Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Biber: Neuer Damm und Entspannung

Wenn’s um den Biber geht, schlagen bei der Maxdorfer Verwaltung zwei Herzen in der Brust.
Wenn’s um den Biber geht, schlagen bei der Maxdorfer Verwaltung zwei Herzen in der Brust.

Der Biber beschäftigt die Maxdorfer Verwaltung weiterhin. Jetzt ist er im Neugraben heimisch geworden. Was die Lage weiter verschärft. Doch es gibt auch Entspannung.

Es ist ungemütlich an diesem Donnerstag in der Vorderpfalz. Von Frühling ist noch wenig zu sehen. Ums herannahende Frühlingsidyll geht’s bei dem Ausflug allerdings nicht. Der Biber treibt die Maxdorfer und damit auch die Verwaltung weiterhin um. Seit ein paar Jahren hat er sich an und in den Gräben zwischen Maxdorf und Lambsheim niedergelassen. Ein Regenrückhaltebecken hat er geflutet mit seinem Damm. Und die Nachkommen dieses ersten Tieres haben sich jetzt offenbar im Neugraben häuslich niedergelassen.

Ab ins Unterholz. Mit dabei sind André Voges, noch Büroleiter und ab 1. August neuer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf, Christopher Maurer, Leiter der Bauabteilung im Maxdorfer Rathaus, Matthias Heß aus der Bauabteilung und Alfons Wiebelskircher. Letzterer hat ein ganz persönliches Interesse daran, dass sich der Biber nicht weiter ausbreitet.

Medaille mit zwei Seiten

Biber, die zur Klasse der Säugetiere (Mammalia) und zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia) gehören, sind seit ihrem Auftauchen zwischen Maxdorf und Lambsheim die berühmte Medaille mit zwei Seiten. Die Naturfreunde finden es klasse, dass sich der Biber wohlfühlt und vermehrt. In den Rathäusern und Wohnhäusern schaut man wenig begeistert drein, sobald das Thema angesprochen wird. Denn in Maxdorf zum Beispiel hat man extra das Regenrückhaltebecken eingerichtet, um bei einem entsprechenden Starkregenereignis gewappnet zu sein. Dann kommt der Nager daher und torpediert die Pläne.

Die Fortsetzung der Geschichte findet am Neugraben statt. „Beweisen könnte man es wohl nur mit einem Gentest, aber es ist wahrscheinlich, dass die Biber, die im Neugraben Dämme bauen, Nachkommen des ersten Bibers weiter östlich sind“, sagt André Voges. Der Nager steht ganz oben auf seiner Agenda. Wenn er auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehme, werde eins der ersten Telefonate mit der oberen Naturschutzbehörde sein. Er will einen Termin vereinbaren, um eine Lösung zu erarbeiten. Denn der Neugraben geht mitten durch Maxdorf.

Bau noch nicht bekannt

Ab in die Büsche. Am Neugraben entlang Richtung Maxdorf. Matthias Heß ist nach eigenen Angaben öfter hier unterwegs. Er checkt regelmäßig die Dämme, ob die Tiere wieder frisches Material draufgelegt haben. „Der Bau des Bibers ist in dem Bereich noch nicht bekannt“, betont Heß. Die ersten Dächer sind durch die Bäume schon zu erkennen. „Das Wasser stand schon mal bis hier“, sagt Matthias Heß und zeigt auf den Boden. Dunkle Blätter zeigen: Ja, hier ist der Neugraben vor Kurzem über die Ufer getreten.

Ein paar Meter weiter sind Bäume umgefallen. Nicht freiwillig. Die Bissspuren der Nagetiere sind auch aus einiger Entfernung gut zu erkennen. „1,5 Kilogramm Rinde frisst ein Tier am Tag“, sagt Matthias Heß. Der Blick von Alfons Wiebelskircher geht schon etwas weiter: „Da vorne geht das Dorf los. Das sind etwa noch 100 Meter“, meint der Sozialdemokrat. Das Gewerbegebiet, in dem auch er seine Firma habe, sei nicht weit. „Die Angst ist groß bei den Bürgern“, berichtet Wiebelskircher. Auf der anderen Seite des Neugrabens, also in Nachbarschaft seiner Firma, liegt direkt ein Wohngebiet.

Kein Abschuss erlaubt

„Katrin Eder war ja auch schon mal hier zum Bibergipfel“, erinnert Christopher Maurer. Die Grünenpolitikerin und Umweltministerin aus Mainz vermochte aber auch nicht, dem Biber ein anderes Revier schmackhafter zu machen. So seien der Verwaltung die Hände gebunden, meint Voges ein bisschen resignierend. Bejagen dürfe man den Biber nicht. „Dafür ist die Dichte an Bibern nicht groß genug. Was die Verbandsgemeinde angeht, haben wir alle Mittel ausgeschöpft“, sagt Heß.

