Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Pirmasenser Brüder zusammen in der A-Nationalmannschaft

Zwei Pirmasenser gegen die Philippinen: Kai Merk (vorne, Dritter von rechts mit der Nummer 19) und Kimi Merk (Zweiter von rechts
Zwei Pirmasenser gegen die Philippinen: Kai Merk (vorne, Dritter von rechts mit der Nummer 19) und Kimi Merk (Zweiter von rechts, Nummer 12) bei ihrem ersten gemeinsamen Spiel im A-Nationalteam von Kirgisistan.

Kai und Kimi Merk sind an Weihnachten nicht daheim in Pirmasens, sondern mit der Nationalmannschaft von Kirgisistan beim Asia-Cup-Testspiel in Dubai. Der jüngere der Brüder, die beide früher in der FKP-Jugend spielten, kann es noch nicht ganz fassen, dass er in seinem ersten Profijahr gleich Meister von Usbekistan wurde, in der asiatischen Champions League debütierte und die ersten A-Länderspiele hatte.

„Das gibt ein Weihnachten, wie wir es noch nie erlebt haben.“ Kai und Kimi Merk haben 2023 ein Weihnachtsfest ohne Tannenduft, ohne gemeinsames Feiern mit der Familie und ohne das leckere Essen von Mama Ina. Das Heiligabend-Programm der zwei Brüder aus Pirmasens sieht vor, dass sie mit der Fußball-Nationalmannschaft von Kirgisistan am Persischen Golf in Dubai ein Testspiel gegen Usbekistan absolvieren. „Danach gibt es ein bisschen Familie per Videoschalte nach Pirmasens und zu unserer Schwester Katja in Neuseeland.“

Auch 2024 Champions League

Was für ein außergewöhnliches Jahr für Kimi Merk, der beim FK Pirmasens mit dem Fußballspielen anfing. „Ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist. Manchmal muss ich mich schon kneifen“, sagt er lachend zu seinen Erlebnissen in 2023. Er schaffte mit gerade mal 19 Jahren nicht nur den Sprung ins kirgisische A-Nationalteam, sondern gewann als Neu-Profi mit Paxtakor Taschkent die usbekische Meisterschaft, was wiederum die Qualifikation für die asiatische Champions League im kommenden Jahr bedeutet.

Zusammen mit den beiden Pirmasensern Oskar Prokopchuk und Lucas Leibrock wurde Kimi Merk im Mai mit den A-Junioren des 1. FC Kaiserslautern Regionalliga-Meister und schaffte dann gegen Hessenmeister SV Wehen Wiesbaden den Aufstieg in die Bundesliga. Dann überschlugen sich die fußballerischen Ereignisse für ihn. Er unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag beim usbekischen Serienmeister Paxtakor Taschkent, spielte dann mit Paxtakor nicht nur in der Superliga des zentralasiatischen Staats, sondern auch in der asiatischen Champions League. Dort reichte es in Gruppe A zu Rang drei hinter Al-Ain FC (Vereinigte Arabische Emirate) und Al Feiha (Saudi-Arabien) sowie vor FK Ahal (Turkmenistan).

Anderes Zuschauerverhalten

Im Pokalfinale von Usbekistan gab es eine 1:2-Niederlage gegen Vize-Meister Nasaf. Dafür holte sich der Mittelfeldspieler aus Pirmasens mit seinem Club die Meisterschaft des Landes. „Volles Stadion, fantastische Stimmung und nach dem letzten Spiel ein Feuerwerk, Pokalüberreichung und Medaillen für alle Spieler. Meine zweite Meisterschaft in einem Jahr!“, schwärmt Kimi Merk. Sowohl das Zuschauerverhalten als auch das Feiern danach im Kreis der Mitspieler seien anders als in Europa. „Wir sind ja in einem muslimisch geprägten Land unterwegs. Die Menschen sind zurückhaltender, legen noch mehr Distanz zu den Spielern an den Tag“, ist seine Wahrnehmung. Die europäischen Spieler im Team aus Serbien, Polen, Russland, Weißrussland „und eben Pirmasens“, wie er lachend einfügt, hätten sich angesichts dieses Erfolgs durchaus das ein oder andere Gläschen gegönnt.

Dank an Vater Vitali

Da Kimi wie sein Bruder Kai auch die Staatsbürgerschaft von Kirgisistan besitzt, hatte er bereits Einsätze in der U20- und der U23-Nationalmannschaft des zentralasiatischen Landes. Dabei hat er so auf sich aufmerksam gemacht, dass er im Oktober als jüngster Spieler in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen wurde.

