Rhein-Pfalz Kreis Asyl-Gipfel in der Kulturhalle

WALDSEE. Marc Oberst war nach der Bürgerversammlung ein gefragter Mann. Eine Musiklehrerin aus Neuhofen bot an, Unterricht für Kinder zu geben. Eine Frau aus Otterstadt erkundigte sich bei ihm nach dem Befinden eines jungen Mannes, eine Dame aus Waldsee sagte: „Marc, du weißt, wir haben nix gegen die Leute...“ Marc Oberst ist 39 Jahre alt und Hotelier. In seinem Hotel wohnen 75 Menschen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, um in Deutschland Asyl zu bekommen. Die Unterbringung in dem Waldseer Hotel war eines der Themen, das die Menschen auf der Bürgerversammlung in Waldsee beschäftigt hat. „Wir sind auf das Hotel Oberst angewiesen“, stellte Heribert Werner, Leiter des Sozialamts bei der Kreisverwaltung, klar. Es gebe einfach nicht genügend Wohnraum für Flüchtlinge: „Wir wollen die Leute nicht in Turnhallen unterbringen. Sie sind im ,Oberst’ gut unter. Der Besitzer kümmert sich sehr um die Leute“, betonte Werner, wofür er Applaus bekam. Er verwies auf die Frage, ob es stimme, dass Oberst 90.000 Euro im Monat für die Unterbringung der Flüchtlinge bekomme, auf den Datenschutz. Hotelier Marc Oberst sagte gestern gegenüber der RHEINPFALZ, die Zahl komme ungefähr so hin. Dabei müsse man aber Folgendes sehen: Das Hotel werde nach dem Aufenthalt der Asylbewerber nicht mehr so aussehen wie vorher, und er müsse dafür auch Rückstellungen, etwa für Renovierungen, bilden. Zudem sei es so, dass ihm Einnahmen aus dem Restaurantbetrieb verloren gingen, da ja auch weniger Gäste im Hotel übernachten (er vermietet derzeit nur noch zehn Zimmer auf dem freien Markt). Außerdem müsse er Steuern und Personal zahlen, das sich beispielsweise um die Reinigung kümmert. Die Asylbewerber sind in Ein- bis Dreibettzimmern untergebracht, eine Familie im Vierbettzimmer. Sie versorgen sich selbst, es gibt Küchen mit Öfen und Spülbecken auf den Stockwerken, sagt Oberst. Ein Nachbar des Hotel Oberst sprach die „unerträgliche Lärmbelastung“ an und wollte wissen, wer bei Problemen zuständig sei. Marc Oberst beschönigte das Problem nicht. Er sagte, dass auch seine Eltern, von denen er 2014 das Hotel übernommen hat, mit dem Lärm zu kämpfen hätten. Er gehe zu den Bewohnern, bitte sie beispielsweise, die Musik leiser zu machen, aber es sei eben auch nicht „die ganz normale deutsche Mentalität“, wie er sagte. Grundsätzlich könne er beide Seiten gut verstehen, sagte er zum Hotel-Nachbar, bat aber auch um Verständnis für die spielenden Kinder, über deren Lärm sich der Nachbar beklagt hatte. Oberst berichtete, er wolle einen Sozialarbeiter einstellen, suche nach einem geeigneten Kandidaten. Sozialamtsleiter Werner sagte: „Wir gucken, dass wir eine Lösung finden für die Kinder.“ Verbandsbeigeordneter Wolfgang Kühn bat darum, bei der Verbandsgemeindeverwaltung anzurufen, wenn es derartige Probleme gebe, zur Not am Morgen danach. Polizisten waren bei der Veranstaltung und auch danach in Waldsee. Denn im Vorfeld hatte es Hinweise gegeben, dass Rechtsextreme auf der Veranstaltung auftauchen könnten. Eine vom Bundesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei hatte am Mittwoch in Waldsee zudem Flugzettel verteilt. Einer der Männer meldete sich in der Kulturhalle zu Wort und sagte: „Es brauchen hier gar nicht so eine Menge rüberzukommen.“ Dafür wurde er von der Mehrheit der Zuschauer – viele von ihnen ehrenamtlich Engagierte – ausgebuht und mit Nein-Rufen bedacht. Verbandsbeigeordneter Kühn verwies darauf, dass es sich bei der Aussage um ein politisches Statement handle. Schon zu Beginn der Versammlung hatte er klargemacht, dass offen über die Dinge, die es vor Ort gibt, geredet werden soll, jedoch nicht darüber, ob die Asylpolitik des Bundes gut oder schlecht ist. (snr)