Rhein-Pfalz Kreis Botschafter der Strom- und Gasmobilität
«Bobenheim-Roxheim.» „Wir wollen niemandem auf die Nerven gehen“, sagt Michael Remmele und meint damit sein im Dorf bekanntes Sendungsbewusstsein in Sachen klimaschonendes Fahren. Er und seine Frau sitzen schon lange am Steuer von mit Erdgas beziehungsweise Strom betriebenen Autos und sind begeistert, die Kinder ebenfalls. Ausstellungen mit solchen Fahrzeugen will der 48-Jährige aber vorerst nicht mehr veranstalten.
Michael Remmele ist stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion in Bobenheim-Roxheim und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. In beiden Gruppen wird er ab und zu scherzhaft gefragt, ob er nicht den Grünen beitreten will. Der Grund: Remmeles überschäumende Begeisterung für alternative Antriebsarten bei Pkw. „Seit 2002 sind wir mit Erdgasfahrzeugen mobil“, erzählt Michael Remmele. „Das führt nicht nur zu einer 50-prozentigen Ersparnis bei den Treibstoffkosten, sondern auch zu deutlich geringeren Abgasemissionen. Im Vergleich zu einem Benziner werden bis zu 25 Prozent weniger CO2, 75 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe und 53 Prozent weniger Stickoxide ausgestoßen.“ Die Diesel-Vergleichswerte kennt er auch auswendig, ebenso den Grund, warum beim Gasauto das Motorenöl auch nach 10.000 Kilometern noch honiggelb ist. Neun Jahre haben er und seine Ehefrau Judith (45) einen erdgasbetriebenen Opel Zafira mit 150 PS gefahren, dem ein leistungsstärkerer folgte, der einen Wohnwagen durch die Alpen ziehen kann. Michael Remmele ist begeistert, wie schnell er über das günstige Erdgas den Aufpreis beim Autokauf wieder raushatte und wie weit er in Kombination mit dem zusätzlichen Benzinmotor fahren kann, bis wieder getankt werden muss: 560 Kilometer. „Man muss sich halt angewöhnen, vorher zu gucken, wo es Autogastankstellen gibt“, sagt Remmele, der wie seine Frau in Teilzeit als Chemielaborant in der BASF arbeitet und wenn möglich mit dem Fahrrad pendelt. Seit einem Jahr testet die vierköpfige Familie zusätzlich einen Opel Ampera, ein Elektroauto mit zusätzlichem Benzinmotor für die Stromerzeugung. Beim Anblick der schwarzen, in den USA hergestellten und geräuschlos fahrenden Limousine gruselt es einen ein bisschen. Wenn man drin sitzt, ist es besser, denn die Rollgeräusche kennt man vom eigenen Auto. Ein futuristisch anmutendes Display zeigt bildlich, ob der Motor nun gerade Strom verbraucht oder der Akku durch vorausschauendes Fahren aufgeladen wird. Das Ampera-Modell der Remmeles hat allerdings bei reinem Stromantrieb nur eine Reichweite von 40 bis 70 Kilometer, weshalb die Ladestation in der Garage sehr oft in Betrieb ist. „Erdgas ist im Moment noch alltagstauglicher“, lautet das vorläufige Fazit der Familie. Jedoch: Mit dem neuen Modell soll den Normalbürgern die Reichweitenangst genommen werden. Remmele verweist auf eine aktuelle Meldung von Opel: Bei einer einzigen Aufladung der 60-kWh-Lithium-Ionen-Batterie seien bis zu 520 Kilometer Fahrtstrecke möglich. Judith und Michael Remmele finden, dass es noch viel zu wenig öffentliche E-Tankstellen mit zu vielen unterschiedlichen Bezahlweisen gibt. Und dass jede Kommune, auch Bobenheim-Roxheim, eine solche Stromzapfstelle anbieten müsse. „Auch wenn man damit keinen Gewinn macht.“ Der CDU-Mann erzählt: „Ich habe zudem schon mal angeregt, dass die Gemeinde Erdgasautos beziehungsweise klimaneutrale Fahrzeuge anschafft.“ Remmele klingt ein bisschen enttäuscht, dass sich die Verwaltung bislang nur zu einem E-Auto für kurze Strecken durchringen konnte. „Da will ich aber dranbleiben.“ Nicht mehr dranbleiben will er an dem kleinen Autosalon, den er zweimal im Namen der Bobenheim-Roxheimer CDU auf dem Gondelfestplatz veranstaltet hat. Zuerst auf eigenes Risiko mit geliehenen Fahrzeugen, dann in Zusammenarbeit mit Händlern. Damals wollte er an alternativen Antriebskonzepten interessierten Menschen die Gelegenheit geben, so einen alternativen Wagen mal probezufahren. Das durchaus gute Interesse habe sich beim zweiten Mal stark auf E-Autos konzentriert, „und ich konnte leider keinen Tesla für die Ausstellung bekommen“. Der Bobenheim-Roxheimer fühlt sich als eine Art Vorreiter für die E-Mobilität im Alltag von Familien. Auch wenn ihn seine Kinder Lukas (16) und Tabea (13) gerade daran erinnert haben, dass es das Antriebsprinzip ihres Amperas mit Benzin- und Elektromotor schon vor mehr als 100 Jahren gegeben hat, zum Beispiel beim Lohner-Porsche. Sie finden es verwunderlich, dass diese Technik trotzdem noch nicht den großen Durchbruch erlebt hat. Wer weiß – vielleicht kann ihr Vater, wenn er sich die Begeisterung nicht von Skeptikern nehmen lässt, doch etwas zum Durchbruch beitragen. Auf jeden Fall kann Michael Remmele seinen privaten Klimaschutzkreis vorbildlich schließen: „Wir erzeugen mit mehreren Fotovoltaikanlagen Strom für mehr als drei Einfamilienhäuser, speisen ihn ins örtliche Stromnetz ein und kaufen unseren Bedarf als Ökostrom zurück. Und mit diesem Ökostrom wird unser Elektroauto in der Garage geladen.“