Dannstadt-Schauernheim
Der Strom wird teurer
Dass sie für Strom vom Verbandsgemeindewerk mehr Geld bezahlen müssen, haben dessen Kunden in den vergangenen acht Jahren nur einmal erlebt: am 1. März 2019. Nachdem es den Verantwortlichen zuvor sechs Jahre lang gelungen war, den Strompreis stabil zu halten und äußere Faktoren wie steigende Beschaffungspreise zu kompensieren, war das damals nicht länger möglich. „Mit den bisherigen Preisen würden wir ein erhebliches Minus einfahren“, begründete Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU) damals die Erhöhung.
Nun fand sich die Kommune in einer ähnlichen Situation wieder: Um das Werk auch künftig wirtschaftlich betreiben zu können, müsste sie die Preise anpassen. Der Arbeitspreis in der Grund- und Ersatzversorgung würde demnach zum 1. Januar 2021 um 1,55 Cent brutto je Kilowattstunde beziehungsweise 1,3 Cent netto steigen. Um denselben Betrag würden auch die Sonderverträge angepasst. „Neben den Netzentgelten und Bezugskosten haben sich auch die Strompreisumlagen erhöht. Wir geben ausschließlich weiter, was sich erhöht. Vom Betrieb unseres Werks her müssten wir die Preise nicht anpassen“, hebt der Verbandsbürgermeister jetzt hervor.
Veth: „Fraktionen haben Notwendigkeit verstanden“
Die Entscheidung über eine Strompreiserhöhung obliegt jedoch dem Verbandsgemeinderat. Dieser hat das Thema inzwischen in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Werksausschuss diskutiert und das Anpassen der Strompreise genehmigt. „Die Fraktionen haben die Notwendigkeit verstanden“, begrüßt Veth den Beschluss.
„Da die Preisentwicklung auf dem Strommarkt nach oben weist, ist die nächste Erhöhung unumgänglich“, bestätigte Christdemokratin Bettina Kleemann. Gespannt sei ihre Fraktion jedoch auf die Auswirkungen auf den Kundenstamm, da eine Preiserhöhung erfahrungsgemäß eine Reihe von Kündigungen nach sich ziehe. Ihr Parteikollege Artur Oberbeck wies daraufhin, das Vergleichsportale im Internet lediglich die Grundpreise anzeigen. Die Verwaltung solle deshalb in der entsprechenden Mitteilung, mit der sie über die Preiserhöhung informiert, ausdrücklich darauf hinweisen, dass für Vertragskunden Sonderkonditionen gelten, die unter dem Grundpreis liegen, der auf diesen Portalen ausgewiesen wird.
Kein zusätzlicher Profit
SPD-Fraktionschef Uwe Schölles bezeichnete die Strompreiserhöhung als angemessen. „Sie stellt einen Spagat dar zwischen der Konkurrenzfähigkeit der Preise und der Finanzierbarkeit des VG-Werks beziehungsweise dem Erhalt der Ertragslage“, sagte er. Damit würden zudem lediglich gestiegene Kosten weitergegeben, aber kein zusätzlicher Profit erzielt.
Dass sich die Energie verteuert, liegt in der Natur der Sache“, fand Grünen-Sprecher Andreas Pfeiffer. Das sei einerseits bitter für Menschen mit geringerem Einkommen und deshalb wichtig, die Preise behutsam anzupassen, was bisher immer gut gelungen sei. Andererseits habe sich gezeigt, dass Strom keine Ramschware ist. „Mit den Billigheimern auf dem freien Strommarkt mithalten kann und soll die Gemeinde nicht“, erklärte er. Zudem hätten die Klimakrise und die Diskussion darüber klargemacht, dass immer mehr Menschen bereit seien, höhere Preise zu bezahlen, wenn sie als Gegenleistung ein ökologisch sauberes und nachhaltiges Produkt bekommen. „Darum sollten wir uns nach Kräften bemühen, bereits in naher Zukunft möglichst viel regenerativ erzeugte Energie anzubieten, möglichst auch aus eigener Produktion“, forderte Pfeiffer. Dieser lokale Bezug könne die Akzeptanz höherer Preise nochmals steigern.
„Die Erhöhung ist sachlich begründet, da der Strombezugspreis seit der letzten Erhöhung um mehr als 1,3 Cent gestiegen ist und das VG-Werk als kleines E-Werk keine weiteren Möglichkeiten hat, dies anderweitig zu kompensieren“, sagte Freidemokrat Herbert Hery. Der Mehrpreis von monatlich 4,52 Euro bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr ist seiner Meinung nach vertretbar.