Rhein-Pfalz Kreis „Der Titel muss die Leute ansprechen“

Viele Leute melden sich an, wenn es um Volkskrankheiten geht: Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen ... Als ich das erste Mal „Prostatakrebs – Ein Thema nicht nur für Männer“ angeboten habe, wurde ich belächelt. „Gewagt, gewagt“, sagte der Arzt, der referieren sollte und meinte, er wäre schon mit zehn Zuhörern zufrieden. Es kamen 67. Wenn ein Arzt aus der Region auftritt, kommen viele Patienten, weil sie ihn außerhalb der Praxis erleben wollen. Sie trauen sich gerne an ungewöhnliche Themen wie „Abnehmen durch Hypnose“. Woher nehmen Sie die Ideen? Ich bin bekannt dafür, dass ich mich an Sachen wage, bei denen andere den Kopf schütteln. Den Abnehmkurs hatte eine Ärztin der VHS-Geschäftsstelle in Ludwigshafen angeboten. Abnehmen, und ich muss mich dafür nicht bewegen? Mir war klar, dass das die Leute interessiert. Der Kurs war sofort ausgebucht. Ideen sammle ich ständig: Im Urlaub hole ich mir das örtliche VHS-Programm. Oder ich schaue Verbrauchersendungen. In Talkshows mit jungen Autoren hole ich mir Anregungen, wen man für Lesungen einladen könnte. Das klingt nach Vollzeiteinsatz, obwohl Sie die Schule ehrenamtlich leiten. Wie aufwendig ist die Aufgabe? Vier Wochen nach Semesterbeginn bin ich jeden Tag nach der Arbeit bis zu zwei Stunden unterwegs, weil ich zum Kursbeginn die Teilnehmer und Referenten begrüße und alles erkläre. Von 160 Kursen im Jahr kommen 90 zustande. Dabei habe ich 1630 Teilnehmer kennengelernt. Sind Sie mit der Zahl zufrieden? Ich würde gerne mehr Kurse anbieten, und es gibt mehr Interesse im Sportbereich. Für Zumba haben wir keine Hallenkapazität. Die Sporthallen sind morgens von den Schulen und abends von den Vereinen belegt. Dabei besteht eine Riesennachfrage für Rückengymnastik vormittags für Menschen 55 plus. In unserer schnelllebigen Zeit steigt auch die Nachfrage nach Entspannungskursen wie Tai Chi und Yoga. Im Kurpfalztreff ist aber nur Platz für zehn, und die Leute sind verstimmt, wenn ich ihnen absagen muss. Zweck der Volkshochschule ist allerdings, dass man etwas ausprobiert, an etwas Neues herangeführt wird, was man dann im Verein weitermachen kann. Deshalb sind Kooperationen mit Vereinen sehr wichtig, aber renne ich teilweise gegen Wände. Im sozialen Bereich kooperiere ich mit dem Förderzentrum für Jugend und Soziales der Bernd-Jung-Stiftung. Dadurch werden auch Teilnehmer von außerhalb auf die Volkshochschule aufmerksam. Was liegt besonders im Trend? Ich merke dieses Jahr, dass sich die Leute für Persönlichkeitsbildung interessieren, für Selbstbild und Fremdbild und für das Thema Hochsensibilität. Und Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Leute nach Kursen mit Tieren fragen: „Auswirkung von Stress auf den Hund“ zum Beispiel. Als ob Haustiere mehr geschätzt würden als Kinder. Da ist bei mir eine Grenze. Es haben sich schon Eltern einen Englisch-Ferienkurs für Viertklässler zur Vorbereitung aufs Gymnasium gewünscht. Das lehne ich auch ab: Ferien sind zur Erholung. Andere Ferienangebote sind sinnvoller: Manche Kinder können keinen Urlaub mit ihren Eltern machen. Wenn sie bei einem Paddel- oder Malkurs mitmachen, dann haben sie den Schulkameraden nach den Ferien auch etwas zu erzählen. Soziale Themen liegen Ihnen am Herzen, wenn man ins Programm schaut: „Deutsch als Fremdsprache“ zum Beispiel. Stimmt der Eindruck? Ich denke, die Volkshochschule soll Lücken füllen, Themen, die woanders nicht angeboten werden. Und ich sehe die VHS nicht als reine Erwachsenenbildung, sondern wende mich gerne an junge Leute. In „Hausarbeit für junge Erwachsene“ lernt man, wie man einen Knopf annäht. In meiner Zeit hat das noch die Oma gezeigt. Zu „Jugendliche in der Schuldenfalle“ kam niemand, aber ich versuche es wieder. Man hört, dass viele Menschen schlecht mit Geld umgehen können, und man muss probieren aufzuklären. Weil bei Autounfällen mit jungen Fahrern oft Alkohol im Spiel ist, will ich mit der Bernd-Jung-Stiftung und dem Bund für Alkohol und Drogen im Straßenverkehr einen Vortrag anbieten nach dem Motto: „Schön saufen und hässlich sterben.“ Wieder so ein griffiger Titel! Der Titel kommt zuerst. Der Titel muss die Leute ansprechen. „Kochen für Sparfüchse“ hieß ein Kurs, in dem junge Menschen lernten, wie man Frisches für wenig Geld zubereitet. Werbung dafür hatte ich bei der Tafel ausgelegt. Denn da habe ich eine Frau mit einer Tüte rauskommen und das Gemüse sofort wegschmeißen sehen. Sie sagte, sie wüsste nicht, wie man es zubereitet. Etliche Kurse müssen Sie absagen. Was sind Ihre Ladenhüter und Auslaufmodelle? Früher hat man Englisch an der Volkshochschule gelernt; heute lernt das jeder in der Schule. EDV-Kurse werden hier schon durch den Seniorencomputerkurs abgedeckt. Unter anderen Kursen können sich die Leute zu wenig vorstellen: Für Pilates habe ich erst genug Anmeldungen bekommen, nachdem wir es auf dem Gesundheitstag vorgeführt haben. Gar kein Interesse gab es für „Mit dem Iphone umgehen“, „Reisen buchen übers Internet“ oder „Energiesparen am Haus“. Das hätte ich nicht gedacht. Wie kann man so daneben liegen? |Interview: Antje Landmann DOPPELTERZEILENUMBRUCH