Rhein-Pfalz Kreis Auto fahren wie die Dietrich

Ein Alvis Speed von 1938, der im Krieg zum Pick-up umgebaut worden war, ein einst bei amerikanischen Vertretern beliebtes Chevrolet-Coupé aus den 1940er-Jahren, ein Aston Martin DB5, wie ihn James Bond in „Goldfinger“ fuhr – es ist kein sehr großes, aber ein feines Teilnehmerfeld, das sich am Sonntag bei der zwölften Altrhein Classics des Motorsport- und Touristik-Clubs (MTC) Bobenheim vom Roxheimer Gondelfestplatz aus auf eine Rundfahrt durch Rheinhessen macht.
Als erstes Auto rollt ein Auburn 851 Supercharged Dual Phaeton von 1938 an das Starttor. Der dunkle Klang des 4,6 Liter großen Achtzylindermotors ist schon im Leerlauf beeindruckend. Der in Europa sehr seltene Wagen des Wormser Autohändlers Gräf Classic Cars habe Ende August beim Concours d’Elegance im Schwetzinger Schlosspark den ersten Platz in der Kategorie US-Fahrzeuge belegt, erläutert Bernd Vetter vom MTC, der die Startprozedur moderiert und jedes Fahrzeug vorstellt. „150 PS sind für die damalige Zeit eine beachtliche Leistung“, betont er. Kein Wunder, dass viele Hollywoodstars in den 1930er-Jahren Auburn fuhren. Auch Marlene Dietrich hatte einen. Nicht weniger Eindruck hinterlässt bei den Zuschauern der Alvis Speed 25 Spezial des Heppenheimers Michael Pielorz. Der 1938 in England gebaute Roadster hat eine bewegte Geschichte hinter sich: „Im Krieg wurde das Fahrzeug zum Pick-up umgebaut“, berichtet Vetter. Liebevoll restauriert und in den Originalzustand zurückversetzt, hat Pielorz den grünen Briten gekauft. Er bewegt ihn regelmäßig auf Oldtimer-Ausfahrten. „Alte Autos müssen gefahren werden, längere Standzeiten sind Gift für jede Mechanik“, wischt der Besitzer Bedenken der Umstehenden beiseite, diesen automobilen Schatz den Gefahren des Straßenverkehrs auszusetzen. Auch Pielorz’ Wagen ist mit 100 PS flott motorisiert, genauso wie ein Chevrolet aus dem Jahr 1940, der es sogar auf 200 Pferdestärken bringt. Aber die müsse man auf der rund 130 Kilometer langen Rundfahrt durch den Wonnegau und Rheinhessen gar nicht abrufen. Moderator Vetter empfiehlt dem Fahrer, es ruhig angehen zu lassen. Auch zu dem blauen Chevrolet hat Vetter eine Anekdote: Wie der Name Business Coupé verrät, hatte der Autobauer aus Detroit mit dem schnellen, zweitürigen Wagen die amerikanischen Handelsvertreter im Blick. Rücksitze gab es keine, dafür eine Liegefläche und einen Vorhang, den man zum Schlafen zuziehen konnte. Die Beine ruhten dabei im Kofferraum. Neben weiteren Preziosen wie Mercedes 170 V (1936), BMW 326 (1939), Ferrari Dino (1974) oder Lotus Super Seven (1973) waren auch viele Autos am Start, die einst in den 1960er- und 1970er-Jahren die Straßen bevölkerten. Seinerzeit hätte sich wahrscheinlich kaum ein Passant nach ihnen umgedreht, im Alter von 40 bis 50 Jahren versprühen aber auch Opel Rekord, Ford Taunus und Fiat 1500 ihren chromglänzenden Charme. Es sind Details wie Armaturenbretter aus Holz, die ihren Namen noch verdienen, Knöpfe, Griffe und Lenkräder aus elfenbeinfarbenem Bakelit, die heutigen, an steingraue Innenräume gewöhnten Autofahrern gute Laune bereiten. Aber nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei den Fahrern und Beifahrern soll am Sonntag der Spaß im Vordergrund stehen, wie Bernd Vetter verdeutlicht. Deshalb habe der MTC das Konzept der Ausfahrt geändert. Auf Aufgaben und Prüfungen wird erstmals verzichtet. Auf dem Programm stehen eine Weinprobe in Nierstein, ein Drei-Gänge-Menü zur Mittagszeit und ein Empfang auf dem Rückweg in Lampertheim. Während der Ausfahrt füllt sich der Gondelfestplatz ein zweites Mal mit altem Blech. Autoliebhaber, die keine Rallye bestreiten wollen, treffen sich zu Benzingesprächen und gegenseitiger Hilfe bei technischen Fragen.