Rhein-Pfalz Kreis Beregnungsausbau gerät ins Stocken
Alle Hürden hatte der Beregnungsverband Vorderpfalz zuletzt genommen, um eine Hauptleitung nördlich der A 6 zu bauen und künftig Felder mit Wasser vom Otterstadter Altrhein zu versorgen. Doch jetzt baut sich eine neue auf: „Wir müssen erst klären, ob wir die Frist verlängern können, damit wir die Fördergelder weiterhin bekommen“, sagte Vorsteher Wolfgang Renner auf Nachfrage der RHEINPFALZ zum Stand des Projekts.
„Wir haben ein Jahr Zeit verloren, ohne etwas dafür zu können“, ergänzt sein Stellvertreter Martin Steig. Dabei hatte der Beregnungsverband bereits alle Zusagen für die Erweiterung Richtung Norden in der Tasche: Das Land hatte vor knapp zwei Jahren 5,8 Millionen Euro an Fördergeldern in Aussicht gestellt und damit das Projekt überhaupt erst ermöglicht, das damals auf zehn Millionen Euro geschätzt wurde. Die Wasserbehörde – die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd – hatte grünes Licht für den geplanten Bau der Hauptleitung gegeben. Und das Verwaltungsgericht in Neustadt hat zuletzt die Klage der Gemeinden Bobenheim-Roxheim, Beindersheim und Großniedesheim, die den Ausbau verhindern wollten, als nicht zulässig abgewiesen. Die Gemeinden sorgen sich, dass mit dem Abschalten der bisher genutzten Brunnen das Grundwasser um 25 Zentimeter steigen und davon Häuser in den umliegenden Dörfern betroffen sein könnten. Der Prozess hat nach Aussage des Beregnungsverbands so viel Zeit gekostet, dass er das ganze Projekt ins Stocken gebracht habe. „Unser Tatendrang ist gebremst“, sagte der Vorsteher Wolfgang Renner auf die Frage, wie es um den Ausbau steht. Denn in der Zwischenzeit hätten sich die Kosten um 30 bis 40 Prozent erhöht, und auch die bereits zugesagten Fördergelder seien an Fristen gebunden, die nun kaum mehr eingehalten werden könnten. Deshalb müsse hier wohl erst nachverhandelt werden. Bis zum Ende des Jahres 2019 müsse alles abgerechnet werden, damit die Zusage nicht verfällt, erläuterte Renner. „Das müssen wir jetzt erst einmal klären.“ Wie mehrfach berichtet, bewässert der Verband derzeit den südlichen und mittleren Rhein-Pfalz-Kreis mit Wasser aus dem Otterstadter Altrhein. Die Landwirte im Norden rund um Frankenthal sind bereits seit langem Mitglied, zählten aber bisher zum „trockenen Verband“. Geplant ist, die zentrale Bewässerung auch auf ihre Felder, eine rund 750 Hektar große Fläche nördlich der A 6 zwischen Beindersheim, Großniedesheim, Kleinniedesheim und Bobenheim-Roxheim auszuweiten. Dafür müssten ein Zwischenspeicher in Hochdorf-Assenheim umgerüstet und das Leitungsnetz ausgeweitet werden. Die Landwirte benötigen die Bewässerung, weil sie in dem Wasserschutzgebiet nur bedingt das Grundwasser nutzen dürfen. Wenn sie dank der zentralen Beregnung ihre 250 Brunnen einstellen können, wird der Grundwasserpegel steigen und sich auf ein natürlicheres Niveau einpendeln. Gutachter gehen stellenweise von 25 Zentimetern aus, allerdings nur an wenigen Ortsrandlagen oder im Ackerland. Da viele Häuser während einer längeren Trockenperiode in den 1970er Jahren gebaut wurden, könnten einige Keller von einem Anstieg betroffen sein – das befürchten Kritiker des Projekts.