhof im Wahltrend. Der sich in Böhl-Iggelheim fortsetzt. Die SPD büßt hier ebenfalls erheblich an Stimmen ein und verliert damit drei Sitze im Gemeinderat – von ehemals neun bleiben ihr noch sechs. Nicht ganz so herb sind die Verluste der CDU – aber auch sie gibt zwei Sitze ab und bleibt mit neun Mandaten im Gemeinderat vertreten. Gewinner sind AfD und Grüne. Die AfD zieht erstmals in den Böhl-Iggelheimer Gemeinderat und das gleich mit vier Vertretern. Die Grünen gewinnen zwei Sitze dazu und gestalten fortan zu fünft die Gremienarbeit mit. Keine Verluste bei den Freien Wählern: Sie waren zu viert und bleiben es auch. 13 Uhr im Rhein-Pfalz-Kreis – immer noch Dienstag – 43 Stunden nach der Wahl. Im Norden wird’s grün. Was die Wahlampel beim Landeswahlleiter anbelangt – die Daten sind übermittelt. Und was die Verteilung der Sitze in der Verbandsgemeinde Maxdorf angeht. Dort haben sie sich erst im Frühjahr zusammengefunden und holen aus dem Stand vier Mandate im Verbandsgemeinderat. Auch hier müssen die Großen Einbußen hinnehmen. Die CDU bleibt zwar stärkste Kraft, verliert aber zwei Sitze und steht noch bei elf. Heftiger trifft es die SPD, die acht Personen entsendet – vier weniger als bislang. Neu im Verbandsgemeinderat ist die FWG mit zwei Sitzen. Zuwachs erhalten die Freien Wähler auch in Fußgönheim – sieben Ratssitze sind ihnen sicher (plus drei). Genauso viele hat die SPD, was aber ein Minus von zwei bedeutet. Die CDU kommt auf sechs Sitze. Ein ausgeglichenes Bild – und auch die Frage nach dem Ortsbürgermeister ist ja noch nicht geklärt: Susanne Weiler-Kautz (SPD) und Jochen Schubert (FWG) gehen in die Stichwahl. Spannendes Ergebnis in der Ortsgemeinde Maxdorf: Die CDU verliert ihre absolute Mehrheit, von bislang zwölf Sitzen bleiben neun. Die SPD steht noch bei sechs Sitzen, die FDP gewinnt ein Mandat hinzu und kommt auf drei. Größter Gewinner sind auch hier die Grünen, die vier Plätze erhalten. Grün(er) werden kann Birkenheide derweil nicht, weil die Partei dort nicht angetreten ist. Dafür dürfte es einer der ganz wenigen Orte sein, in denen die CDU zugelegt hat – und wie! Absolute Mehrheit mit elf Sitzen im Rat, zwei mehr als bislang. Keine leichten Zeiten also für die SPD, die von acht auf fünf Mandate fällt, und die FWG, die mit vier Sitzen dabei ist. Zumal mit Rainer Reiß auch ein CDU-Ortsbürgermeister in das Amt zurückkehrt. Extrem grün ist es in Schifferstadt. Die Grünen verpassen es ganz knapp, die stärkste Kraft im Stadtrat zu werden. Ihr absolutes Ergebnis haben sie verdoppelt. 1358 Stimmen bekamen sie 2014, jetzt 2698. Damit ziehen sie mit zehn Sitzen (vormals waren es sechs) in den Stadtrat – für die gerade wiedergewählte grüne Bürgermeisterin Ilona Volk eine gute Unterstützung. Allerdings steht gegenüber eine schwarze Front von elf CDU-Sitzen. Bei den Christdemokraten ändert sich damit nichts. Die SPD verliert einen Sitz und hat damit fünf. Die AfD bleibt mit drei Mandaten gleichauf. Ebenso die FWG. Keine Veränderung auch bei der FDP: Sie hatte einen Sitz und behält einen Sitz. Alleine sitzt auch der Vertreter der UWG im Stadtrat. Die Bürger für Schifferstadt sind zu zweit. Grün ist es in den Rheinauen sowieso – und erst Recht nach einer Regennacht wie von Montag auf Dienstag. Im Verbandsgemeinderat wird es zumindest ein bisschen grüner, die Partei stellt künftig sechs statt bislang vier Ratsmitglieder. Die CDU verliert drei Mandate und hat noch elf, die SPD erreicht acht Sitze statt zehn. Ebenfalls im Verbandsgemeinderat: Die FDP mit vier Vertretern, die FWG Altrip mit drei und die FWG Rheinauen mit vier. In Altrip ist wiederum die FWG der Wahlgewinner und kommt auf sieben statt auf vier Sitze. Die Grünen gewinnen ein Mandat hinzu und stehen bei fünf. SPD und CDU verlieren je zwei Sitze und haben nun sechs und fünf. Rückenwind erfährt der wiedergewählte Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) in Neuhofen. Die Freidemokraten gewinnen vier Ratssitze hinzu und kommen nun auf sechs. Die grüne Liste zieht gleich mit drei Sitzen in den Ortsgemeinderat ein. Die CDU hält die Verluste in Grenzen (sieben Sitze, minus eins), während sich die SPD halbiert – von zwölf auf sechs Sitze. Also auch hier alles im großen Trend. 18 Uhr – immer noch Dienstag – Der Kreis ist ausgezählt, 48 Stunden nach dem Ende der Wahl.