Limburgerhof
Übung der Feuerwehr: Wenn Salzsäure austritt
An der Rampe des Laborgebäudes LI 721 verlädt ein Gabelstapler Container mit Salzsäure. Einer der Container rutscht von der Hubgabel und schlägt leck. Salzsäure tritt aus, trifft den Fahrer. Die Dämpfe lassen ihn bewusstlos werden. Eine am Verladen beteiligte Kollegin gerät in Panik, irrt unter Schock umher. Ein BASF-Mitarbeiter alarmiert die Feuerwehr.
Wie Christoph Rahnke, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Limburgerhof, erklärt, ist seit Anfang des Jahres der Alarmierungsweg verändert. Bis dahin war es so, dass sofort die BASF-Werksfeuerwehr in Ludwigshafen mitalarmiert wurde und auch sofort ausrückte. Dies ist nun geändert worden. Die Werksfeuerwehr rückt nach Anforderung aus, die Feuerwehr Limburgerhof ist, wie bisher, für den ersten Angriff zuständig und verschafft sich einen Überblick über die Einsatzlage.
Eine kleine Panne gibt es am Mittwochabend: Der vom BASF-Mitarbeiter angerufene Disponent in der Leitstelle ist über die Übung nicht informiert und will sich erst vergewissern, dass tatsächlich eine Übung angesetzt ist. Das bestätigt ihm Feuerwehr-Chef Rahnke. „Der Disponent hat richtig gehandelt, denn sonst könnten ja Hinz und Kunz anrufen und behaupten, es gebe eine Übung“, erklärt Rahnke.
Dass eine Übung angesetzt ist, werde natürlich nicht vorher in der ganzen Feuerwehr angekündigt, denn die Alarmierung und das Ausrücken sollen unter realistischen Alltagsbedingungen stattfinden. Der Disponent in der Leitstelle sollte aber vorher Bescheid wissen.
Nebelmaschine sorgt für Dampf
Wenige Minuten später trifft die Feuerwehr aus Limburgerhof ein. Die (fiktive) Salzsäure läuft noch aus dem Container, eine Nebelmaschine simuliert die giftigen Dämpfe. „Salzsäure ist sehr stark ätzend, auch die Dämpfe sind sehr gefährlich“, erklärt Rahnke bei der Vorbesprechung der Übung mit Presse und Gemeindevertretern. Ein Trupp geht mit Atemschutz vor, findet den bewusstlosen Stapelfahrer und schafft ihn aus dem Gefahrenbereich.
Der Verunglückte muss möglichst schnell dekontaminiert werden. Dafür bauen Wehrleute ein Areal auf, bei dem der Boden abgedeckt ist, die Säure wird mit Wasser abgespült, das kontaminierte Wasser muss aufgefangen werden. Gullys des Abwassersystems werden wasserdicht abgedeckt, im Ernstfall kann das ganze Rohrsystem abgesperrt werden. Die giftigen Dämpfe werden mit einem Wassernebel niedergeschlagen, den eine Maschine erzeugt. Das funktioniert, weil die Säure sich sehr gut in Wasser löst.
„Tatsächlich verwenden wir Salzsäure am Standort nur in sehr geringen Mengen“, sagt Patrick Quell, der für die Arbeitssicherheit des Agrarzentrums zuständig ist. Säure werde beispielsweise gebraucht, um bei Analysen bestimmte ph-Werte in den Proben einzustellen. Inzwischen geht ein Trupp in knallroten Chemie-Vollschutz-Anzügen daran, den leck geschlagenen Container umzufüllen und weitere Container, die verladen werden sollten, zu bergen. Um die Verletzten kümmern sich Kräfte des Roten Kreuzes.
Nach einer guten Stunde geht die Übung zu Ende. Im Einsatz sind bis zum Schluss die Feuerwehr Limburgerhof mit Einsatzleitwagen, Hilfe-Löschfahrzeug, Tanklöschfahrzeug und einem Gerätewagen, der auch zum Katastrophenschutz des Rhein-Pfalz-Kreises gehört. Zusammen sind 29 Wehrleute vor Ort. Die Werksfeuerwehr ist mit acht Kräften, zwei Tanklöschfahrzeugen und dem Teleskop-Mast angerückt. Das Rote Kreuz hat drei Kräfte vor Ort.
Auf besondere Anforderungen vorbereiten
Wesentlicher Teil der Übung ist, wie jedes Mal, die Organisation in Einsatzabschnitte und die Kommunikation untereinander und übergreifend. Das vorläufige Fazit von Wehrleiter Rahnke ist positiv. Die Übung sei gut verlaufen, Details würden in der gemeinsamen Nachbesprechung erörtert.
Die Übungen im BASF Agrarzentrum finden jährlich statt. Am Standort werden biologische und chemische Pflanzenschutzmittel entwickelt und erprobt. Dafür nutzt das Agrarzentrum eine Fläche von rund 40 Hektar, darunter eine Gewächshausfläche von 1,2 Hektar (12.000 Quadratmeter).
Die Feuerwehr Limburgerhof bereitet sich in Abstimmung mit der BASF-Standortleitung auf die besonderen Anforderungen möglicher Einsatzlagen vor. Dazu gehört insbesondere der Umgang mit Gefahrstoffen. Die Feuerwehr Limburgerhof hat derzeit nach eigenen Angaben 55 aktive Wehrleute, die Alarmbereitschaft auch tagsüber sei gewährleistet, sagt Wehrleiter Rahnke.