VG Römerberg-Dudenhofen
45 Jahre bei der Feuerwehr: „Man muss immer mit allem rechnen“
Werner Huber kam mit 13 Jahren zur Jugendfeuerwehr. „Ein Großteil der Bekannten war dort“, sagt der Mechtersheimer, der sich schon immer für Technik interessiert hat. Dieser Aspekt und die Kameradschaft sind das, was dem 58-Jährigen von Beginn an Spaß im Feuerwehralltag gemacht hat. Huber wird in jungen Jahren bereits Führungsverantwortung zugetraut. Als er 23 Jahre alt ist, scheidet der damalige Römerberger Wehrleiter Erich Butz aus Altersgründen aus dem Amt aus. Zum Nachfolger wird Erich Burger gewählt, Huber wird dessen Stellvertreter. „Ich bin in die Sache reingerutscht“, sagt der Mechtersheimer. Erforderliche Lehrgänge, um das Amt adäquat ausüben zu können, musste er zügig nachholen.
Heute kann der ausgebildete Hauptbrandmeister auf 45 Jahre bei der Feuerwehr und 35 Jahre in einer Führungsposition zurückblicken. „Ich hatte immer die Unterstützung der Mannschaft, der Zusammenhalt ist schön“, freut sich Huber. Er war stellvertretender Wehrleiter und ab 1991 Wehrleiter der damals noch eigenständigen Gemeinde Römerberg. Seit der Fusion mit der Verbandsgemeinde Dudenhofen 2014 führt Huber die Römerberger Wehreinheit an. Sie zählt heute 55 Aktive und 20 Jugendfeuerwehrler. Zudem ist Huber stellvertretender Wehrleiter auf Verbandsgemeinde-Ebene. Auch auf Kreisebene hatte er Führungsverantwortung.
Gute Ausbildung das A und O
Dem 58-Jährigen ist und war immer wichtig, dass die Mannschaft gut ausgebildet ist. Er hat unzählige Stunden damit verbracht, Ausbildungsmaterial vorzubereiten, um „den Jungs und Mädels etwas zu bieten und beizubringen“. „Denn die beste Ausrüstung funktioniert nicht, wenn man sie nicht bedienen kann“, sagt der Ehrenamtler. Das bedeutet auch, immer auf dem Laufenden sein zu müssen. Denn die Ausrüstung der Feuerwehr wandelt sich ständig. Das hat der hauptberufliche BASF-Mitarbeiter hautnah miterlebt. „Wir haben erst 1977 eine Rettungsschere bekommen, obwohl wir als B9-Anlieger zu vielen schweren Unfällen ausrücken mussten“, erinnert sich Huber. Die Kameraden mussten sich damals noch mit einem Brecheisen zu helfen wissen, um verunfallte Fahrzeuge zu öffnen. Heute sind die einzelnen Feuerwehrfahrzeuge umfangreich ausgestattet. „Der Digitalfunk war ein Quantensprung“, sagt Huber, der sich nicht zu stolz ist, bei Kameraden nachzufragen, wenn er etwas nicht gleich versteht „Wir haben für alles Spezialisten, man kann nicht alles wissen und machen“, sagt der 58-Jährige.
Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Huber, dass der angedachte Feuerwehrgerätehausneubau in Mechtersheim vorankommt. Das alte Gebäude im Ortskern „platzt aus allen Nähten“ und entspricht nicht mehr den Vorgaben.
Häufiger ausrücken als früher
Werner Huber, der von sich selbst sagt, dass „Helfen sein Ding ist“ kann von einigen brenzligen Situationen in seiner Feuerwehrkarriere berichten. Mit dem Rhein und der B9 in der Nachbarschaft werde den Feuerwehrleuten das ganze Einsatzspektrum geboten – von Bränden über Gefahrguteinsätze, Unfälle auf Straßen, Schienen und im Wasser bis hin zum Hochwasserschutz und kuriosen Tierrettungen. Die Anzahl der Einsätze habe sich im Laufe der Jahrzehnte gesteigert. 1991 hatte die Römerberger Wehr noch 50 Einsätze pro Jahr, heute sind es durchschnittlich 130. „Die technischen Hilfeleistungen haben enorm zugenommen, Wasserschäden, Türöffnungen, das ganze Spektrum“, beschreibt Huber, der bemerkt, dass manche Bürger in einfachen Situationen oft sehr hilflos seien.