Bei den Testspielen in Bahrain und drei Tage später in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek gegen die Philippinen spielte Kimi Merk so zum ersten Mal zusammen mit seinem Bruder Kai in einer Mannschaft. „Das ist eigentlich unbegreiflich. Wer von uns hätte gedacht, dass er irgendwann einmal zusammen mit seinem Bruder in einer Nationalmannschaft Fußball spielt? Wir beide vergessen dabei aber auch nicht, dass wir ganz viel unserem Vater Vitali zu verdanken haben, der uns immer gefördert und begleitet hat, uns bei vielen Weichenstellungen zur Seite stand.“

Der in Dahn geborene, bis zur A-Jugend beim FK Pirmasens spielende Kai Merk ist inzwischen 25 Jahre alt, hat bisher sechs A-Länderspiele für Kirgisistan absolviert und dabei auch ein Tor erzielt. Es war der Treffer zur 3:1-Führung in Malaysia. Doch das WM-Qualifikationsspiel ging noch mit 3:4 verloren. Gegen Oman gelang ein 1:0-Sieg. Das Weiterkommen ist in Gruppe D durchaus möglich. Im März und im Juni folgen die restlichen vier Gruppenspiele.

Drei Tage in Pirmasens

Der ältere der beiden Merk-Brüder geht in der ersten luxemburgischen Liga für Union Titus Petingen auf Torejagd. Für den aktuellen Tabellensechsten der BGL Ligue hat der Stürmer in der Hinrunde viermal getroffen und zwei Assists geliefert. „Wir sind schon mit dem Ziel in die Saison gestartet, ganz vorne mitzuspielen, uns auch für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Aber es wurde eine holprige Vorrunde. Immer waren wichtige Spieler verletzt. Auch ich musste vorübergehend kürzertreten“, berichtet Kai Merk. Dies sei aber nun alles auskuriert. „Ich freue mich auf die jetzt anstehenden Länderspiele in Dubai und Doha.“ Er war kürzlich für drei Tage in Pirmasens, traf ein paar Freunde wieder und flog am Sonntag nach Dubai, wo er seinen Bruder Kimi trifft, der von Bischkek aus mit der kirgisischen Nationalmannschaft anreiste.

In Dubai bereitet sich das Team auf den Asia-Cup vor, der in den WM-Austragungsstätten der kuwaitischen Hauptstadt Doha gespielt wird. In Dubai gibt es Testspiele gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, Vietnam, Syrien und an Heiligabend gegen Usbekistan. „Da treffe ich auf einige Mannschaftskameraden von Paxtakor. Ich freue mich schon darauf, zumal die usbekische Nationalmannschaft als sehr stark eingeschätzt wird“, hat Kimi Merk inzwischen das Niveau der dortigen Liga natürlich kennengelernt.

Eigener Koch

In Taschkent habe er sich inzwischen gut eingelebt. „Das mit dem Essen war überhaupt keine Umstellung. Wir haben einen eigenen Koch. Nach Training oder Spiel wird immer gemeinsam gegessen“, sah er eher ein Problem mit dem Zurechtfinden im Verkehr der usbekischen Hauptstadt. „Das geht hier schon sehr wild zu. Nötige Autofahrten erledige ich mit dem Taxi. Das ist auch nicht teuer. Ansonsten finden die Reisen mit dem Team oder der Nationalmannschaft mit dem Flugzeug statt“, ist ein eigenes Auto für den 19-Jährigen erst einmal kein Thema. Noch vor dem Abflug nach Dubai erfuhr er, dass er für die Wahl des besten Nachwuchsspielers in Kirgisistan nominiert wurde.

„Weihnachten in der Fremde bei 30 Grad am Meer – das ist ja ein Luxusproblem, das wir vielleicht nur einmal im Leben haben. Aber das kriegen wir hin. Per Videoschalte eben“, freuen sich Kai und Kimi Merk zunächst mal auf das Wiedersehen mit der Familie. Denn durch die unterschiedlichen Liga-Pausen in Luxemburg und Usbekistan bleibt für Treffs kaum Zeit. „Da können wir echt froh sein, dass wir jetzt zusammen in der Nationalmannschaft spielen“, sagt Kai.

Erst Asia-Cup, dann Liga

Diese Einsätze genießen auch Priorität gegenüber den Ligaspielen mit dem Verein. „Die BGL startet Anfang Februar. Ob ich dann für meinen Verein in Petingen auflaufen kann, steht noch nicht fest. Es kommt darauf an, wie weit wir beim Asia-Cup kommen.“

Übrigens: Die internationale Karriere fördert die Fremdsprachenkenntnisse der zwei Pirmasenser mit kirgisischen Wurzeln. Kimi verständigt sich auf Russisch und Englisch immer sicherer, bei dem in Luxemburg beschäftigten Kai wird das Französisch immer besser.

Im Konfettiregen: Kimi Merk als Meister der Super League.
Im Konfettiregen: Kimi Merk als Meister der Super League.
Blicken der Asienmeisterschaft und der WM-Qualifikation entgegen: Kimi (links) und Kai Merk.
Blicken der Asienmeisterschaft und der WM-Qualifikation entgegen: Kimi (links) und Kai Merk.
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