Rhein-Pfalz Kreis Dannstadt-Schauernheim: 177 Mal Blut gespendet

Sogar das Getränk im Restaurant auf dem Berliner Reichstagsgebäude ist rot. Johannes Haus genießt den Ausflug in die Hauptstadt
Sogar das Getränk im Restaurant auf dem Berliner Reichstagsgebäude ist rot. Johannes Haus genießt den Ausflug in die Hauptstadt zum Weltblutspendertag. Auch Katrin Klein gehört zur Gruppe aus Rheinland-Pfalz.

«Dannstadt-Schauernheim.» Johannes Haus ist einer von zwei Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßig Blut spenden. Er tut es gerne, aus Überzeugung, als Dienst an der Gesellschaft. Seit 57 Jahren. 177 Mal hat Haus bislang seinen Lebenssaft gegeben. Aber allmählich ist es auch einmal genug. Und das ist das Problem.

Einmal war Hasan nicht da. Und ohne den Arzt seines Vertrauens ereilte Johannes Haus prompt der „Weißkitteleffekt“, so etwas wie die Angst vorm fremden Arzt. „Es war eine ältere Ärztin“, erinnert sich Haus an jenen Tag in Böhl-Iggelheim. Wann es genau passierte, weiß er gar nicht mehr. Die Frau legte jedenfalls die Manschette um seinen Oberarm und zack – warum auch immer – der Blutdruck war zu hoch. 165 zeigte das Gerät. „Zu Hause waren es noch 140“, habe er zu der Dame im Kittel gesagt, protestiert und am Messgerät gezweifelt. Doch nichts zu machen, Haus musste gehen. Es ist so etwas wie der kleine Makel in seiner Blutspender-Karriere. Die ansonsten wie aus dem Bilderbuch ist. Schon bevor er 1962 zur Bundeswehr eingezogen wurde, ist Haus für das Deutsche Rote Kreuz in Mutterstadt Krankenwagen gefahren. „Nach Klingenmünster, zum Beispiel“, sagt er. Manchmal hätten die Passagiere „hinten drin im Krankenwagen“ sogar die ein oder andere Zigarette geraucht. „Das sind Anekdoten, die man heute erzählen kann“, sagt Haus und lacht. Während seiner Wehrzeit folgte er einem Blutspendenotruf in Darmstadt, wo er stationiert war. Mit 0 Rhesus positiv hat er eine gefragte Blutgruppe. Die allerersten Kärtchen, die Bestätigungen seiner Spenden von einem Darmstädter Krankenhaus, wo er noch dreimal hinging, hütet er bis heute.

Haus: "Nur Vollblutspenden"

Haus ist es gewohnt, seinen Arm hinzuhalten. „Nur Vollblutspenden“, betont er. 177 davon hat er inzwischen abgegeben. „Vielleicht zwei-, dreimal hatte ich blaue Flecken“, sagt der 79-Jährige, „vor allem bei neuem Personal.“ Denn da wisse man nie, wie sie stechen. 500 Milliliter Blut sind es pro Spende, Haus geht davon aus, dass er bisher 87 Liter abgegeben hat. „Mit allen Proben dürften es zwischen 90 und 95 Litern sein“, sagt er. Die Altersgrenze von 69 Jahren hat er längst überschritten. Na und? So lange sein Blut den Anforderungen entspricht. „Ich fühle mich fit“, sagt Haus, der sich die Zustimmung seines Hausarztes geholt hat. Dennoch hat Haus einen Entschluss gefasst. „Jetzt lasse ich es allmählich auslaufen“, sagt er. Mal lässt er eine Spende ausfallen, dann zwei. Er muss langsam zurückfahren, sein Körper muss sich daran gewöhnen, nicht mehr regelmäßig angezapft zu werden. „Aber die 180 bekomme ich noch voll“, sagt er, „man muss sich immer ein Ziel setzen.“ Aber als regelmäßiger Spender zählt er trotzdem zu einer aussterbenden Spezies.

Weniger Termine für Blutspenden

Viele treue Spender kommen in ein Alter, in dem sie weniger spenden – oder es ganz sein lassen. Junge Spender kommen immer weniger nach, das beklagt auch das DRK. Zugleich werden die Termine für Blutspenden weniger. „In Schifferstadt sind in diesem Jahr schon zwei Termine mangels Personal ausgefallen“, sagt Haus. Der Arzt etwa, den er nur Hasan nennt, sei seit 30 Jahren in Schifferstadt dabei und komme jedes Mal aus Lörrach an der Grenze zur Schweiz in die Pfalz gefahren. „Ich bin bei den Terminen bekannt wie ein bunter Hund“, sagt Haus. Der nächste Termin ist für den 13. Dezember im katholisches Pfarrzentrum Schifferstadt angesetzt. Haus wird selbstverständlich dort sein. Selbst hat er noch nie eine Spende gebraucht. „Gott sei Dank nicht“, sagt Haus, „aber jeder kann in die Situation kommen.“ Etwa 15.000 Blutkonserven werden jeden Tag in Deutschland gebraucht. Zwischen 800 und 1000 sind es in Rheinland-Pfalz und im Saarland. „Man kann kein Kunstblut herstellen“, sagt Haus, der sein Blut aus Überzeugung gibt, kein Geld dafür nehmen würde und Blutspendebanken skeptisch gegenübersteht. „Einmal war ich dort gewesen, in Ludwigshafen“, sagt er, „aber es hat mir nicht gefallen. Eine seltsame Klientel war das.“

Goldener Blutstropfen als Auszeichnung

Eine Anerkennung für seinen Dienst an der Gesellschaft erwartet der Dannstadt-Schauernheimer nicht. „Ich will Menschen helfen“, sagt Haus, der ebenso typisiert wie Organspender ist. Und doch ist es schön, wenn ein „Danke“ kommt. Im Juni wurde er vom DRK zum Internationalen Blutspendertag nach Berlin eingeladen. Mit engagierten Blutspendern aus der ganzen Republik, darunter vier aus Rheinland-Pfalz, erlebte er ein straffes Programm über drei Tage: Gendarmenmarkt, Schloss Charlottenburg, mit der Fahrrad-Rikscha durchs Regierungsviertel, mit dem Boot über die Spree. Ein Mittagessen im Abgeordnetenrestaurant auf dem Dach des Deutschen Bundestags. Ein Treffen mit DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU) und DRK-Botschafterin Carmen Nebel. „Anstrengend, aber toll“, sagt Haus. Als Auszeichnung erhielten alle einen goldenen Blutstropfen. Bleibt noch jener Spenden-Termin in Böhl-Iggelheim. „Es war das einzige Mal, dass ich heimgeschickt wurde“, sagt Haus. Bis heute kann er es sich nicht erklären, wie es dazu kam, dass er abgelehnt wurde. „Die Ärztin habe ich nie wieder gesehen“, sagt Haus und ist überzeugt: Mit Hasan wäre seine Bilanz makelos geblieben.

Johannes Haus mit dem goldenen Blutstropfen des DRK.
Johannes Haus mit dem goldenen Blutstropfen des DRK.
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