Rhein-Pfalz Kreis „Als Bürgermeister hat jedes Wort mehr Gewicht“

Die war relativ lang, etwa ein Jahr. Bis ich alle Personen und Vorgänge kannte – das hat gedauert. Ich hatte vorher mit der Verwaltung nichts zu tun. Ich war ein Jahr Beigeordneter der Ortsgemeinde Dannstadt-Schauernheim. Da brauchte ich einfach Zeit, um mir einen Überblick zu verschaffen. Sie haben nach der gewonnenen Stichwahl gesagt, dass Sie sich auf den Job freuen. Gehen Sie immer noch mit Freude ins Büro? Ja, total. Sogar mit mehr Freude als am Anfang. Zu Beginn war die Spannung größer. Heute ist es für mich ein idealer Beruf. Sie haben vorher bei der Mordkommission in Ludwigshafen gearbeitet. Hand aufs Herz: Wo geht’s härter zu? Dort oder in der Kommunalpolitik? (lacht) Auf jeden Fall in der Kommunalpolitik. Warum? Vielleicht liegt’s daran, dass man sich mit der Zeit an härtere Vorkommnisse gewöhnt. Ich war 27 Jahre lang als Polizist tätig. Leid, schlimme Dinge – da tritt irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein. Hier menschelt es an allen Ecken. Man wird konfrontiert mit persönlichen Befindlichkeiten. Der Anspruch, dem man hier genügen muss, wenn man so eine große Gemeinde abdeckt, ist immens. Haben Sie irgendwas unterschätzt? Das politische Kalkül. Am Anfang zumindest. Da habe ich aber schnell aufgeholt. Wie sehr kommt man in die Versuchung, es jedem recht machen zu wollen? Das ist gar nicht mein Anspruch. Man braucht Mut, um es nicht jedem recht machen zu wollen. Ich bin Bürgermeister für alle Bürger. Und als solcher kann ich es nicht jedem recht machen, aber ich versuche immer, den größtmöglichen Nenner zu finden. Zum Einstieg in die Politik haben Sie die Gestaltungsmöglichkeiten gereizt. Wo konnten Sie schon gestalten? Ein interessantes Thema war die Transformation des Verbandsgemeindestromwerks in eine GmbH. Das war ein spannender Prozess, der uns über zwei Jahre beschäftigt hat. Auch der Erhalt der Grundschule Schauernheim hat Kraft gekostet, aber es hat sich gelohnt. Sie haben mal gesagt, dass Ihnen die Arbeit als Polizist nie schlaflose Nächte bereitet hat. Und die als Verbandsbürgermeister? Als es um die Transformation unseres E-Werks ging, habe ich das eine oder andere Mal schlechter geschlafen. In der Regel gelingt es mir aber, die Dinge hier im Büro zu lassen und unbeschwert nach Hause zu gehen. Ich kann nicht für alle Probleme zufriedenstellende Lösungen finden. Wie schalten Sie ab? Ich mache gerne Sport, gehe singen. Sport ist aber die Hauptsache: Fitnessstudio, laufen. Und ich gehe gerne Fliegenfischen. Ich schreibe auch gerne. Heißt: Wenn Sie in vier Jahren nicht wiedergewählt werden, kommen Sie zu uns als Freier Mitarbeiter? (lacht) Ja, das wär’s. Da könnte ich mal drüber nachdenken. Können Sie noch entspannt zum Bäcker gehen? Das geht noch, wird aber zunehmend schwieriger. Warum? Man trifft Menschen. Und die unterscheiden natürlich nicht, ob ich privat oder dienstlich unterwegs bin. Man ist verantwortlich – zumindest für die Probleme vor Ort. Aber wenn ich wirklich meine Ruhe haben will, muss ich zu Hause bleiben oder außerhalb einkaufen. Deshalb haben wir Sie beim Einkaufen in Mutterstadt erwischt? Nach Mutterstadt darf ich. Da bin ich geboren. Meine Eltern leben da. Wie sieht Ihre persönliche Halbzeitbilanz aus? Es ist immer schlecht, wenn man sich selbst lobt. Das möchte ich auch nicht. Aber ich denke, dass in den vergangenen vier Jahren einiges passiert ist. Was wollen Sie noch verwirklichen? Ich hätte auf jeden Fall gerne bessere Breitbandanbindung für schnelles Internet in der Verbandsgemeinde. Vielen jungen Leuten reicht die