Rhein-Pfalz Kreis „Auch eine psychische Belastung“
«Neuhofen/Bobenheim-Roxheim.» Es ist ein harter Sommer für die DLRG-Ortsgruppe Neuhofen gewesen, die bei Badeunfällen an den Seen in der Region – wie etwa dem Silbersee – meist mit zum Einsatz kommt. Laut dem Vorsitzenden Holger Singpiel rückten seine Mitglieder doppelt so oft wie im Vorjahr aus. „Belastend“, sagt der 48-Jährige, „irgendwann sitzt man daheim und wartet, dass der Piepser wieder losgeht.“ Zwei Todesfälle gab es allein in Bobenheim-Roxheim, fünf weitere in Neuhofen und Böhl-Iggelheim.
Wir sind froh, wenn die Einsatzdichte zurückgeht. So ein Jahr wie dieses mit so vielen Einsätzen hatten wir noch nicht. Darunter viele Taucheinsätze und Vermisstensuchen. Zum Schluss sind die Jungs und Mädels auf dem Zahnfleisch gegangen. Das muss man ganz klar sagen. Bei einer Leichenbergung ist es ja nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Belastung. Die Aktiven sind an ihre Grenzen gestoßen. Wie gehen Ihre Einsatzkräfte mit dieser Belastung um? Wir haben das Angebot der Nachgespräche mit externen Kräften von der Psychosozialen Notfallversorgung der Stadt Ludwigshafen. Wir bieten es den Leuten an und zwingen es niemandem auf. Wir beobachten unsere Aktiven, weil sie sich in der Regel nicht selbst melden. Sobald sich ihr Verhalten ändert, sprechen wir sie darauf an. In diesem Jahr hat sich eine Kollegin gemeldet, die selbst bemerkte, dass sie sich anders verhält. Verhaltensänderungen können von vollkommener Verschlossenheit und Rückzug bis hin zu Aggressionen reichen. Es kann völlig harmlos wirken und trotzdem drastisch sein. Gab es für Sie auch Einsätze mit positivem Ausgang? Wir hatten einen gebrochenen Arm an der Schlicht, da konnten wir helfen. Grundsätzlich suchen wir ja nicht nur Vermisste, sondern leisten auch Erste Hilfe. Es sind sehr viele positive Aspekte, die den schlimmen Ereignissen gegenüber stehen. Wie wichtig sind erfolgreiche Rettungen oder kleine Hilfeleistungen für die Moral in der Truppe? Zum einen ist es wichtig, den Dank dafür zu bekommen, dass man sich eingesetzt hat – auch wenn es leider nicht zur Rettung gereicht hat. Aber es ist genauso wichtig, ein positives Feedback von den Badegästen zu bekommen, wenn wir einfach nur vor Ort sind und bei einem Wespenstich helfen. Allein unsere Anwesenheit gibt den Menschen am See Sicherheit. Wie bringt man den Einsatzkräften bei, dass auch eine Leichenbergung ein erfolgreicher Einsatz war? Wie schwierig das ist, lernen die Aktiven schon bei der Ausbildung. Sie wissen, was das Ziel ist. Und das ist bei einer Suche erst einmal, die vermisste Person zu finden. Das Wiederbeleben ist Aufgabe des Rettungsdienstes. Unser Ziel ist dann für diesen Moment erreicht. Welche Lehren zieht die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft aus diesem Sommer? Wir haben erkannt, dass wir personell gut aufgestellt sind. Grundsätzlich gab es keinen Einsatz, bei dem wir sagen, dass es daneben gegangen ist. Die Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen DLRG-Ortsgruppen, das lief alles gut. Auf der anderen Seite geht es um die Prophylaxe und Schwimmausbildung. Da gibt es noch viel zu tun. Die Nichtschwimmerquote muss so gering wie möglich sein.