Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Adventskalender: Ab Totensonntag kehrt Ruhe ein

Mit einer filigranen Klöppelarbeit hat Maike Blasczyk aus Neuhofen diesen Schwibbogen verziert.
Mit einer filigranen Klöppelarbeit hat Maike Blasczyk aus Neuhofen diesen Schwibbogen verziert.

Maike Blasczyk aus Neuhofen frönt zur Weihnachtszeit einer Jahrhunderte alten Tradition aus dem Erzgebirge: Sie verziert Schwibbogen und Pyramiden mit Klöppelarbeiten.

Der Schwibbogen ist fester Bestandteil der Erzgebirgischen Volkskunst und dient vor allem der Weihnachtsdekoration. Die Liebe zum Erzgebirge und seinen Traditionen hat Maike Blasczyk von ihrem Mann Gregor, einem gebürtigen Karl-Marx-Stadter, übernommen. „Der älteste Schwibbogen ist auf das Jahr 1740 datiert und stammt aus Johanngeorgenstadt“, weiß Maike Blasczyk.

Typisch sind die sieben, neun, zehn oder zwölf weißen Kerzen auf dem Bogen. Die Anzahl und was die leuchtenden Kerzen symbolisieren sollten, änderte sich mit der Zeit fortlaufend. Gleichzeitig drückten sie die Sehnsucht der Bergleute nach Tageslicht aus, das sie in den Wintermonaten oft wochenlang nicht zu sehen bekamen. Das Halbrund des Bogens ist der Einfahrt in den Bergstollen nachempfunden.

Klöppeln erfordert Sorgfalt und Geduld

Die Figuren innerhalb des Bogens stellen auch entsprechend einen Bergmann, eine Klöpplerin oder einen Holzschnitzer – die traditionellen Handwerke des Erzgebirges – sowie einen Engel dar. „Klöppeln war seit dem 16. Jahrhundert das Zubrot der Frauen“, erklärt Maike Blasczyk. „Sie fertigten im Akkord dekorative, aber strapazierfähige Saumkanten für Kleidungsstücke an, und auch die Festtracht der Bergleute ziert ein geklöppeltes Revers.“

Ganz so rasch geht es bei Maike Blasczyk nicht – ein Schwibbogen ist noch in Arbeit; der Weihnachtskrippe fehlen noch der Esel und die heiligen drei Könige. Denn Klöppeln erfordert Sorgfalt und Geduld. Seit Totensonntag sind die Bögen im Hause Blasczyk beleuchtet, und auch die Weihnachtspyramide dreht sich bei Einbruch der Dunkelheit im Kerzenschein.

Die Tradition will nämlich, dass ab Totensonntag beleuchtet wird und vorweihnachtliche Ruhe einkehren soll. „Da sind wir dann konsequent: Wir nehmen alle Hektik raus, fahren private Termine herunter, sitzen gemeinsam am Abendbrottisch – unter dem Jahr eine Seltenheit mit zwei Töchtern im Teenageralter – und nehmen gerne ein Buch in die Hand. Die Familie steht dann im Vordergrund“, betont Maike Blasczyk.

Die Serie

Im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es etliche Menschen, die sich künstlerisch betätigen. In unserem Adventskalender 2025 stellen sie ihre Werke vor, die aus ihrer Sicht den Geist von Weihnachten ausdrücken.

Maike Blasczyk
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