Der Europäische Biber, um den es sich hier handelt, gehört laut Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt zu den streng geschützten Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Demnach ist es verboten, die Tiere zu stören, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten dürfen nicht zerstört werden. In Abstimmung mit den Naturschutzbehörden helfen bisweilen „gezielte Einzelmaßnahmen“, heißt es aus Neustadt. Gemeint ist unter anderem das sogenannte Abschleifen der Dämme. Dabei darf bis zu einer bestimmten Höhe Holz aus dem Damm entnommen werden.

Bürokratische Hürden

Sollte die Gemeinde den Damm entfernen wollen, gehe das nur mit einer Ausnahmegenehmigung. Dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So dürfe es keine „zumutbaren Alternativen“ geben. Außerdem dürfe der „Erhaltungszustand der Population einer Art nicht verschlechtert werden“.

Dass der Biber hier sei, störe keinen. Aber die Auswirkungen, die er mit sich bringe, eben schon. Von daher schlagen auch zwei Herzen in seiner Brust, meint Heß: „Auf der einen Seite ist es faszinierend, dass so ein Tier bei uns ist. Für die Kommune ist es aber auch sehr anstrengend.“

Ähnlich sieht man das auch bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt, die hier als obere Naturschutzbehörde fungiert. Hier sieht man die Ausbreitung des Europäischen Bibers als eine in Rheinland-Pfalz ehemals ausgestorbene Art positiv. Seit circa 1840 galt der Biber im Land als ausgestorben. Der Biber bringe positive ökologische Effekte wie die Entwicklung neuer, hochwertiger Biotope. Allerdings gingen damit auch Konflikte, besonders in stärker besiedelten und bewirtschafteten Gewässerrandbereichen einher.

Kein ruhiger Schlaf

Wir schlagen uns zurück durchs Unterholz. Ab zum Auto. Standortwechsel ist angesagt. Wir schauen noch kurz auf dem Firmengelände von Alfons Wiebelskircher vorbei. Hier ist die Böschung des Neugrabens relativ flach. Die Firmengebäude sind nur ein paar Meter weit vom Bachlauf des Neugrabens entfernt. Sollte der Neugraben bei einem Starkregenereignis über die Ufer treten, braucht man wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass die Gebäude von Wiebelskirchers Firma Wasserkontakt bekommen.

Ruhig schlafen tue er nicht mehr, meint Wiebelskircher. Er verweist auf den Serverraum, auf das Lager mit Waren im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. „Da geht es dann an die Existenz“, verdeutlicht er mögliche Folgen. Und daher bleibe er bei dem Thema auch am Ball. „Ich will wissen, wer am Ende die Verantwortung übernimmt, wenn etwas passiert.“

Eine gute Nachricht gibt es zum Abschluss doch noch: Ein letzter Abstecher zu eingangs erwähntem Regenrückhaltebecken zeigt, dass dieses wieder leer ist. Was daran liegen mag, dass der Damm des „Ursprungsbibers“ fast komplett weg ist. Warum? Das weiß von dem „Expeditionstrupp“ der Verwaltung niemand.

Der Biber hat im Maxdorfer Neugraben einen Damm gebaut.
Der Biber hat im Maxdorfer Neugraben einen Damm gebaut.
Biberdamm am Maxdorfer Neugraben: Bis zu der Stange darf der Damm abgeschliffen, also verkleinert werden.
Biberdamm am Maxdorfer Neugraben: Bis zu der Stange darf der Damm abgeschliffen, also verkleinert werden.
Spuren von Biberaktivität: Wenn der Biber kräftig zubeißt, bleibt kein Baum stehen.
Spuren von Biberaktivität: Wenn der Biber kräftig zubeißt, bleibt kein Baum stehen.
Die gute Nachricht: Vom ersten Biberdamm am Regenrückhaltebecken ist nicht mehr viel übrig.
Die gute Nachricht: Vom ersten Biberdamm am Regenrückhaltebecken ist nicht mehr viel übrig.
Das Maxdorfer Regenrückhaltebecken ist wieder leer. Zum ersten Mal seit vier Jahren, sagen die Verantwortlichen.
Das Maxdorfer Regenrückhaltebecken ist wieder leer. Zum ersten Mal seit vier Jahren, sagen die Verantwortlichen.
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