Einsatz, den er nie vergisst
Einsätze mit Kindern gehen ihm besonders nahe, weil der 58-Jährige selbst Vater von zwei Kindern ist und vier Enkelkinder hat. Nach Unglücken mit Toten – auf der B9 kam es immer wieder zu Unfällen mit Geisterfahrern – sprach die Mannschaft miteinander. „So habe ich das verarbeiten können“, sagt Huber.
Ein Einsatz lässt ihn aber nicht mehr los. „Ich bekomme immer noch ein komisches Kribbeln, wenn ich darüber erzähle“, sagt der 58-Jährige. Er berichtet, wie die Römerberger Wehr im September 2013 als Nachbarschaftshilfe zu einem Lkw-Brand nach Harthausen gerufen wurde: „Ich saß schon als Gruppenführer im Löschfahrzeug, als wir über Funk mitgeteilt bekamen, dass es etwas Größeres ist. Ich bin ins Führungsfahrzeug umgestiegen, ein anderer Kamerad hat meinen Platz als Gruppenführer eingenommen und ist vorausgefahren. Mein Sohn war auch im Angriffstrupp“, erinnert sich Huber. Als er selbst den Ortseingang von Harthausen erreichte, explodierten Gastanks auf einem Firmengelände. Huber berichtet von einem Feuerball und einer Druckwelle. „Es war Totenstille im Funk.“ Er habe seinen Sohn, der bereits an der Unfallstelle war, mehrmals angefunkt. Das Fahrzeug meldete sich schließlich. „Aber der Gruppenführer, der meinen Platz eingenommen hatte, fehlte. Ihn hatte es erwischt, er wurde verletzt. Darüber habe ich extrem nachgedacht“, schildert Huber seine Gefühlslage. Seinem Kameraden geht es heute wieder gut.
Wenn der passionierte Feuerwehrmann auf seine Laufbahn zurückblickt, habe er viele handwerkliche Sachen und den Umgang mit Menschen gelernt. Dabei habe ihm immer geholfen, den Kontakt mit der Mannschaft zu halten, „nicht den Krösus raushängen zu lassen“ und andere Meinungen zu akzeptieren. Bis 2024 möchte Werner Huber seine Ämter noch ausüben. „Dann werde ich keine führende Funktion mehr übernehmen, sondern nur noch Teil der Feuerwehr sein, solange es meine Gesundheit zulässt“, sagt der 58-Jährige.
Dem Nachwuchs möchte er mitgeben: „Immer aufmerksam sein, sich engagieren, lernen und nichts auf die leichte Schulter nehmen, denn man muss immer mit allem rechnen.“
Verpflichtet und geehrt
Die drei Feuerwehreinheiten der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen haben zuletzt bei einem Ehrungsabend langjährige Kameraden ausgezeichnet und junge zum aktiven Dienst verpflichtet:
- Neuverpflichtungen: Kai Albers (Dudenhofen), Luka Amourette, Noel Backhaus, Lara Sophie Keßler, Frank Pierro, Marcus Täffner, Carina-Marie Zink (alle Römerberg), Marcel Klein, Luca Morgandi, Philipp Schimpf (alle Harthausen).
- Ehrungen: 25 Jahre Stefan Beller (Harthausen), Steffen Dietrich, Marc Seitzmayer (beide Dudenhofen), Michael Rosenstengel, Peter Sitzenstuhl (beide Römerberg); 35 Jahre Uwe Fey, Holger Schweigert (beide Dudenhofen), Timo Schillinger (Römerberg); 40 Jahre Peter Huber (Römerberg); 45 Jahre Werner Huber (Römerberg), Klaus Magin (Dudenhofen).