Rhein-Pfalz Kreis Ängste der Hausbesitzer nicht ausgeräumt

Lässt das Altrheinwasser, das dieser Kohlrabi nicht aufnehmen kann, den Grundwasserspiegel ansteigen? Darum ging es in der Bürge
Lässt das Altrheinwasser, das dieser Kohlrabi nicht aufnehmen kann, den Grundwasserspiegel ansteigen? Darum ging es in der Bürgerversammlung am Montag im Sängerheim.

Bei ihnen seien im August alle Alarmglocken angegangen, sagten die Bürgermeister Michael Reith (SPD, Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim) und Michael Müller (SPD, Bobenheim-Roxheim) am Montagabend im gut gefüllten Saal des Sängerheims in Beindersheim. Damals seien sie darüber informiert worden, dass bei einer zentralen Beregnung auf einer rund 720 Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche nördlich der Autobahn 6 ein Grundwasseranstieg von bis zu 25 Zentimeter zu erwarten sei. Die beiden Politiker und auch die Bürgermeister von Großniedesheim und Beindersheim hatten deshalb im Namen ihrer Bürger und Gemeinderatsmitglieder vom vorderpfälzischen Beregnungsverband eine öffentliche Infoveranstaltung verlangt. Und sie haben Klage eingereicht gegen die Entscheidung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, den Bau einer Hauptwasserleitung von Heßheim nach Beindersheim zu genehmigen (wir berichteten). Wie das Wasser von dieser Leitung aus auf die Felder verteilt wird, steht nach Aussagen von Ralf Lippmann, dem Technischen Leiter des Beregnungsverbands, noch nicht fest. Feuchtigkeit in Wohngebäuden sei in Teilen von Beindersheim jetzt schon ein Problem, betonte Michael Reith. Zum Beispiel könne ein Teil der Grundschule nicht mehr genutzt werden. Hauseigentümer berichteten von nassen Kellern. „Eine zentrale Beregnung mit einem Grundwasseranstieg zulasten der Bürger kann es nicht geben“, forderte Reith unter Beifall vieler der rund 100 Zuhörer. Aber gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen den Grundwasserproblemen in Beindersheim und der künstlichen Bewässerung von Feldern, bei der ein Teil im Boden versickert? Die Ängste konnten Rainer Pfeifer vom Ingenieurbüro BCE und Gabriele Theobald von der SGD den anwesenden Hausbesitzern nicht nehmen. Pfeifer bestätigte den möglichen Anstieg des Grundwasserspiegels um bis zu 25 Zentimeter, gab aber zu bedenken, dass die Landwirte nicht zur bislang praktizierten Entnahme von Wasser aus Brunnen verpflichtet seien. Deshalb könne die Beregnung nur für einen Anstieg von fünf Zentimetern ursächlich sein – eine Rechnung, die den Hausbesitzern missfiel. Laut Pfeifer hat der Anstieg keinen Einfluss auf die Ortskerne von Beindersheim, Großniedesheim und Bobenheim-Roxheim, sondern nur auf Randlagen. Eine Garantie dafür wollte er aber nicht abgeben. Der Schwankungen unterworfene Grundwasserstand sei derzeit sehr hoch, so Pfeifer. Ursachen dafür gebe es viele. Die Beregnung spiele da nur eine kleine Rolle. Das Grabensystem zur Entwässerung müsse gepflegt werden, aber das sei nicht Sache des Beregnungsverbands. Gabriele Theobald sagte, es müsse in der Rheinebene den Umständen entsprechend gebaut werden. Da sei jeder Bauherr selbst verantwortlich. „Probleme müssen dort gelöst werden, wo sie entstehen.“ Dazu gehörten technische Lösungen in Baugebieten. Dem entgegnete ein Beindersheimer Bürger, der sagte, dafür abgemahnt worden zu sein, dass er damals nicht tiefer gebaut habe. Landwirte berichteten, dass in ihren Brunnen im Umfeld von Beindersheim das Grundwasser erst in zirka drei Metern Tiefe beginne, deutlich tiefer, als Bürger dies im Beindersheimer Ortskern messen. Die Sogwirkung der derzeit für die landwirtschaftliche Beregnung genutzten Brunnen sei zudem in diesem Bereich gar nicht so groß, dass sie eine Wasserabsenkung im Ortskern bewirken könnten. Die Landwirte sagten, dass ihre Abnehmer Druck ausübten. Eine gleichbleibende Qualität sei bei bestimmten Kulturen nicht ohne den Einsatz von gezielter Beregnung mit ebenfalls gleichbleibender Wasserqualität zu genau definierten Zeiten zu erreichen. Das sei mit Brunnenwasser nur schwer machbar. Wenn die zentrale Beregnung nicht komme, müssten die Landwirte auf andere Kulturen umstellen, die diese gezielte Beregnung nicht benötigten, erläuterte Dirk Gerling vom Bauernverband Rheinland-Pfalz Süd. Dann werde die Wasserentnahme aus den Brunnen zu großen Teilen entfallen. Der stellvertretende Vorsteher des Beregnungsverbands, Martin Steig, meinte: „Das Kommunalversagen der vergangenen 40 Jahre ist nicht zu unterschätzen.“ Es sei versäumt worden, die Entwässerungsanlagen zu pflegen. Die Bürgermeister müssten bei der Landesregierung Rabatz machen. „Ihr müsst auch den Kommunen aufs Dach steigen“, empfahl er den Bürgern. „Das wollen wir heute nicht vermischen. Es geht um die Beregnung“, sagte Reith mehrmals an diesem Abend. Bürgern und auch Landwirten missfiel, dass man sich auf dem Podium gegenseitig die Verantwortung zuschiebe, sie forderten Lösungen. „Das Problem ist, dass ihr nie miteinander gesprochen habt“, sagte ein Bürger in Richtung Podium. Der landespolitisch gewollte Anstieg des Grundwassers, gefördert durch Renaturierungen, die bessere Entwässerung der Frankenthaler Terrasse, punktuelle Maßnahmen gegen die Vernässung der Wohngebiete, Beregnung der Felder ... All das dürfe nicht isoliert betrachtet und entschieden werden, wurde mehrfach gefordert.

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