Ausstattung nicht. Das Rathaus soll ansehnlicher werden. Dachsanierung und Ratssaal sind schon auf dem Weg. Besonders am Herzen liegt mir die K19, die Umgehung von Hochdorf-Assenheim Richtung Rödersheim-Gronau. Da arbeiten wir mit Hochdruck dran. Und wir müssen mehr tun für die Generation zwischen zwölf und 20. Bei Ihrem Amtsantritt vor vier Jahren haben Sie gesagt, dass Sie der Verbandsgemeinde ein unverwechselbares Profil geben wollen. Wo sieht man das heute? Konkret sieht man das noch nicht so. Das ist auch noch eins meiner Ziele. Mir war es in den ersten vier Jahren wichtig, die Pflicht abzuarbeiten. An dem Profil arbeite ich noch. Bei der Jugendpflege haben wir das geschafft, zum Beispiel mit einem eigenen Logo. Das fehlt der Verbandsgemeinde noch. Aber ich habe ja noch vier Jahre Zeit. Aber nur mit einem Logo ist es nicht getan. Stimmt. Man muss herausarbeiten, wofür man steht. Das fehlt noch. Können Sie eigentlich die Wörter „Verkehr“ und „Hauptstraße“ noch hören? Ja, schon. Mit dem Autobahnanschluss A61 sind wir ein großes Stück weitergekommen. Das wird ein Meilenstein für die Verbandsgemeinde. Das sind Themen, die gehören nun mal dazu. Da habe ich keine Berührungsängste. Hat Sie der Konflikt mit dem Verein „Bürgerwille“ belastet? Den Konflikt hatte ich ja nicht mit dem ganzen Verein, sondern nur mit zwei Akteuren. Das ist eine Geschichte, die keiner gebraucht hätte. Aber ich will den Dialog, der zwischenzeitlich mal abgebrochen ist, wiederbeleben. Ihre Aufkleberaktion für saubere Feldwege hat jüngst etwas Staub aufgewirbelt. Wie ist die Resonanz? Die örtlichen Bauern haben sich nicht gefreut. Die haben das eher als Bevormundung aufgefasst. Es war positiv und freundlich formuliert. Es sollte eine Hilfestellung sein. Wer das anders auffasst ... Die Bürger, die hier leben, haben ein Recht auf Sauberkeit. Da müssen wir die Landwirte motivieren, sich entsprechend zu verhalten. Man kann nicht einfach alles liegen lassen. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit ist die Hauptschule in der Kurpfalzschule geschlossen worden. Besteht die Chance, dass der Schulstandort irgendwann noch mal aufgewertet wird? Beispielsweise mit einer Integrierten Gesamtschule? Nein, das ist abgehakt. Es ist schade, aber die Geschichte ist gelaufen. Wie sehr wird der Supermarkt, der nicht kommt, der Verbandsgemeinde fehlen? Das merkt jetzt eigentlich kaum noch einer. Wir haben eine relativ gute Versorgung. Die Leute fahren aber viel nach Mutterstadt oder Oggersheim-West. Es könnte passieren, dass der Markt noch mal aufs Tableau kommt. Aber nicht in absehbarer Zeit. Wie hat Sie die Arbeit als Bürgermeister verändert? Ich äußere mich nicht mehr so spontan wie in der Zeit, bevor ich politisch tätig war. Ich muss meine Aussagen mehr abwägen. Jedes Wort hat mehr Gewicht. Entsprechend gehe ich damit vorsichtiger um. Das kann ich auch nicht ganz ablegen. Ich lebe in der Rolle Bürgermeister. Das weiß auch jeder. Sie sind verpflichtet, in vier Jahren wieder anzutreten. Aber Sie haben auch Blut geleckt? Mein disziplinarischer Vorgesetzter ist der Landrat. Und ansonsten habe ich 13.500 Chefs. Dem Anspruch versuche ich zu genügen. Aber ich kann im Wesentlichen meinen Tagesablauf selbst gestalten. Das ist eine schöne Sache. Aber das geht einher mit Verantwortung. Ich würde aber auch so antreten. Ich bin dann 52. Da will ich noch nicht zu Hause rumsitzen. Zum Abschluss noch drei Stichworte mit der Bitte um je eine kurze Antwort: Schauernheim-West: Eine richtig gelungene Geschichte. Zweiter Beigeordneter: War ich mal für kurze Zeit. Haubenlärche: Ein lustiger Vogel.