Pirmasens
Zwei Jahre Strahlentherapie-Praxis: Die Geschäfte laufen gut
„Das geht alles viel schneller und mit mehr Komfort für die Patienten.“ Staab war bei der Präsentation der oberflächengeführten Bestrahlung mit dem System des Londoner Unternehmens „Vision RT“ am Mittwoch ganz begeistert. Normalerweise braucht es für die Strahlentherapie eine Markierung mit Filzstiften oder sogar eine dauerhafte Tätowierung, um zielgenau immer die selbe Stelle zu treffen. Das entfällt in der Strahlentherapie-Praxis am Krankenhaus komplett. Drei Kameras von „Vision RT“ vermessen den Patienten auf den Millimeter genau und steuern den Behandlungstisch sowie den Linearbeschleuniger präzise an die richtige Stelle. „Abweichungen korrigiert jetzt die Maschine“, schwärmt Staab. Die Bestrahlungen seien somit viel präziser. Die Behandlung könne schneller erfolgen und die Patienten könnten ohne Markierung bleiben. Früher habe der Patient sich oft nicht duschen dürfen, damit die Filzstift-Markierung nicht verwischt. Wenn der Patient aber geschwitzt habe oder sich doch geduscht hatte, habe wieder von vorne angefangen werden müssen. Mit den Kameras sei nun jeder Patient genau erfasst, was auch Verwechslungen von Patienten praktisch unmöglich mache. Zumal diese bisher bei Staab auch noch nie passiert seien, wie er gleich betont.
Herz wird geschont
Die Strahlentherapie könne damit extrem genau auf die immer selbe Stelle gerichtet werden, was beispielsweise bei der Therapie mit Berücksichtigung der Atmung sehr wichtig sei. „Das Herz wird dadurch geschont und die Lungen weniger belastet“, nennt Staab die Vorteile am Beispiel des Brustkrebs.
150.000 Euro hat die neue Steuerung mit Kameras gekostet. Geld, das er nicht auf die Kassenvergütung umlegen könne. Staab verspricht sich aber zufriedenere Patienten und eine schnellere Abfertigung des einzelnen Patienten, was langfristig mehr Fälle in die Praxis bringen dürfte. „Das ist es wert, weil wir damit viel eleganter arbeiten können“, so Staab, der zudem auf den psychologischen Aspekt bei der neuen Behandlung verweist, wenn die Patienten ohne Markierungen aus der Praxis gehen können. „Die fühlen sich einfach wohler.“
Verzahnung mit Krankenhaus
Die privat finanzierte Strahlentherapie-Praxis direkt neben dem Krankenhaus wurde in einem Neubau untergebracht, der auch noch Platz für eine onkologische Praxis im Obergeschoss bietet. Im April 2020 eröffnete Staab die Praxis. „Genau mit dem Ausbruch von Corona“, bedauerte er am Mittwoch. Die Anfangszeit mit den teils schwerwiegenden Einschränkungen sei sehr schwierig gewesen, aber er sei mit seinem Team sehr gut angenommen worden. Die Verzahnung mit dem Krankenhaus funktioniere sehr gut, ebenso die Kooperation mit der onkologischen Schwerpunktpraxis von Nicole Adrian. „Wir haben in vielen Fällen alles direkt im Haus“, freut sich der Strahlentherapeut. Zudem sei im Krankenhaus nur wenige Meter zu Fuß entfernt ein Computertomograf.
Das Angebot der Praxis nehmen laut Staab derzeit rund 60 bis 70 Patienten pro Tag an. Die Patienten bräuchten meist nur rund sieben Minuten für die einzelne Behandlung inklusive Anmeldung. Die Bestrahlung selbst dauere maximal 90 Sekunden. „Das Taxi kann vor der Tür warten.“ Neben Tumoren werden bei Staab auch Arthrosen mit der Strahlentherapie behandelt. Diese Behandlungen konnten wegen Coronabeschränkungen bisher nicht so zahlreich angenommen werden wie bei den Tumoren. Rund 20 bis 30 Patienten kämen aber dennoch pro Tag, die sich ihre Arthrosegelenke bestrahlen ließen.
Ein großer Vorteil der Praxis am Krankenhaus sei die Architektur, die praktisch rund um die Belange der Praxis konstruiert wurde. „Es ist alles ebenerdig und hell, nicht im Keller wie in anderen Strahlentherapie-Praxen“, schwärmt Staab. „Wir konnten hier aus dem Vollen schöpfen.“
20 Mitarbeiter beschäftigt Staab an den Standorten Pirmasens und Bad Kreuznach zusammen. Für die Pirmasenser Praxis suche er noch weiteres Personal. Vor allem Arzthelferinnen und Medizinisch-Technische-Assistenten fehlten. Staab hofft auf eine Ende der Corona-Beschränkungen, um die Einweihungsfeier, einen Tag der offenen Tür und Veranstaltungen für Selbsthilfegruppen nachholen zu können. „Wir dürfen ja aktuell außer Patienten fast niemanden reinlassen“, beklagt der Mediziner, der die Praxis mehr für Öffentlichkeit öffnen würde.