Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Jahre Partnerschaft: „Kontakt halten statt Grenzen schließen“

Freudig begrüßt: Französische Gäste in Berghausen 2008. Dem Partnerschaftsverein gehören auf deutscher Seite derzeit gut 200 Mit
Freudig begrüßt: Französische Gäste in Berghausen 2008. Dem Partnerschaftsverein gehören auf deutscher Seite derzeit gut 200 Mitglieder an.

Seit 50 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen Römerberg in der Pfalz und Mainvilliers im Herzen Frankreichs. Am Wochenende wird sie gefeiert. Timo Leszinski hat mit Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann, der auch Vorsitzender des Partnerschaftsvereins ist, über die Geschichte der Verbindung, ihre heutige Bedeutung und über ausbaufähige Französischkenntnisse gesprochen.

Herr Hoffmann, wie ist es um Ihr Französisch bestellt? Werden Sie an Pfingsten mit den französischen Gästen in deren Muttersprache parlieren oder wie läuft die Kommunikation bei den Besuchen normalerweise ab?
Leider habe ich in der Schule die französische Sprache nicht gelernt, was ich nun natürlich sehr bedauere. Ich hatte schon zwei Stufen der VHS-Kurse belegt, aber ohne regelmäßige Praxis kommt man so nicht weiter. Zum Glück spricht unser Gast, die Bürgermeisterin Michele Bontoux, auch Englisch. Das Übersetzungsprogramm auf dem iPad hilft auch – oder wenn nichts mehr geht: „Händ und Fies“.

Haben Sie das Gefühl, dass die Partnerschaft bei den Römerbergern noch eine große Rolle spielt?
Sicher nicht mehr so eine große Rolle wie bei Gründung der Partnerschaft 1974. In Zeiten von offenen Grenzen, Urlaubsreisen in ferne Länder, da ist der Ausflug zum Nachbarn nicht mehr so aufregend. Aber in Zeiten, in denen ein Teil der Gesellschaft ein Zurück zu geschlossenen Grenzen fordert, ist es wichtig den Kontakt zu seinen Nachbarn zu halten und dieser Art von Nationalismus entgegenzuwirken.

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Wie ist die Lage beim Partnerschaftsverein? Wie haben sich die Mitgliederzahlen entwickelt und welche Aktivitäten gibt es noch?
Die Mitgliederzahl ist stabil bei etwas mehr als 200 Personen. Dem hohen Alter geschuldet, gehen im Laufe eines Jahres einige Mitglieder von uns. Da wir aber von Beginn der Partnerschaft an jährlich im Wechsel mit unseren Freunden in Mainvilliers eine Jugendfreizeit organisieren, treten so in der Regel ganze Familien in den Verein ein. Neben dem alle zwei Jahre stattfindenden Pfingsttreffen und der jährlichen Jugendfreizeit, bietet der Verein jährlich noch einen Busausflug, ein Bouleturnier und einen unterhaltsamen Weinabend an. Ein deutsch-französischer Bierabend ist auch in Planung.

Wie kann man es schaffen, die Bedeutung einer solchen Partnerschaft wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken?
Das ist heute nicht leicht. Man kann zwar alle Informationskanäle bespielen, aber am Ende benötigt es ein Interesse an Gruppenerlebnissen. Das ist aber in unserer Gesellschaft rückläufig. Das spüren auch andere Vereine. Viele suchen heute Freizeiterlebnisse, bei denen man keine gefühlte Verpflichtung eingehen muss und bei denen man aus der Tageslaune heraus entscheiden kann, ob man sich beteiligt. Um dem entgegenzuwirken, versuchen wir auf beiden Seiten Vereine oder Interessengruppen zusammenzubringen. Das habe ich selbst über viele Jahre mit der Boule-Gruppe erlebt.

Typisch französisch: Der Partnerschaftsverein hat in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder Bouleturniere organisiert.
Typisch französisch: Der Partnerschaftsverein hat in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder Bouleturniere organisiert.

Kleiner Rückblick: Wie kam die Partnerschaft vor 50 Jahren zustande?
Das weiß ich leider nicht ganz genau, aber der Bürgermeister von Römerberg, Kurt Hinderberger, orientierte sich bei der Suche einer Partnergemeinde an der Partnerschaft zwischen Speyer und Chartres. Mainvilliers ist nur durch die Bahnlinie von Chartres getrennt. Vielleicht rechnete er noch mit einer Eingemeindung von Römerberg durch Speyer, und so würde man den Partner nicht verlieren.

Auch wenn Sie nicht alles selbst miterlebt haben: Was waren Höhepunkte in der gemeinsamen 50-jährigen Geschichte von Römerberg und Mainvilliers?
Sicher waren dies neben den Freundschaften, die zwischen ganzen Familien entstanden sind, für die Beteiligten die Hochzeiten zwischen Männern und Frauen aus beiden Partnergemeinden. Aber auch die Pfingsttreffen mit ihrem stets schönen Programm und die Begegnungen zwischen Vereinen beider Dörfer waren für alle herausragende Ereignisse, von denen man noch gerne erzählt.

Vor der Abfahrt: Römerberger, die im 27. Jahr der Partnerschaft nach Mainvilliers radelten.
Vor der Abfahrt: Römerberger, die im 27. Jahr der Partnerschaft nach Mainvilliers radelten.
Besuch mit dem Rad: Römerberger 2014 in Mainvilliers.
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