Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Absage der Kommunion- und Konfirmationsfeiern: Enttäuschung, Empörung und Verständnis

Die Kerzen bleiben erst mal aus: Erstkommunion-Gottesdienste sind wie viele Konfirmationsfeiern wegen des Coronavirus verschoben
Die Kerzen bleiben erst mal aus: Erstkommunion-Gottesdienste sind wie viele Konfirmationsfeiern wegen des Coronavirus verschoben.

Eltern planen lange das Fest, Kinder werden in Gruppen darauf vorbereitet – und dann macht ein Virus alles zunichte. Rund um Ostern feiern hunderte Kinder und Jugendliche normalerweise Erstkommunion und Konfirmation. Wegen der Corona-Krise werden die Feiern verschoben. Wie haben die Betroffenen reagiert und wie geht es nun weiter?

Die 81 Kinder in der katholischen Pfarrei Heilige Hildegard, zu der die sechs Pfarrgemeinden in Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg gehören, hätten eigentlich ab 19. April – dem Weißen Sonntag – ihre Kommunionkleider und Anzüge aus den Schränken geholt, sich schick gemacht und wären zum Gottesdienst gegangen, um erstmals die Kommunion zu empfangen. Als das Bistum wegen der Corona-Pandemie auch die Erstkommunion-Gottesdienste absagte, hätten die Eltern sehr verständnisvoll regiert, viele hatten damit schon gerechnet. „Einige Familien waren sogar etwas erleichtert, da schon Gäste abgesagt hatten wegen der strengen Vorschriften, und auch Lokale hatten schon abgesagt“, sagt Pastoralreferentin Sabine Alschner. Allerdings seien die Kinder, die sich schon sehr auf den Tag gefreut hatten, enttäuscht gewesen. Da sie aber eben mit allen feiern wollten, die ihnen wichtig seien, bleibe nur ein anderer Termin. Das hätten die Kinder auch akzeptiert, sagt sie.

Pakete für zu Hause

Laut Pfarrer Josef Metzinger steht derzeit noch nicht fest, wann die Erstkommunion nachgeholt wird. „Es ist vernünftig und fürsorglich erst dann zu planen, wenn von staatlicher Seite entwarnt wurde“, sagt er. Denn wenn bereits jetzt ein Termin angeboten würde, wollten die Eltern auch Festorte mieten. „Wir wissen nicht, ob sich überhaupt eine Location zur Zeit bereit erklärt, sich buchen zu lassen, und dann besteht ja auch die Gefahr, dass eine Location gebucht ist und dann ist die Pandemie vielleicht immer noch nicht vorbei“, erklärt er. Laut Pastoralreferentin Alschner gibt es auch Eltern die bereits gesagt haben, dass dann eben im nächsten Jahr zwei Jahrgänge zusammen feiern, wenn es gar nicht anders ginge.

Pfarrer Metzinger zufolge soll die reguläre Erstkommunion-Vorbereitung ab dem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden, an dem man sich wieder treffen darf. Inwieweit die Vorbereitung aus zeitlichen oder terminlichen Gründen modifiziert werde, müsse man dann sehen. Als das Kontaktverbot verhängt wurde, stellten Pastoralreferentin Alschner und Pastoralassistent Michael Gutting Kreativpakete zusammen, mit denen die Kinder zu Hause an den Themen zur Erstkommunion spielerisch weiterarbeiten können.

In der Pfarrei Heiliger Christophorus mit ihren fünf Pfarrgemeinden in der Verbandsgemeinde Rheinauen und Limburgerhof haben sich 77 Kinder auf ihre Erstkommunion vorbereitet. Laut Pastoralreferentin Doris Heiner war die Vorbereitung fast abgeschlossen, als die Corona-Pandemie begann. Heiner zufolge sendet die Pfarrei den Kommunionkindern sowie den Kindern aus den katholischen Kitas und den Kindergottesdiensten für die Heilige Woche Vorlagen für gottesdienstliche Feiern zu, die sie zu Hause mit ihren Eltern begehen können. Die Vorlagen sind auch auf der Internetseite der Pfarrei zu finden.

Die Pastoralreferentin sagt, dass die Eltern die Nachricht über den Ausfall der Erstkommunionfeiern mit großem Verständnis aufgenommen hätten, „da wir ja alle durch die äußeren Umstände dazu gezwungen waren“. Ein neuer Termin könne erst festgelegt werden, wenn klar ist, dass wieder Gottesdienste mit der Gemeinde in den Kirchen gefeiert werden und sich die Menschen wieder besuchen und miteinander feiern dürfen. „Wir hoffen, dass dies in diesem Jahr noch möglich sein wird“, sagt Heiner.

Ebenfalls noch keinen Nachhol-Termin hat die katholische Germersheimer Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini, zu der die Pfarrgemeinden in Lingenfeld und Schwegenheim gehören. 58 Familien sind betroffen. „Es gab unterschiedliche Reaktionen, von Verständnis bis hin zu Empörung“, sagt Marie-Christin Mayer vom Pastoralteam. Die Verantwortlichen wollen abwarten. „Wir wollen den Familien jetzt keinen Termin nennen, der dann wieder verschoben werden müsste“, ergänzt Pastoralreferentin Irina Manck.

Gemeinden planen mit Termin

Auch die Konfirmation wird um Ostern gefeiert. Im evangelischen Kirchenbezirk Speyer gibt es dieses Jahr laut Dekan Markus Jäckle insgesamt 305 Konfirmanden. Im evangelischen Kirchenbezirk Germersheim sind es ebenfalls rund 300. Abgesehen von Bellheim und Maximiliansau, die mit Pfingsten den spätesten Termin haben und abwarten, sollen alle Feiern voraussichtlich im Spätjahr nachgeholt werden, berichtet Dekan Claus Müller. Theologisch gehe den Konfirmanden nichts verloren, wenn sie zu einem anderen Zeitpunkt feiern. Das Abendmahl, zu dem Protestanten schon mit der Taufe zugelassen seien, spiele in der Vorbereitung eine große Rolle, sei aber nicht so stark auf die Konfirmation fokussiert. Die Verschiebung sei – „auch wenn das für alle Beteiligten blöd ist“ – die beste Lösung, sagt Müller.

Im evangelischen Kirchenbezirk Speyer visieren laut Dekan Jäckle ebenfalls die meisten Gemeinden den Zeitraum Spätsommer beziehungsweise Herbst an. Einzig die Pfarrgemeinde Waldsee-Otterstadt habe bereits einen Termin im Juni festgelegt, allerdings unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung, so Jäckle.

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